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Aufbruch in die Neuzeit

Bistumsorganisation und kirchliches Leben

1825 hatte Erzbischof Spiegel die Verwaltung der Erzdiözese organisiert, vor allem die zentralen Behörden. Es musste prüfen, wo Altes aktiviert, mit neuen Aufgaben belegt oder ganz neu organisiert werden sollte. Historisch ist interessant, wo sich die neuen Formen bewährt, bzw. sich den Veränderungen angepasst haben.

 

Domkapitel
Das Domkapitel als mächtigstes Gremium bildete zuvor den ersten weltlichen Stand im Kurkölner Territorialstaat, wurde dann eine Art Senat des Erzbischofs für rein kirchliche Angelegenheiten. Es bestand aus zwei Dignitären, dem Domprobst, dem Domdechanten, Kanonikern, Ehrenkanonikern und Domvikaren. Aus ihren Reihen wurden die engsten Mitarbeiter ernannt: der Weihbischof, der Generalvikar und der Offizial. Es hatte das Recht der Bischofswahl, wobei bis 1900 kein einziger Erzbischof aus einer freien Wahl hervorging. Seine Mitglieder wurden teils vom Erzbischof, teils vom Papst nominiert, was zur Spaltung in zwei Parteien führte, einer regierungsfreundlichen und einer ultramontane (romtreue) Fraktion.

 

Schon das erste Domkapitel brachte dem Erzbischof keine Entlastung, zeitweise wurde es wegen des Verdachts des Hermesianismus vollkommen ausgeschaltet. In der Öffentlichkeit hatte es eine schlechte Presse, brachte sich bei der Wahl des Nachfolgers für Geissel in unwürdiger Weise um die Ausübung des Wahlrechtes. Bis 1886 gab es von 16 nur noch sechs Domherren. Die Neubesetzungen nach dem Kulturkampf beendeten die Spaltung des Domkapitels und förderten sein Ansehen.

Weihbischof
Nach der Entbindung von ihren politischen Aufgaben als Reichsfürsten konnten sich die Kölner Erzbischöfe intensiver ihren kirchlichen Pflichten widmen. Vor 1802 besaß der Weihbischof noch die Generalvollmacht für die Angelegenheiten des Weiherechts. Danach behielt sich der Erzbischof die Entscheidungen vor und erteilte nur von Fall zu Fall Mandate. Andererseits musste der Weihbischof anstelle des Generalvikars die Pfarrgemeinden und ihre Priester visitieren.

 

Generalvikariat
Der Generalvikar als Leiter der Verwaltungsbhörde war verantwortlich für Fragen der Sakramente, Seelsorgeprüfungen, leichte Vergehen von Klerikern, das Kirchvermögen und schulische Angelegenheiten. Meistens hatte der Generalvikar eine Generalvollmacht für die zwei Bereiche seiner Behörde, die einerseits für die geistlichen Belange, anderseits für die Rechtsangelegenheiten zuständig waren. Die Besetzung des Generalvikars war nicht immer einfach. Die Aufgabe des Offizialats war die kirchliche Rechtsprechung, vor allem in Disziplinarfällen und Eheangelegenheiten.

Dekanate 
Die päpstliche Bulle von 1821 hatte keinerlei Verfügungen über die Dekanatseinteilung getroffen. Es bestand aber die Notwendigkeit, die unterschiedlichen Verwaltungen links- und rechtsrheinisch zu vereinheitlichen. Zwei Jahre nach Spiegels Amtsantritt trat die neue Dekanatsordnung in Kraft. In Anlehnung an die staatliche Kreiseinteilung von 1816 schuf er für die gesamte Erzdiözese 44 neue Dekanate, davon 10 rechtsrheinisch, wo der Anteil der nichtkatholischen Bevölkerung größer war. Trotz Industrialisierung und rasanter Bevölkerungszunahme entstanden erst in den 90er Jahren 4 weitere Dekanate. Die Dekanate waren die wichtigste Zwischeninstanz zwischen der erzbischöflichen Verwaltung und den einzelnen Pfarreien, überwacht von einem Dechant, der regelmäßig Köln gegenüber berichtspflichtig war. 

Pfarreien
Die linksrheinischen Pfarreien wurden seit der Franzosenzeit von Sukkursalgeistlichen betreut, die zwar auch vom Bischof ernannt wurden, jedoch ein geringeres Gehalt bezogen und auch leichter versetzt werden konnten. Spiegel sorgte für die rechtliche Gleichstellung aller Pfarreien, erhob aber nicht alle Kirchen zu Pfarrkirchen, da die finanzielle Situation zu unsicher war. Die Möglichkeit der schnelleren Versetzung nutzte Spiegel im Kampf gegen Hermesianismus. Erst 1898 hob der preußische Staat per Gesetz alle Pfarrergehälter auf ein Mindestniveau an.

 

Rechtsrheinisch hatte der Patronat (oft ein Adliger bzw. der Staat) das Recht, Pfarrstellen zu besetzen. Ab 1887 wurden Kompromisse zwischen Staats- und Kirchenbehörden gesucht, erst 1929 kam es zu endgültigen Regelung. Bei der Errichtung des Erzbistums gab es 686 Pfarreien, darunter 19, die 6000 und mehr Seelen zählten. Diese Situation verschärfte sich, obwohl einzelne Pfarreien dazu kamen, nicht genug gemessen am Bevölkerungswachstum. Meist entstanden sie in ländlichen, linksrheinischen Gebieten. Nach der Beendigung des Kulturkampfes war der Ausbau des Pfarrnetzes, besonders in den Städten, die dringendste Aufgabe.