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Die Kölner Kirche im 20. Jahrhundert

Das Erzbistum im Kaiserreich (bis 1918)

Reiches katholisches Leben
1901 nahm das Erzbistum Köln mit mehr als 2,5 Millionen Katholiken in 882 Pfarreien die erste Stelle unter den deutschen Bistümern ein, 1918 war es es über 3,3 Millionen in fast 1.000 Pfarreien (69% der Gesamtbevölkerung).

 

Die bedeutendsten katholischen Vereine und Verbände hatten ihren Sitz im katholischen Rheinland, z.B. der "Volksverein". Dieser mobilisierte und sensibilisierte für soziale Reformen, um das Wirken der Kirche zu stärken. Die Kölner Erzbischöfe unterstützten dieses Engagement, der wachsende Arbeiterstand in der Kirche konnte nicht mehr ignoriert werden. Die zahlreichen Arbeitervereine hatten die Pflege des religiösen Lebens und die Abwehr der sozialistischen Irrtümer zum Ziel.Trotz Anerkennung ihrer Leistungen waren viele nicht kirchenamtlich errichtete Vereine von der Hierarchie nicht immer gerne gesehen. Teilweise waren sie durch ihre finanzielle Stärke unabhängig von den Diözesanbischöfen, was kircheninterne Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Die Lösung bestand in der Bildung von Diözesanverbänden mit einem geistlichen Präses und der amtlichen Anerkennung durch ihren Bischof. Die oft im Rheinland stattfindenden Katholikentage zeigten die Kraft des katholischen Lebens. Bis zum ersten Weltkrieg stieg auch die Zahl lokaler katholischer Tageszeitungen. 

Innerkirchliche Auseinander-setzungen
Im Jahrzehnt bis zum ersten Weltkrieg spielte das Kölner Erzbistum eine zentrale Rolle. In dem starken gesellschaftlichen Engagement der Katholiken sahen manche Bischöfe die Gefahr des schweren Irrtums in Glaubensfragen. Es bedürfe für die Lösung politischer und sozialer Fragen der steten Kontrolle kirchlicher Autorität. Realpolitische Kompromisse, etwa mit protestantischen Mitbürgern waren fast unmöglich. Vor allem Gewerkschaften, Volksvereine und Zentrumspartei gerieten in die Kritik. Diese Konflikte wurde auf höchster Ebene ausgefochten. Rom meinte die Kirche vor "Modernismus" schützen zu müssen. Die sozialpolitische "Kölner Richtung" missfiel dem Papst, trotzdem stellte sich Erzbischof Fischer schützend vor diese Bewegung.

 

 

Wachstum des Erzbistums
Nach dem Kulturkampf stieg die Zahl der Neupriester, entsprach aber trotzdem nicht dem raschen Bevölkerungswachstum. 1911 kamen 1456 Katholiken auf einen Diözesanpriester, was enorme Seelsorgeprobleme beinhaltete. Die geringe Finanzbasis vor Einführung der Kirchensteuer erschwerte eine vorausschauende zentrale Planung. Die Normalisierung der Kirche-Staat-Beziehung ermöglichte Gesetze zur Verbesserung der sehr unterschiedlichen Finanzlage, z.B. durch Hilfsfond, Zuschüsse zur Pfarrerbesoldung, Errichtung von Gesamtverbänden und Erhebung von Kirchensteuern.

 

Pfarrei und Vereine boten Halt und Einbindung in die traditionelle katholische Lebensumwelt und Gesellschaft. Die Zeitströmungen des Liberalismus und Materialismus entzogen der Kirche Gläubige und forderten die Seelsorger Antworten darauf zu finden. Auch die körperliche und materielle Not der deutlich von Klassenunterschieden geprägten Gesellschaft war eine Herausforderung. Es fehlte die Koordinierung der zahlreichen Aktivitäten der Orden und Wohlfahrtsaktivitäten. Erst 1916 wurde dafür der Diözesancaritasverband gegründet. Der Krieg brachte vermehrt Aufgaben in Bezug auf Seelsorge und kirchliche Caritas.