Mehr als 1.000 Kirchenbücher im Historischen Archiv des Erzbistums
Seite aus dem Heiratsbuch der Kölner Pfarrei St. Johann Baptist mit den Eheschließungen des Jahres 1600
Es war das für die neuzeitliche Geschichte der Kirche so wichtige Konzil von Trient
(1545–1563), welches katholischerseits den Anstoß gab für die systematische Führung von
Kirchen-büchern. So hieß es 1563 im Konzilsdekret „Tametsi“: „Der Pfarrer soll
ein Buch führen, in dem er die Namen der Eheleute und Zeugen, Tag und Ort der geschlossenen Ehe
niederschreibe, und das er sorgfältig bei sich aufbewahre“. In den katholischen
deutschsprachigen Gegenden beginnt damit, wenn auch zögerlich bzw. um Jahrzehnte verspätet, eine
dichter werdende Kirchenbuchführung.
Auch im Bereich des Erzbistums Köln setzen die Kirchenbücher, in die vor allem Taufen,
Eheschließungen und Sterbefälle eingetragen wurden, erst im ausgehenden 16. Jahrhundert allmählich
ein. Dabei ist generell in städtischen Pfarreien eine frühere Kirchenbuchführung zu beobachten als
in ländlichen. So stammt denn auch das älteste Kirchenbuch, das im Histori-schen Archiv des
Erzbistums aufbewahrt wird, aus einer Pfarrgemeinde der Kölner Innenstadt. Es handelt sich um ein
1590 angelegtes Taufbuch von St. Alban. Noch im gleichen Jahrzehnt (1599) legte der Pfarrer der
Kölner Pfarrei St. Johann Baptist ein Heiratsbuch an. Hier ist sehr gut zu erkennen, dass das
Tridentiner Ehedekret in die Praxis umgesetzt wurde und auf welche Weise das geschah: Neben dem
Namen eines jeden Brautpaares geben die drei Striche Auskunft über die dreimalige öffentliche
Verkündigung der Eheschließung. Diese dreifache, so genannte Proklamation war eine der wichtigsten
Forderungen jenes Ehedekretes und sollte gewährleisten, dass ein etwa bestehendes, aber
verschwiegenes Ehehindernis be-kannt würde.
Die beiden Kirchenbücher aus St. Alban und St. Johann Baptist eröffnen die Reihe der z. Zt.
insgesamt 1.086 Kirchenbücher des Bistumsarchivs, deren jüngste bis in die ersten Jahrzehnte des
20. Jahrhunderts reichen und die aus vielen Pfarrgemeinden des Erzbistums stammen. Genutzt werden
die Kirchenbücher in erster Linie von Familienforschern. Hilfreich kann die schier unendliche
Vielzahl von Eintragungen aber auch sein für Fragen etwa der historischen Demographie, der
Namensforschung u.a.m. Wegen des Wertes der Kirchenbücher und wegen der häufigen Nutzung wird
dieses wertvolle Quellenmaterial schon seit Jahrzehnten auf Mikrofilm gesichert. Im Zuge der
Möglichkeiten, welche die moderne digitale Technik bietet, plant das Historische Archiv derzeit ein
großangelegtes Projekt zur digitalen Sicherung der Kirchenbücher. Auf diese Weise sollen die
historischen Quellen seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert mit Mitteln des 21. Jahrhundert auch für
die Zukunft gesichert und besser verfüg-bar gemacht werden.