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Informationen zum Procedere der Bischofswahl

PEK/ NH

Was passiert, wenn der Bischofsstuhl vakant wird? Wer leitet in dieser Zeit das Bistum?

Im Augenblick der Emeritierung greift can. 419 des CIC: Bei Sedisvakanz geht die Leitung der Diözese auf den Auxiliarbischof (Weihbischof) über, wenn es mehrere davon gibt, wird der dienstälteste eingesetzt.

 

Innerhalb von acht Tagen nach der Emeritierung des Erzbischofs  wählt das Domkapitel einen Diözesanadministrator, falls nicht der Papst selbst einen Administrator (also einen Apostolischen Administrator) ernannt hat; in Köln ist dies nicht der Fall. Der Diözesanadministrator muss mindestens 35 Jahre alt und Priester sein. Er leitet das Bistum bis zu der Sekunde der – wie es im Kirchenrecht heißt -  "Inbesitznahme" des Bistums durch einen neuen Bischof, dann endet sein Amt automatisch, es sei denn er wurde selbst zum neuen Bischof ernannt. Die Inbesitznahme des Bistums ist eine symbolische Handlung: Nachdem der Dompropst die päpstliche Ernennungsurkunde verlesen hat, setzt sich der Bischof auf den Bischofsstuhl, die Kathedra, und übernimmt damit die Bistumsleitung.

Welche Rechte und Pflichten hat der Diözesanadministrator?

Der Diözesanadministrator muss dem Nuntius (also dem ständigen Vertreter des Papstes in einem Land) einen "ausführlichen und sorgfältigen Bericht über den Stand und die Erfordernisse der Diözese" liefern. Der Administrator darf keine grundlegenden Entscheidungen treffen, zum Beispiel keine Pfarrer ernennen. Im Kirchenrecht gilt der Grundsatz: "Sede vacante nihil innovetur" ("Während der Bischofsstuhl leer ist, darf nichts verändert werden.") Ansonsten hat der Diözesanadministratur die gleichen Rechte und Pflichten eines Diözesanbischofs. 

Was ist mit dem Generalvikar und sonstigen Gremien und Ämtern?

Der Generalvikar ist das "Alter ego" des Bischofs. Er stellt sozusagen das ausführende Organ eines Bistums dar und leitet die Erzbischöfliche Verwaltung. Mit dem Eintritt der Sedisvakanz, also der Emeritierung des Bischofs, erlischt sein Amt. Er kann aber vom Diözesanadministrator zum Vertreter ernannt werden und sein Amt kommissarisch weiter wahrnehmen. Die Bischofsvikare verlieren ihre Aufgaben mit Ausnahme der Weihbischöfe. Die Beratungsgremien des Bischofs wie der Priesterrat und der Diözesanpastoralrat hören auf zu bestehen. Ein neuer Bischof muss sie innerhalb eines Jahres neu bilden. Der Diözesanverwaltungsrat, der Kirchensteuerrat und viele andere Beratungsgremien bestehen während der Sedisvakanz weiter.

 

Bleiben die Weihbischöfe im Amt?

Die Weihbischöfe behalten alle ihre Vollmachten und Befugnisse bei.

Wer kann zum Bischof gewählt werden?

Gemäß den römischen Richtlinien für die Bischofsernennung gibt es viele Anforderungen an einen Bischof. Formal muss er mindestens 35 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren Priester sein. Außerdem sollte er Doktor der Theologie sein oder zumindest gleichwertig gebildet. Der Kandidat soll ein "guter Seelenhirt und Lehrer des Glaubens" sein, einen "untadeligen Lebenswandel führen", "urteilsfähig und klug" sein, "einen ausgeglichenen und festen Charakter besitzen" und "am rechten Glauben beharrlich festhalten". Außerdem muss er dem Papst und dem kirchlichen Lehramt „treu ergeben" sein und sich sehr gut in Dogmatik, Moraltheologie und Kirchenrecht auskennen. Er soll sich durch "Frömmigkeit, Opfergeist und pastoralen Eifer" auszeichnen und zum Führungsamt geeignet sein. Ferner soll er sozial eingestellt, gebildet, dialog- und kooperationsfähig sein.

Wie läuft die Wahl eines neuen Bischofs ab?

Schritt 1: Das Domkapitel wählt einen Diözesanadministrator.

 

Schritt 2: Der Nuntius fordert einen Bericht über die Lage im Bistum an, den der Diözesanadministrator erstellt.

 

Schritt 3: Die Domherren (residierende und nicht-residierende Domkapitulare) bitten diverse Personen aus unterschiedlichen Bezügen um Vorschläge für das Bischofsamt.

 

Schritt 4: Das Domkapitel stellt eine Kandidatenliste auf und sendet sie an die Apostolische Nuntiatur.

 

Schritt 5: Der Nuntius holt im Auftrag des Papstes ausführliche und zuverlässige Informationen über die Kandidaten ein. Dazu werden anhand eines Fragebogens Personen befragt, die den Betreffenden gut kennen (Laien, Priester, Ordensleute usw.).

 

Schritt 6: Nach dieser Untersuchung reicht der Nuntius die Vorschlagsliste im Päpstlichen Staatssekretariat ein. Er gibt dabei seine eigene Beurteilung weiter sowie die Empfehlungen der Suffraganbischöfe (also der Bischöfe in der Kölner Kirchenprovinz Aachen, Limburg, Münster, Trier und Essen). Laut einer Bestimmung des Preußenkonkordats haben außer dem Kölner Domkapitel auch die "Bischöfe Preußens" das Recht, dem Papst eine Kandidatenliste einzureichen.

 

Schritt 7: Unter Berücksichtigung der Kandidatenliste schickt der Heilige Stuhl eine Wahlvorschlagsliste mit den Namen der Kandidaten nach Köln zurück. Der Papst ist bei diesen Vorschlägen nicht an die Kandidatenliste des Domkapitels gebunden. Er kann auch ganz andere Kandidaten vorschlagen, die er für geeigneter hält. Dann beruft der Dompropst das Domkapitel zur Bischofswahl ein. Dies muss innerhalb von drei Monaten nach dem Eintreffen der Wahlvorschläge geschehen. Ansonsten kann der Papst frei entscheiden.

 

Schritt 8: Weil es in den Bestimmungen des  Konkordates zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Preußen von 1929 heißt "Der Heilige Stuhl wird zum Erzbischof... niemand bestellen, von dem nicht das Kapitel nach der Wahl durch Anfrage bei der Preußischen Staatsregierung festgestellt hat, dass Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen" (Art. 6), gibt es eine Anfrage bei den Landesregierungen. Da zum Erzbistum Köln Gebiete in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz gehören, werden diese beiden Landesregierungen nach Bedenken befragt.

 

Schritt 9: Sobald die Stellungnahmen der Landesregierungen vorliegen, kann das Domkapitel den Ernennungsvorschlag nach Rom weitergeben. Die Ernennung des vom Kapitel gewählten und damit benannten Erzbischofs ist dem Papst vorbehalten; sie erfolgt von Rom aus.

 

Schritt 10: Der neue Erzbischof leistet vor der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin einen Treueeid ab. Dann "ergreift er Besitz von der Diözese", indem er dem Metropolitankapitel das Schreiben seiner Ernennung präsentiert. Üblicherweise wird der Amtsantritt des Bischofs in der Kathedralkirche, also im Kölner Dom, "mit Volk und Klerus" gefeiert.

Die Wahl eines neuen Bischofs

Um die 24,5 Millionen Katholiken leben in den 27 deutschen Diözesen. Jeder Diözese steht jeweils ein Bischof vor. Wir stellen die Frage: "Was passiert, wenn ein Bischof aufhört?" Die Antwort ist kompliziert, denn in Deutschland gelten unterschiedliche Regeln. Das Video beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Bischofswahl, den Diözesanadministrator, die Rolle des Papstes und den Aufgaben des Domkapitels.