
Im Mittelpunkt der Reihe Toldoth & Tarbut (Geschichte und Kultur) stehen Personen, Ereignisse, Zeiträume, Orte und Ausdrucksformen, in denen sich bestimmte Entwicklungen der jüdischen Geschichte, Religion und Kultur von der Spätantike bis zur Moderne geradezu kristallisieren. Die Reihe wendet sich nicht an Experten, sondern möchte einem breiteren Publikum unterschiedliche Aspekte des Judentums erschließen. Nach den beiden Vorträgen des Wintersemesters 2011/12 über Hannah Arendt und Raschi wirft im Sommersemester 2012 Esther Seidel einen Blick auf das Breslauer Rabbinerseminar, mit dem sich Namen wie Heinrich Graetz, Ismar Elbogen und Leo Baeck verbinden. Im Vortrag von Mirjam Zadoff tritt der Journalist, Politiker und Revolutionär Werner Scholem aus dem Schatten seines Bruders, des Kabbalaforschers Gershom Scholem. William Hiscott schließlich widmet sich dem Aufklärer, Vorläufer der Reform und Kritiker eines romantischen Nationalismus, Saul Ascher.
WINTERSEMESTER 2011/12
Montag, 23. Januar 2012, 20.00 Uhr s.t.
Hannah Arendt – eine bewusste Jüdin
Dr. Edna Brocke, Krefeld
Judentum ist eine Existenzform die mit keiner anderen Existenzform vergleichbar ist: Als geborener Jude ist man automatisch zweierlei: Mitglied im jüdischen Volk und zugleich Mitglied in der Religionsgemeinschaft Judentum, gleichgültig ob der einzelne Jude religiös ist. Mit dieser Selbstverständlichkeit hat auch Hannah Arendt ihr Jüdin-Sein gelebt – ganz bewusst jüdisch ohne religiös zu sein. Da sie aus stark assimilierten Kreisen in Deutschland kam, waren ihr christlich-theologische Positionen vielfach bekannter als jüdische. In den USA hingegen bestand ihr enger Freundeskreis vor allem aus jüdischen Emigranten, so wie sie selbst eine war
Montag, 30. Januar 2012, 20.00 Uhr s.t.
Raschi und die Kultur seiner Zeit
Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, Heidelberg
Raschi (1040-1105) ist der jüdische Kommentator schlechthin. Er hat die Bibel und den Babylonischen Talmud Wort für Wort erklärt. Jeder traditionalistische jüdische Bibel- oder Talmudleser sieht laufend nach, was Raschi sagt. Tora wird auch schon im Kinderunterricht stets mit Raschi gelernt. Raschi und seine Kommentare sollen in ihrer Zeit vorgestellt und charakterisiert werden.
SOMMERSEMESTER 2012
Montag, 21. Mai 2012, 20.00 Uhr s.t.
Jüdische Traditionspflege und strenge Wissenschaftlichkeit
Zur nachhaltigen Wirkung des Breslauer Rabbinerseminars
Dr. Esther Seidel, London
Vor 160 Jahren entstand das erste moderne jüdische Rabbinerseminar in Deutschland mit dem Ziel, das "Judentum auf der Grundlage der Wissenschaft mit dem Leben in Einklang zu bringen" (Zacharias Frankel, Gründungsrektor). Zu den namhaften Lehrern und Schülern zählten u.a., Leo Baeck, Hermann Cohen, Jacob und Julius Guttmann sowie Ismar Elbogen. Der Vortrag möchte ausgehend von der Gründungsgeschichte des Seminars einige seiner großen wissenschaftlichen Leistungen in ihrer nachhaltigen Bedeutung benennen
Donnerstag, 14. Juni 2012, 20.00 Uhr s.t.
Werner Scholem.
Zur Biographie eines deutsch-jüdischen Revolutionärs
Dr. Mirjam Zadoff, München
Werner Scholem (1895-1940), ein zur Zeit der Weimarer Republik bekannter KPD-Politiker, wäre heute längst vergessen, hätte nicht sein berühmter Bruder Gershom Scholem ihn in seiner Autobiographie wieder zugänglich gemacht. So beschreibt Gershom Scholem die Jugendjahre und politische Formierungszeit seines Bruders. Werner Scholems Geschichte bietet eine alternative Erzählung der deutsch-jüdischen Erfahrung des 20. Jahrhunderts, die paradigmatisch für jene deutschen Juden steht, deren Hoffnungen auf eine jüdische Zukunft in Deutschland sich in internationalistischen Utopien ausdrückte.
Donnerstag, 28. Juni 2012
Saul Ascher
Berliner Aufklärer und Maskil einer Übergangszeit
William Hiscott M.A., Potsdam
Als Kritiker des in der napoleonischen Zeit aufgekommenen deutschen Nationalismus wurde Saul Ascher (1767–1822) zum jüdischen Außenseiter gemacht: Zum Treffen der Burschenschaften auf der Wartburg 1817 wurde seine Germanomanie verbrannt. Betrachtet man den Philosophen Ascher, so entsteht das Bild eines von Kant geprägten Berliner Aufklärers, der die Methode der Kritik konsequent anwandte, um sowohl die jüdische als auch die übergreifend menschliche Gesellschaft emanzipativ für die Bewältigung der Anforderungen der Moderne vorzubereiten.
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Veranstalter: Katholisches Bildungswerk Bonn, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Bonn, Evangelisches Forum Bonn, Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis An Sieg und Rhein und Studium universale der Universität Bonn.

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