FILMFORUM im DOMFORUM
Veranstalter:
Kath. Bildungswerk Köln und DOMFORUM
Veranstaltungsort:
DOMFORUM, Domkloster 3, 50667 Köln (Zentrum)
Teilnehmergebühr: jeweils 5,00 €
Jeden ersten Mittwoch im Monat bietet das FILMFORUM an einem Abend zwei Spielfilme zu einem Themenkomplex. Im Anschluss an die erste Vorstellung besteht die Gelegenheit, sich in einem ungezwungenen gemeinsamen Gespräch über die Schnittstellen von persönlichem Filmerleben und allgemeinen, im Film behandelten Themen auszutauschen. Dass Filme bestimmte Themen immer wieder und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven behandeln, zeigt jeweils der zweite Film des Abends: als Ergänzung, als Kontrast oder Kommentar zum ersten. So wird die Betrachtung des gerade gesehenen Films in der Moderation mit thematischen Hinweisen auf den zweiten Film verbunden.
In diesem Sinne trägt das FILMFORUM im DOMFORUM in der schnelllebigen und in ihrer Programmvielfalt in den letzten Jahren stetig schrumpfenden Kölner Kino-Landschaft auch dazu bei, zumindest einige Filme wieder ins cineastische Angebot zurückzubringen.
Freitag, 02. März 2012, 17:00 Uhr
Sie sind ein schöner Mann
Frankreich 2005, Regie: Isabelle Mergault, 97 Min.
Nach dem Tod seiner Frau sucht ein mit dem Haushalt überforderter französischer Bauer eine Heiratsagentur auf, um eine neue Ehefrau zu finden, weniger aus romantischen Bedürfnissen denn um eine Hilfe beim Bestellen seines Hofs zu haben. Auf der "Brautschau" in Rumänien trifft er eine passende Anwärterin und nimmt sie mit nach Frankreich. Im täglichen Zusammenleben wird aus dem Paar bald mehr als eine Zweckgemeinschaft.
Freitag, 02. März 2012, 19:30 Uhr
Die Legende von Paul und Paula
DDR 1973, Regie. Heiner Carow, 105 Min.
Zwei junge Menschen kämpfen zäh und einfallsreich um ihre Liebe. Sie überwinden individuelle Schwierigkeiten, gesellschaftliche Normen und Anpassungsideologien.
Ein erfrischend unterhaltsamer und offener Film, der Traum und Wirklichkeit, Poesie und banale Alltagsrealität mischt und mit Spaß, Ironie und Ernst künstlerisch entfaltet. Der schauspielerisch beachtliche Film macht durch seine grotesken Übersteigerungen deutlich, dass den Menschen auch in der real-sozialistischen Gesellschaft das Glück nicht von vornherein in die Wiege gelegt wird. Sowohl das emotionale als auch das kritische Potential des Films, nicht zuletzt sein Plädoyer für Individualität und die Kraft der Träume, sorgten in der DDR für einen anhaltenden Publikumserfolg.
Freitag, 20. April 2012, 17:00 Uhr
Schwarzer Regen
Japan 1988, Regie: Shohei Imamura, 117 Min.
Ein japanisches Dorf in der Nähe Hiroshimas 1950: Der Schock des Atombombenabwurfs sitzt tief, die Strahlenkrankheit fordert ihre Opfer. Verbissen versucht ein alter Mann, seine Nichte zu verheiraten, und tritt allen Gerüchten, daß die 25jährige verstrahlt sei, entschlossen entgegen. Doch seine Hoffnung erweist sich als trügerisch.
Ein betroffen machender, bewußt nüchterner, dokumentarisch anmutender Film, der durch exzellente Kameraarbeit und Ausstattung das Grauen der Katastrophe von Hiroshima heraufbeschwört und einen rigorosen Pazifismus propagiert. Indem er verdeutlicht, wie die Personen ihr Leben als Todgeweihte in gegenseitiger Hilfsbereitschaft bewältigen, öffnet er das Auge für die geistigen Haltepunkte aus Tradition, Kultur und Religion auf diesem langen Sterbeweg.
Freitag, 20. April 2012, 19:30 Uhr
Der Prozess
BRD/Frankreich/Italien 1962, Regie: Orson Welles, 118 Min.
Der kleine Angestellte Josef K. wird eines Tages unter die Aufsicht einer obskuren Justizbehörde gestellt. Sein Prozess schleppt sich dahin, ohne dass der Angeklagte über Sitz, Funktion und Absicht des Gerichts Genaueres erfährt. Versuche, über Frauenbekanntschaften und Mittelspersonen zum Ziel zu kommen, scheitern. Am Ende wird K. von den übermächtigen Instanzen hingerichtet.
Kafkas "Prozeß" in einer Filmfassung von Orson Welles, der die Vorlage zu einem düster-expressionistischen Kinoalptraum verdichtet. Die Inszenierung fesselt durch ihre optische Brillanz und durch virtuos verfremdete Schauplätze, wird in ihrem barocken Reichtum an Effekten aber kaum der strengen, beherrschten Erzählweise des Romans gerecht. Der "Autor" Welles ist immer präsent und liefert eine sehr persönliche Kafka-Interpretation.
Freitag, 04. Mai 2012, 17:00 Uhr
Große Vögel, kleine Vögel
Italien 1966, Regie: Pier Paolo Pasolini, 88 Min.
Ein Mann und sein Sohn begegnen während ihrer Wanderschaft durch die italienische Provinz einem sprechenden Raben, der sie in politisch-philosophische Debatten über Gott und die Welt, Marx und Christus, Geschichte und Revolution verwickelt.
Pasolinis verschrobene Filmfabel ist eine ebenso witzige wie tiefsinnige Meditation über Geschichte und Bestimmung des Menschen; der spielerische Umgang mit Ideologien und deren Rückführung auf die Praxis des Alltags bereitet ästhetischen Genuß und intellektuelles Vergnügen.
Freitag, 04. Mai 2012, 19:30 Uhr
Siddharta
USA 1971, Regie: Conrad Rooks, 88 Min.
Ein junger indischer Adeliger verläßt auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sein Elternhaus. Sein Weg führt ihn über eine Asketenschule und die Begegnung mit Buddha in die Arme einer Kurtisane. Doch weder Wohlstand noch sinnliche Leidenschaft stillen seine Sehnsucht, in die sich tiefer Schmerz mischt, als sich sein Sohn von ihm abwendet. Erst als Fährmann findet er Ruhe und inneren Frieden.
Werkgetreue Adaption von Hermann Hesses Roman "Siddhartha", der die spirituelle Ich-Suche in kunstvoll komponierte Bilder übersetzt und seelische Zustände primär atmosphärisch widerspiegelt. Obwohl erst 1972 fertiggestellt, reflektiert der Film Stimmungen und Gedanken der amerikanischen Protestbewegung.
Freitag, 01. Juni 2012, 17:00 Uhr
Vitus
Schweiz 2005, Regie: Fredi M. Murer, 120 Min.
Ein hochbegabter Junge, dessen Karriere als Pianist von seiner ehrgeizigen Mutter forciert wird, findet eine kindgerechte Rückzugsmöglichkeit bei seinem erdverbundenen Großvater, der auch noch zu ihm hält, als er durch einen Sturz vom Balkon zum "normalen" Kind wird.
Die mit märchenhaften Untertönen konventionell, aber wirkungsvoll und anrührend erzählte Geschichte einer Menschwerdung mit geschliffenen Dialogen und eindrucksvollen schauspielerischen Leistungen. Eine Liebeserklärung an die Kindheit und die Musik.
Freitag, 01.Juni 2012, 19:30 Uhr
Wilde Erdbeeren
Schweden 1957, Regie: Ingmar Bergmann, 91 Min.
Ein Tag im Leben eines 78jährigen Medizinprofessors, der auf dem Weg ins schwedische Lund, wo er eine Auszeichnung entgegennehmen soll, seine Vergangenheit wiederentdeckt. Die Stationen der Reise werden in Träumen, Visionen und Erinnerungsbildern zu Stationen einer Lebensbilanz; indem er Orten seiner Kindheit und Verwandten begegnet, erkennt er mit zunehmender Klarheit die Ursache seiner Kälte, Isolation, seelischen Verhärtung und Todesangst.
Ingmar Bergmans sensibel gestaltetes Meisterwerk um Leben, Gott und Tod fasziniert durch die virtuose Verschränkung von realistischen und surrealen Stilmitteln, von psychologischem Charakterporträt und philosophischem Diskurs. Hervorragend in der Hauptrolle: der schwedische Theater- und Stummfilmregisseur Victor Sjöström.
Freitag, 06. Juli 2012, 17:00 Uhr
Schön war die Zeit
BRD 1988, Regie: Klaus Gietinger, Leo Hiemer, 115 Min.
Ein satirischer Rückblick auf die Neuanfänge des deutschen Nachkriegsfilms: Ein früherer UFA-Regisseur steigt ohne nennenswerte Schwierigkeiten wieder in die Filmproduktion ein und bleibt der Karrierist, der er stets war, während sein Kameramann an der unbewältigten Vergangenheit leidet. Gleichzeitig wird die Geschichte eines Dorfkinos im Allgäu erzählt. Ein vielschichtiger Film, der nicht nur die Geschichte des Kinos erzählt, sondern die Stimmungen in der Gesellschaft beleuchtet. In mehreren Ebenen angelegt, entwirft der Film ein stimmiges Zeitbild voller ironischer Brechungen.
Freitag, 06. Juli 2012, 19:30 Uhr
Jahrgang 45
DDR 1966, Regie: Jürgen Böttcher, 94 Min.
Ein junges Paar aus dem Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg steht kurz vor der Scheidung. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem eigenen Ich finden beide wieder zueinander. Präzise, fast dokumentarisch anmutende Schilderung eines Ehealltags unter nicht gerade idealen Bedingungen.
Durch das freie Spiel der Darsteller und eine ungewöhnliche Kameraführung formal interessant. Einziger, noch vor der Premiere 1966 als "nihilistisch und skeptizistisch" gebrandmarkter und verbotener Spielfilm des Dokumentaristen und Malers Jürgen Böttcher ("Strawalde").
Freitag, 03. August 2012, 17:00 Uhr
The Hours
USA 2002, Regie: Stephen Daldry, 115 Min.
Ausgehend von Virginia Woolfs Roman "Mrs. Dalloway", werden die Geschichten dreier Frauen entfaltet, die zwar zu verschiedenen Zeiten leben, deren Schicksale aber durch das Buch, das einen Tag im Leben einer Frau beschreibt, miteinander verwoben sind. Ein äußerst kunstvoll gestalteter und von überzeugenden Darstellerinnen getragener Film, der weibliche Pflichterfüllung und -verweigerung sowie das Kräfteverhältnis zwischen den Geschlechtern thematisiert. Dabei wird keine Episode schablonenhaft behandelt, vielmehr wird die grundlegende Problematik bis in die Nebenfiguren durchbuchstabiert.
Freitag, 03. August 2012, 19:30 Uhr
Harold and Maude
USA 1971, Regie: Hal Ashby, 88 Min.
Ein depressiv veranlagter junger Mann aus reichem Haus, der seine Verwandtschaft mit einem makabren Todeskult schockiert, findet durch die Freundschaft mit einer 80jährigen, die außerhalb aller gesellschaftlichen Konventionen lebt, ins Leben zurück. Die beiden Außenseiter verbünden sich gegen die Mittelmäßigkeit ihrer Umgebung und erleben das Glück einer unangepaßten Existenz.
Eine sanft-anarchistische Komödie, die die verträumte Lebenslust der amerikanischen "Blumenkinder" der später 60er Jahre beschwört und vom Charme ihrer Hauptdarsteller profitiert. In den eingestreuten Songs und stellenweise auch im Dialog wird ein leicht anarchistisch gefärbter Pragmatismus gepredigt, der sich freilich durch manche Inkonsequenz im Drehbuch selbst wieder in Frage stellt. |