Ausblick

Für die Jahre 2016 und 2017 rechnet das Erzbistum mit einer stabilen Entwicklung der Rahmenbedingungen und weiterhin leicht steigenden Kirchensteuererträgen. Dadurch können Kostensteigerungen aufgefangen und weitere Investitionen umgesetzt werden.

 

Das in den letzten Jahren zu verzeichnende gute wirtschaftliche Umfeld ist weiterhin intakt. Die Triebkräfte eines anhaltenden moderaten Aufschwungs kommen ganz überwiegend aus dem Inland, wobei maßgeblich die privaten und staatlichen Konsumausgaben zum Anstieg des Bruttoinlandsprodukts beitragen. Zudem ist auch für 2016 und 2017 mit einem weiteren Anstieg der Erwerbstätigkeit zu rechnen, wobei im Jahr 2015 die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns einen überproportionalen Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bewirkte, der sich 2016 und in den Folgejahren nicht fortsetzen wird.

 

Mittelfristig ist zu beachten, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren häufig markant unter dem Durchschnitt aller Bundesländer lag. 2015 konnte Nordrhein-Westfalen als einziges Bundesland kein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erzielen, während in Deutschland insgesamt das Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent angestiegen ist. Insofern ist damit zu rechnen, dass die gesamtwirtschaftlich positive Entwicklung sich nur teilweise in der Entwicklung der Kirchensteuererträge niederschlagen wird. Dies hat auch Folgen für die Kalkulation der Clearingzahlungen beziehungsweise -rückstellungen, bei denen weiterhin hohe Schwankungen zu erwarten sind.

Kirchensteuererträge und Aufwendungen steigen

Für das Wirtschaftsjahr 2016 sieht die Planung des Erzbistums Köln eine Steigerung der Erträge aus Kirchensteuern auf rund 641 Mio. Euro vor. Dies entspricht einem Anstieg um 0,8 Prozent gegenüber dem tatsächlichen Ertrag im Jahr 2015. Die bisherige Entwicklung des Jahres 2016 bestätigt die vorsichtige Planung, denn der Zuwachs beim Kirchensteueraufkommen ist deutlich geringer als im Vorjahr. Abgesehen vom oben genannten Sonderfaktor der Rückzahlung von Sanierungsgeld durch die KZVK liegen die weiteren Erträge annähernd auf dem Niveau des Vorjahres. Beim Finanzergebnis 2016 muss aufgrund des Zinsumfelds mit einem deutlichen Rückgang gerechnet werden.

 

Analog zur Planung höherer Kirchensteuererträge erwartet das Erzbistum Köln 2016 einen deutlichen Anstieg der Aufwendungen bei einzelnen Aufwandspositionen. Insbesondere bei den Zuweisungen an Kirchengemeinden und Kindertagesstätten ist mit einem erhöhten Aufwand zu rechnen, um die tarifbedingt steigenden Personalkosten auszugleichen.

 

Aufgrund einer gesetzlichen Änderung ist der Rechnungszins für die Abzinsung von Pensionsverpflichtungen künftig nicht mehr als 7-Jahres-Durchschnitt, sondern als 10-Jahres-Durchschnitt zu berechnen. Für den Jahresabschluss 2015 bestand ein Wahlrecht. Das Erzbistum Köln hat im Jahresabschluss 2015 weiterhin den 7-Jahres-Durchschnitt angewendet und wird erst im Jahresabschluss 2016 auf den 10-Jahres-Durchschnitt wechseln. Dies führt vorübergehend zu einem erhöhten Rechnungszins und damit im Jahr 2016 zu einem geringeren Zinsänderungsaufwand.

 

Bei den sonstigen Aufwendungen wird im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2015 ein Rückgang um rund 6 Mio. Euro erwartet, was hauptsächlich auf die erfolgreiche Fertigstellung der im letzten Jahr geplanten Baumaßnahme am Kardinal Schulte Haus zurückzuführen ist. Die Abschreibungen sind nahezu unverändert bei rund 23 Mio. Euro geplant. Für das Jahr 2016 erwartet das Erzbistum insgesamt erneut einen Jahresüberschuss, der aufgrund der Sonderfaktoren voraussichtlich über dem Wert des Jahres 2015 liegen wird.

 

Investitionen sind für das Jahr 2016 in Höhe von rund 53 Mio. Euro geplant. Dies ist eine Steigerung um rund 13 Mio. Euro im Vergleich zu 2015.

Vorsichtige Finanzpolitik

Das Erzbistum Köln verfolgt eine vorsichtige Finanzpolitik. Dazu gehört, auf absehbare Trends vorbereitet zu sein. Gleichzeitig ist es darauf bedacht, Handlungsfähigkeit bei aktuellen Entwicklungen und kurzfristigen Herausforderungen zu gewährleisten. Die Aufnahme und Integration hilfesuchender Menschen ist auch im Jahr 2016 für das Erzbistum Köln eine Herausforderung in praktischer, inhaltlicher und finanzieller Hinsicht. Diese Aufgabe ist nicht kurzfristig zu bewältigen und wird das Erzbistum Köln auch in den kommenden Jahren weiter beanspruchen.


Aufgrund von demografischen Entwicklungen, Migration und Kirchenaustritten ist nach aktuellen Berechnungen in der nächsten Dekade mit einem Rückgang der Katholikenzahl im Erzbistum Köln um 10 bis 20 Prozent zu rechnen. Die dadurch bedingte Abnahme der Zahl der Kirchensteuerzahler ist zu deutlich, als dass die Zunahme der Erwerbstätigkeit dies ausgleichen könnte. So könnten bei unveränderter Aufgabenwahrnehmung ab Mitte der 20er-Jahre die jährlichen Aufwendungen die Erträge des Erzbistums Köln nachhaltig überschreiten.

Finanzbericht 2015 (PDF)

Ansprechpartner

Ökonom des Erzbistums Köln Hermann J. Schon Marzellenstraße 32 50668 Köln T 0221 1642 1307 finanzen@erzbistum-koeln.de