Ertrags- und Vermögenslage

Mit rund zwei Millionen Mitgliedern ist das Erzbistum Köln die größte Diözese in Deutschland. Sie umfasste im Berichtsjahr 527 rechtlich selbstständige Kirchengemeinden, die in 180 Seelsorgebereichen zusammengefasst sind.

 

Insgesamt ging die Mitgliederzahl um rund 16.000 beziehungsweise 0,8 Prozent zurück. Ursachen sind der demografische Wandel und Kirchenaustritte. Knapp 21.000 Sterbefällen standen rund 14.000 Taufen gegenüber. Erfreulicherweise ist die Zahl der Austritte gegenüber dem Vorjahr deutlich auf knapp 15.000 zurückgegangen.


Die Ergebnisrechnung des Erzbistums spiegelt wider, wie die laufenden Erträge zur Finanzierung der kirchlichen Arbeit verwendet werden. Der größte Anteil fließt als Zuweisungen an Kirchengemeinden und Verbände für deren seelsorgliche und karitative Arbeit. Zugleich stellt das Erzbistum mit seinem Vermögen den langfristigen Erhalt der für die Umsetzung ihrer Aufgaben notwendigen Infrastruktur sicher und investiert dort, wo Menschen Unterstützung benötigen. Nicht zuletzt decken die Finanzmittel der Bilanz auch die langfristigen Verpflichtungen und sorgen so für Verlässlichkeit in der Erfüllung der Aufgaben.

Entwicklung der Erträge

Die Kirchensteuererträge als wichtigste Einnahmequelle sind im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um 6,6 Prozent auf 627,6 Mio. Euro und damit das fünfte Jahr in Folge gestiegen. Ihr Anteil an den ordentlichen Erträgen beträgt über 75 Prozent. Der Ertragszuwachs ist vor allem auf das starke Beschäftigungswachstum und die stabile Konjunktur der vergangenen Jahre zurückzuführen.

 

Erträge aus Zuweisungen und Zuschüssen erhält das Erzbistum insbesondere für den Betrieb der Schulen. Sie stiegen gegenüber dem Vorjahr leicht auf rund 120 Mio. Euro an.

 

Einen deutlichen Anstieg gab es bei den sonstigen Erträgen, wobei diese Position regelmäßig größeren Schwankungen unterliegt. Im Jahr 2015 fielen höhere Auflösungen von Rückstellungen an, insbesondere von Pensionsrückstellungen sowie der Rückstellung für das Sanierungsgeld der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse des Verbandes der Diözesen Deutschlands (KZVK). Hinzu kam der auf das Jahr 2015 entfallende Teil der Erstattung des Sanierungsgeldes für Vorjahre.

Entwicklung der Mitgliederzahl

2015

2014

Kirchenmitglieder zum 1. Januar

2.034.684

2.056.173

Taufen

14.059

14.024

Kircheneintritte

260

273

Wiederaufnahmen

757

749

Sterbefälle

20.708

19.711

Austritte

14.657

19.557

Sonstige Veränderung

4.239

2.733

Kirchenmitglieder zum 31. Dezember

2.018.634

2.034.684

 

Den gesamten ordentlichen Erträgen von 832,6 Mio. Euro stehen Aufwendungen in Höhe von 805,2 Mio. Euro gegenüber. Dabei sanken die Aufwendungen aus Zuweisungen und Zuschüssen gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent, insbesondere weil die Investitionen in den Ausbau der Kindertagesstätten (U3-Betreuung) weitgehend abgeschlossen sind.

 

Abermals gestiegen sind die Personalaufwendungen. Neben Tarifsteigerungen (rund 6 Mio. Euro) wirkte sich der aufgrund der Zinssituation notwendige höhere Rückstellungsbedarf für die Altersversorgung aus. Die Zahl der Beschäftigten änderte sich dagegen nur unwesentlich. Im Jahr 2015 beschäftigte das Erzbistum Köln durchschnittlich 4.328 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, acht mehr als im Vorjahr.

Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus tragen die Finanz-anlagen, insbesondere aus Wertpapieren, nur in geringem Umfang zu den Erträgen des Erzbistums bei. Insgesamt beliefen sich die Kapitalerträge auf rund 47,7 Mio. Euro. Dem stehen allerdings weiter steigende Aufwendungen für die Rückstellungsdotierung aufgrund der sinkenden Zinsen gegenüber. So ist der zur Kalkulation der Versorgungsverpflichtungen gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verwendende Diskontierungszins von 4,54 Prozent auf 3,89 Prozent gefallen.

 

Bislang erwirtschaftet das Erzbistum aufgrund der langfristig angelegten Anlagestrategie und der laufenden Stärkung des Finanzanlagevermögens auskömmliche Kapitalanlageergebnisse. Das weiterhin sinkende Zinsniveau schwächt bei der Wiederanlage aber nachhaltig die Möglichkeiten, in Zukunft in gleichem Maße Erträge zur Ausfinanzierung der Verpflichtungen und gleichzeitig zur Finanzierung seelsorgerischer und karitativer Leistungen des Erzbistums zu erzielen.

Spürbare Auswirkungen auf die Ergebnisentwicklung gegenüber dem Vorjahr und in den folgenden Jahren hat das Urteil des Bundesgerichtshofes zur Regelung des sogenannten Sanierungsgeldes der KZVK. Demnach sind die in den vergangenen Jahren an die KZVK erfolgten Zahlungen von dieser zurückzuerstatten. Im Geschäftsjahr führt dies zu einem Ertrag von rund 6,1 Mio. Euro. Hinzu kommt die Auflösung einer Rückstellung in Höhe von 4,2 Mio. Euro. Weitere Rückzahlungen von etwa 37 Mio. Euro werden im Wirtschaftsjahr 2016 erfolgen. Allerdings führt die Rückzahlung von Sanierungsgeld bei der KZVK zu einer Deckungslücke. Deshalb wird das Erzbistum künftig höhere Beiträge an die KZVK leisten müssen, um diese Deckungslücke auszugleichen.

 

Mit einem Jahresüberschuss von rund 51,8 Mio. Euro liegt das Erzbistum über dem vorsichtig geplanten Ergebnis. Den größten Anteil daran haben die gestiegenen Kirchensteuererträge sowie gesunkene Aufwendungen für Baumaßnahmen. Neben den wie beschrieben gestiegenen Aufwendungen für die Altersversorgung wirkt sich als besonderer Aufwandsposten die Beteiligung des Erzbistums an einem Fonds von Bund, Ländern und anderen Trägern für ehemalige Heimkinder aus. Der Anteil des Erzbistums Köln daran wird bei rund 8 Mio. Euro liegen.

 

Das Erzbistum nutzt die aktuell günstige wirtschaftliche Lage, um aus dem Jahresüberschuss Geld für zusätzliche Maßnahmen bereitzustellen. Schwerpunkte sind dabei soziale Aufgaben und Bildung. Zur Unterstützung von sozial-karitativen Maßnahmen der schulischen und außerschuli-schen Bildung sowie zur Förderung und Integration von Menschen an den Rändern unserer Gesellschaft stellt das Erzbistum deshalb rund 28 Mio. Euro in Sonderrücklagen ein, die nicht zur Deckung langfristiger Verpflichtungen, sondern für einmalige investive oder zeitlich befristete Maßnahmen eingesetzt werden.

Im Jahr 2015 stieg das Sachanlagevermögen, insbesondere aufgrund geleisteter Anzahlungen auf Anlagen im Bau, um knapp 3 Prozent auf 669,9 Mio. Euro und trug damit 19 Prozent zum Gesamtvermögen bei. Das Finanzanlagevermögen stieg um 1,9 Prozent. Es stellt mit einem Anteil von 72,1 Prozent den wesentlichen Vermögenswert der Bilanz dar. Von den Finanzanlagen dient rund 1 Mrd. Euro zur Deckung der Altersversorgungsverpflichtungen des Erzbistums.

 

Das Umlaufvermögen entfällt im Wesentlichen auf Guthaben bei Kreditinstituten und sichert die laufende Liquidität, unter anderem für die monatlichen Zuweisungen an die Kirchengemeinden und Verbände sowie die Gehaltszahlungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Die Bilanzsumme des Erzbistums stieg um 3 Prozent auf nunmehr 3,5 Mrd. Euro an. Das Eigenkapital wuchs dabei um 2,1 Prozent. Die Zusammensetzung des Eigenkapitals hat sich nur geringfügig verändert. Während das Bistumskapital, also das Eigenkapital im engeren Sinne, und die Ausgleichsrücklage unverändert blieben, stiegen neben den Pensionsrücklagen im Rahmen der Ergebnisverwendung vor allem die Bau- und Sonderrücklagen.

 

Insbesondere aufgrund des hohen Rückstellungsbedarfs von insgesamt rund 78,6 Mio. Euro (plus 14 Prozent) sank die Eigenkapitalquote des zusammengefassten Jahresabschlusses für das Erzbistum und den Erzbischöflichen Stuhl leicht auf 71,8 Prozent.

Finanzbericht 2015 (PDF)

Ansprechpartner

Ökonom des Erzbistums Köln Hermann J. Schon Marzellenstraße 32 50668 Köln T 0221 1642 1307 finanzen@erzbistum-koeln.de