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Englisch als Geheimsprache des Kölner Erzbischofs
Geheimer Schematismus von Erzbischof Johannes von Geissel (Ausschnitt): Eintragungen zu den Priestern Savels und Savelsberg
„Geheimschrift des Kardinals Geissel, am 26.7. 1950 vom Herrn Generalvikar Dr. David dem
Archiv übergeben, darf nicht vorgelegt werden“. Dieser Vermerk des Archivdirektors vom
gleichen Datum liegt so noch in einem 364 Blätter umfassenden „dicken Buch“, das
deutliche Gebrauchsspuren zeigt, im Historischen Archiv des Erzbistums Köln.
Mit der Zuweisung an Kardinal Johannes von Geissel (†1864) verweist dieses
handschriftlich verfasste Buch auf die bewegten Zeiten im Erzbistum nach der Beilegung der sog.
„Kölner Wirren“ des Jahres 1837. Darin war der zuvor amtierende Erzbischof Clemens
August Frhr. Droste zu Vischering unter dem Vorwurf „des Wortbruchs und revolutionärer
Umtriebe“ von der preußischen Staatsregierung verhaftet und auf die Festung Minden gebracht
worden. In den schwierigen Nachfolgeverhandlungen war der preußische König Friedrich Wilhelm IV.
auf den seit 1836 im Bistum Speyer wirkenden Bischof Johannes von Geissel aufmerksam geworden. Mit
Unterstützung des Papstes Gregor XVI. wurde Bischof Geissel am 24. September 1841 zum Koadjutor mit
dem Recht der Nachfolge und zum Apostolischen Administrator ernannt. Nachdem er Anfang 1842 das
Erzbistum Köln übernommen und mit der feierlichen Grundsteinlegung zum Weiterbau des Kölner Doms
auch mit dem Staat Frieden geschlossen hatte, stand Geissel vor der besonderen Herausforderung, die
theologischen Spaltungen unter den Priestern des Erzbistums zu überwinden. Viele Priester waren
Anhänger des vormaligen Bonner Philosophie-Professors Georg Hermes († 1831) und dessen 1835
verurteilter Lehre des „Hermesianismus“. Geissel sah darin die Wurzel des Übels und
betrieb in diesem Sinne eine nicht unproblematische Personalpolitik. Zur vertraulichen
Geheimhaltung seiner Personalangelegenheiten und weil die englische Sprache in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts auch unter den Gebildeten in Deutschland kaum verbreitet war, verfasste
Erzbischof Geissel das private Handexemplar seines Personalverzeichnisses auf Englisch. In
stichwortartigen Formulierungen machte er sich ab 1844 zu den einzelnen Priestern Notizen. Sie
umfassen auf jeder Seite alle möglichen Charakterisierungen von „wohl gebildet“ bei
einem und bei anderen „gesund, aber schwach auf der Brust“, bis hin zu menschlich
schwierigen Aspekten (hier zu Savels: „A girl is fallen in love to [with] him, but is not his
favet [favorite], girl is histeryous [hysterical])“ – „Ein Mädchen hat sich in
ihn verliebt, ist aber nicht seine Favoritin, das Mädchen ist hysterisch“). Der
Geheimschematismus Geissels, der mit Teilen seines Nachlasses ins Historische Archiv gelangte,
beleuchtet aus einer innerdiözesanen Perspektive den langen und insgesamt erfolgreichen Episkopat
von Kardinal Geissel. Unter ihm überwand das Erzbistum Köln nicht nur die Nachwirkungen von
Aufklärung und Säkularisation, sondern erlangte auch wieder eine führende Stellung innerhalb der
deutschen Kirche.
Reimund Haas
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