Kirche und Kino: Dr. Mabuse im Historischen Archiv
Originalplakat zu Langs Das Testament des Dr. Mabuse von 1932/33
Anfang des vorigen Jahrhunderts steckte das Kino gerade in seinen Kinderschuhen. Filme wurden als
Attraktion auf Jahrmärkten und Wanderkinos vorgeführt. Viele Menschen standen dem neuen Medium wenn
auch neugierig, so doch noch sehr skeptisch gegenüber. Doch stän-dig steigende Besucherzahlen bei
den Filmvorführungen und auch die rasante technische Ent-wicklung des Films führten schließlich zu
einem Siegeszug der „Kinematographie“.
Auch die Kirche als gesellschaftliche Institution setzte sich mit dem Medium Film
auseinan-der. Nach anfänglich ablehnender Haltung erkannte man schnell, dass der Film nicht nur
Un-terhaltung, sondern auch ein Bildungs- und Erziehungsmittel sein konnte.
Es entstanden verschiedene kirchliche Unternehmungen wie Film-Fachzeitschriften,
Filmver-leihe und verschiedene Produktionsfirmen, die bekanntesten unter Ihnen sind vielleicht die
Stella Maris Film GmbH und die Leo-Film GmbH. Neben diesen zumeist kommerziell orien-tierten
katholischen Filmproduktionsfirmen entwickelte sich aber auch ein reges Pfarr- und
Vereinskinowesen, welches rasch an Bedeutung gewann. Nicht mehr der Jahrmarkt, sondern der
Pfarrsaal oder auch die Kirche waren der Platz, wo die Katholiken Filme anschauen konn-ten (und
sollten!). Für die Versorgung der Pfarreien mit Filmen, meist religiöser Art, war nun der eigens
gegründete Katholische Lichtspielverband zuständig.
Mit dem Nationalsozialismus kam aber bald das faktische Ende: alle kath. Filmproduktionen
mussten nun – wie auch alle anderen – der Prüfstelle der Reichsfilmkammer zur
Nachzensur vorgeführt werden. Nur einige wenige Schätze des Historischen Archivs geben Zeugnis von
dieser Zeit. So beispielsweise das seltene Originalplakat zu dem Film „Das Testament des Dr.
Mabuse“ von 1932/33. Der berühmte Regisseur Fritz Lang erzählt in dem Film die Geschich-te
eines geistesgestörten Verbrechers, welcher mittels telepathischer Fähigkeiten die Men-schen
manipuliert und für Angst und Chaos sorgt. In Deutschland wurde der Film sofort von den
Nationalsozialisten verboten. Zu groß waren die Anspielungen des geistesgestörten, Men-schen
vernichtenden Dr. Mabuse auf Adolf Hitler. Es gelang jedoch, Kopien ins Ausland zu schmuggeln, und
der Film wurde dort ein großer Erfolg. Zu einer deutschen Erstaufführung kam es erst 1951.