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Aufbruch in die Neuzeit

Die Geistlichen, Ordensleute und Ordensschwestern um 1900

Diözesanpriester
Zur Zeit Erzbischof Spiegels gab es etwa 1300 Diözesanpriester, um 1901 dann 1770. Die Zahl der Gläubigen stieg aber prozentual stärker, sodass Ende des Jahrhunderts ein Seelsorger durchschnittlich 1380 Gläubige betreute. Die Ausbildung der Priesteramtskandidaten wurden vereinheitlicht. Sie mussten im Bonner Theologenkonvikt leben, studierten, genossen religiöse Erziehung und die Vorbereitung auf die pastorale Praxis. Bis 1892 war die Unterbringung eher behelfsmäßig, danach war das Collegium Albertinum eine würdige Bleibe. In einer zweiten Ausbildungsphase im Priesterseminar in der Marzellenstr. ging es um die Vorbereitung auf die Priesterweihe und die Seelsorgepraxis.

 

Das Gemeinschaftsbewusstsein innerhalb des Klerus wuchs erst langsam. Der führende Theologieprofessor Hermes schied die Geister in eine alt- und jungkirchliche Gruppe, auch noch nach seiner päpstlichen Verurteilung. Erst der Kulturkampf einte des Klerus. Die Lebensführung der Priester war bescheiden, trotz Wohnung und Einkommen. Der Zölibat galt als selbstverständlich, der Priester opferte sich ohne Rücksicht auf eine Familie ganz dem Dienst.

 

Orden und religiöse Gemein-schaften
Die Aufhebung der Orden während der Säkularisation brachte das Ordensleben in der erste Hälfte des Jahrhunderts fast zum Erliegen. Im Zuge der preußischen Verfassung von 1848/49 kehrten die alten und traditionsreichen Orden an den Rhein zurück. Die kontemplativen Orden hatten ihre Anziehungskraft verloren, attraktiven wurden die Orden, die sich auf religiösem, karitativem, erzieherischem und missionarischem Gebiet betätigten. Die Aufbauphase wurde durch den Kulturkampf unterbrochen, setzte sich danach aber sehr erfolgreich fort.

 

Weiterhin gab es religiöse Verbände, die sich oft um Jugenderziehung und Schulwesen kümmerten und Laienbruderschaften, die sich überwiegend der Krankenfürsorge widmeten. Um 1772 lag die Zahl der Mitglieder der Klöster und religiösen Vereinigungen noch bei 215, 1902 schon bei 709.

 

Frauenorden und weibliche religiöse Gemeinschaften
Die Entwicklung der Frauenorden und -gemeinschaften stellte die der Männer bei weitem in den Schatten. 1827 gab es 179 Schwestern, vor dem Kulturkampf 2060, 1878 nur noch 1303, 10 Jahre später gab es 1887 um zu Beginn des neuen Jahrhunderts gab es 5048 Schwestern. Auch bei den Frauenorden gewannen die Neugründungen und zugewanderten Gemeinschaft einen Vorsprung gegenüber den aus dem Beginenwesen erwachsenen Ordensgemeinschaften. Die in Einzelhäusern lebenden Kongregationen widmeten sich vor allem der Armen- und Krankenpflege. Die unterrichtenden Orden hatten es schwerer mit ihrem Wirken in der Mädchenerziehung. Die kontemplativen Orden mit strenger Klausur gehörten eher der Vergangenheit an.