|
|
Ruinen an der Kölner Severinstraße
Die Kirchenruine von St. Johann Baptist, Köln, um 1945
Es ist ein Foto von Hermann Claasen, das eindrucksvoll den katastrophalen Zerstörungsgrad der
Pfarrkirche St. Johann Baptist an der Kölner Severinstraße am Ende des Zweiten Weltkrieges zeigt.
Doch das künstlerisch gelungene Bild dokumentiert nicht einfach die fürchterlichen Folgen des
Bombenkrieges, es vermittelt vielmehr in seiner eigenen Ästhetik eine beklemmende Schönheit der
Kirchenruine und ihrer Umgebung sowie eine düstere, zugleich aber anziehende Traurigkeit.
Auch wenn der Fotograf Hermann Claasen (1899-1987) ein wesentlich umfassenderes Werk
hinterlassen hat, wurde er in der unmittelbaren Nachkriegszeit vor allem durch seine
Trümmerfotografien des zerstörten Rheinlandes bekannt, die einmalige Dokumente des Untergangs sind.
Schon 1947 erschien die erste Auflage seines Bildbandes „Gesang im Feuerofen. Köln –
Überreste einer alten deutschen Stadt“, für dessen Verbreitung sich u. a. der spätere
Bundeskanzler Konrad Adenauer einsetzte. Auch die Kirchenruine von St. Johann Baptist ist in diesem
Band abgebildet, allerdings mit einem in der Dramatik zurückhaltenderen Foto als das hier gezeigte,
das über das Pfarrarchiv St. Johann Baptist in die Bildsammlung des Historischen Archivs gelangt
ist. Mit mehreren tausend Fotos seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert dokumentiert diese Sammlung
Orte, Personen und Ereignisse im Bereich des Erzbistums Köln. Wie das hier vorgestellte Foto von
Hermann Claasen verdeutlicht, handelt es sich um Quellen ganz eigener Art, die in den Akten
niedergeschriebene und in Büchern gedruckte Informationen ergänzen, erläutern und auf einer
anderen, mehr emotionalen Ebene vermitteln.
Die Kirche St. Johann Baptist erfuhr von 1960-1963 unter Verwendung des erhaltenen und auf
den Foto erkennbaren mittelalterlichen Langhauses einen Wiederaufbau unter der Leitung von Karl
Band. Während die Pfarrgemeinde im Jahre 2000 mit der benachbarten Pfarrei St. Severin fusionierte,
geriet die Kirche im September 2004 in die Schlagzeilen, als sich (ausgelöst durch Arbeiten für die
geplante Kölner Nord-Süd-U-Bahn) ihr Turm zur Seite neigte – ein Ereignis, welches durch den
Einsturz des nahegelegenen Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009 in den Schatten gestellt wurde. Die
Wiederherstellungs- und damit verbundenen Umbauarbeiten an St. Johann Baptist dauerten bis Juni
2009 an. Am 28. Juni wird die Kirche neu konsekriert und dient mitsamt angrenzender Räume fortan
als Jugendpastorales Zentrum in der Stadt Köln, das sich den Namen „CRUX“ gegeben hat.
Joachim Oepen
|