Der Komet im Baudri-Tagebuch von 1858
Zur Überlieferung der Geschichte des Erzbistums gehören außer den Unterlagen, die aus der
Verwaltungstätigkeit erwachsen, auch die schriftlichen Nachlässe von Persönlichkeiten, so etwa
Amtsträger, Wissenschaftler, Vertreter von Verbänden oder anderen gesellschaftlichen Gruppen,
Kirchenmusiker oder Künstler.
Das Historische Archiv des Erzbistums Köln bewahrt die Tagebücher des Kölner Ma-ers,
Schriftstellers, Kirchenfensterfabrikanten und Stadtverordneten Friedrich Baudri (1808–1874)
auf, Bruder des Weihbischofs Johann Baudri (1804–1893). Zusammen mit diesem und anderen
Personen gehörte er zu den Kölner „Ultramontanisten“, die zum Beispiel die Entwicklung
der Neugotik entscheidend beeinflusst haben. Herr Ludwig Gierse, zu dessen Vorfahren Friedrich
Baudri gehört, hat die Tagebücher aus Familienbesitz an das Erzbistum Köln abgegeben. Von der
Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde werden sie derzeit ediert; der erste Band (1854-1857)
ist bereits er-schienen. Die Quelle vermittelt einen Einblick in den damaligen Alltag und zeigt
Baudris mannigfache Beziehungen auf, die sich in Politik und Kultur niedergeschlagen haben.
An einigen wenigen Stellen illustrierte Baudri seine Notizen, um das Geschriebene zu
veranschaulichen. So zeigt die beigefügte Abbildung zum 1. Oktober 1858 den nach seinem Entdecker
benannten „Donati’schen Kometen“, der etwa alle 1950 Jahre in Erdnähe kommt und
damals von August bis November groß und eindrucksvoll am Nachthimmel stand. Der zugehörige Text
lautet: „Abends von 7-8 Uhr der Komet am Nord-Westlichen Himmel so hell und groß wie ich noch
keinen gesehen.“ Die Zeichnung zeigt das Dachgeschoss von „Haugh’s Haus“ am
Gereonsdriesch; daneben eine Baumkrone und darüber den Kometen mit langem Schweif; ganz oben sind
die Him-melsrichtungen angegeben.
Kometen haben die Menschen zu allen Zeiten beeindruckt; sie galten als Boten für Krieg und
Unglück. In der jüngeren christlichen Tradition hat man auch den Stern, den die Weisen „im
Aufgang“ sahen und der sie zum neugeborenen Gottessohn trieb, als Kometen dargestellt –
ein Himmelszeichen für die Erscheinung des Erlösers in der Welt.