Start Kontakt Sitemap

Die Kölner Kirche im 20. Jahrhundert

Das Erzbistum im Nachkriegsdeutschland bis zum Beginn des Zweiten Vatikanums (1945 - 1962)

Leben aus den Ruinen
Nach dem militärischen Zusammenbruch waren viele Menschen bestimmt durch tiefe Depression, Orientierungslosigkeit und den Kampf ums eigene Überleben. Viele aus den Reihen der Kirche betätigten sich an einem konstruktiv-wertorientierten Neuaufbau, Erzbischof Frings gewann große Bedeutung als Sprecher der Deutschen gegenüber den Besatzungsmächten. 

Neue Hoffnung, Wiederaufbau und Blüte kirchlichen Wirkens 
In Köln geschah der Neuaufbau auch im Dialog mit den Protestanten, geprägt durch die Hoffnung auf religiöse Erneuerung und eine christlich geprägte Gesellschaft. Es wurden Notkapellen errichtet, "Wanderakademien" sorgten für die Fortbildung des Klerus, die Standesseelsorge in den Pfarreien wurde aktiviert, die Kirchenzeitung nahm ihre Arbeit wieder auf. Gesellschaftliche Perspektiven wurden erörtert, das Diözesankomitee der Katholikenausschüsse bildete sich, Laien sollten flächendeckend aktiv werden. Eine Diözesansynode stellte 1954 das Diözesanrecht neu zusammen.

 

Die Zerschlagung kirchlicher Aktivitäten und die Schwächung des Glaubens waren Folgen von Krieg und NS-Zeit, die Sorge um das Überleben war belastend, trotzdem berichtete Kardinal Frings Papst Pius XII. von der großen Treue und dem Glaubenseifer der Katholiken. Die Menschen kehrten verstärkt zur Kirche zurück, 1952 entstanden Seminare für KathechetInnen, SeelsorgehelferInnen und GemeindereferentInnen. Die liturgische Bewegung forderte zur tätigen Teilnahme am Messopfer auf, die Orden hatten Personalzuwachs, die diözesanen Katholikentage wurden seit 1947 erfolgreich fortgeführt. Symbol dieser hoffnungsvollen Phase war die Wiederherstellung von Chorraum und Querschiff des Kölner Doms 1948, die anlässlich der 700-Jahr-Feier der Grundsteinlegung mit einem international beachteten Domfest begangen wurde.

 

Veränderte politische und kirchenpolitische Situation
Die Kirche bemühte sich darum, dass der Neuaufbau der Gesellschaft wieder auf christliche Grundlagen gestellt wird. Unter Annäherung beider Konfessionen kam es zur Gründung einer überkonfessionellen christlichen Partei, der CDU. Christliche Grundwerte wurden in Länderverfassungen berücksichtigt, die konfessionelle Volksschule wieder eingesetzt. 1958 wurde ein Ruhrgebietsbistum mit Sitz in Essen errichtet und der Kölner Kirchenprovinz zugeteilt, Köln gab 15% der Priester und 20% der Gläubigen dabei ab.

 

Aufschwung des modernen Kirchenbaus - sakrale Kunst
Die Zeit von 1945 bis 1955 stand im Zeichen des Kirchenbaus. Wegen Zerstörung aber auch durch Pfarreineugründungen wurden etwa 650 Kirchen wieder auf- oder neu gebaut. Architekten knüpften unter dem Einfluss der Jugend- und liturgischen Bewegung unmittelbar an die modernen Ideen der Zwischenkriegszeit an. Das Erzbistum Köln wurde zum Zentrum des Kirchenbaus, der Kreativität wurde weitgehend freier Lauf gelassen. Die Trennung zwischen Gemeinde und Altar sollte vermieden werden.

Heftige Diskussionen gab es um die zerstörten oder beschädigten Gotteshäuser. Viele der romanische, gotischen und barocken Kirchen wurden im Sinne einer erhaltenden Denkmalpflege wiederhergestellt, andere historische Bauten des 19. Und frühen 20. Jahrhunderts wurden vielfach abgerissen. Im Nachhinein wird die radikale Entfernung von Ausmalungen und Ausstattungen kritisch bewertet, seit den siebziger Jahren bekommen Kirchen durch behutsame Ergänzung und Rekonstruktion ihren ursprünglichen Charakter zurück. 

Im Zeichen neuer Herausforderungen
Das 1948 berühmt gewordene Wort "Missionsland Deutschland" bezeichnet den Beg inn eines neuen Abschnittes auch der Kölner Kirche. Trotz ermutigender Anfänge ab 1945 war der Bistumsleitung bewusst, dass die große religiöse Blütezeit ausbleiben würde und die Kirche vor neuen Herausforderungen stand. Laut Frings sollte es um einen soliden Wiederaufbau mit wertvollen Ansätzen gehen. Die Restauration von Althergebrachtem wurde den Umständen nicht gerecht. Große Sorge bereitete der sehr geringe Sonntagsgottesdienstbesuch von Männern in Großstädten, aber auch die Entwicklung der Priesterzahlen, das Wort "Priestermangel" kursierte. Kaplanstellen wurden reduziert.

 

Hochgeschätzt wurde die Wiederaufbau- und Reorganisationsleitung im Bistum mit Hilfe des Generalvikars Teusch (1952 - 1969). Die Kirche partizipierte an durch die zentrale Steuererhebung an der vorerst bescheidenen Wohlstandsgesellschaft. Pfarreien wurden neu errichtet, die Seelsorge kümmerte sich um Heimatvertriebene und katholische Gastarbeiter, das Engagement im Kindergartenbereich war groß.

 

Die Katholikenausschüsse waren besonders in der Erwachsenenbildung aktiv. Das katholische Vereins- und Verbandsleben entwickelte sich neu, das sich seit 1952 im Zentralkomitee der deutschen Katholiken repräsentiert. Wallfahrten, Fronleichnamsprozessionen und Martinszüge blieben weiterhin beliebt. Exerzitien und Volksmissionen wurden gefördert, Abendmessen setzt sich mehr und mehr durch, 1958 entstand der sehr erfolgreiche Sternsingerbrauch. Durch die zunehmende Zahl der Mischehen wurden die Konfessionsgrenzen durchlässiger, Ordenspriester füllten die größer werdenden Lücken im Seelsorgeklerus.

 

Neue weltkirchliche Perspektiven
Unter Kardinal Frings entstand das Bewusstsein, dass die Ortskirche unmittelbar in Verantwortung für die Weltkirche steht. Angesichts des zunehmenden Wohlstands kam es zu Buß- und Fastenaktionsplänen, aus der Erkenntnis der Not in der Welt erwuchs 1958 Misereor als Hilfsaktion der Bischöfe gegen Hunger und Krankheit in der Welt. Der Spendenerfolg der ersten Aktion 1959 übertraf alle Erwartungen. Köln war maßgeblich an der Aktion "Adveniat" - Hilfe zur Selbsthilfe - (seit 1961) beteiligt. Das Erzbistum stellte vielfältige Hilfen für die Weltkirche und die Diaspora bereit. Dem Zusammenrücken der Weltkirche verdankt das Erzbistum eine Vielzahl von Impulsen sowie einen Ausgleich in Seelsorge und Caritas durch ausländische Kräfte.