Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., entsteigt bei einem Besuch des Albertinum in Bonn dem Maybach des Kölner Erzbischofs
In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war der Besitz eines Kraftwagens wohlhabenden Kreisen und
führenden Persönlichkeiten vorbehalten. Seit 1919 verfügte auch der Erzbischof von Köln, zunächst
Felix Kardinal Hartmann, ab 1921 dann Karl Joseph Kardinal Schulte, über ein Auto, das – so
ist es einer Notiz in den Akten des Erzbis-tums Köln zu entnehmen – dem Erzbischof geschenkt
worden war und aus dem Hause Benz stammte. Damals waren weder das heutige Bistum Aachen noch die
Essener Dekanate abgeteilt, und mit dem Auto konnten weite Firmungs- und Visitationsreisen besser
und mit der erforderlichen Diskretion durchgeführt werden.
Nachdem die Notzeiten und die Inflation in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre überstanden
waren und die Wirtschaft in Deutschland zu blühen begann, dachte man über die Anschaffung eines
neuen Fahrzeugs nach. Reichsarbeitsminister Brauns, ein Kölner Geistlicher (!), schrieb an
Generalvikar Dr. Vogt: „Der beste Wagen ist der Maybachwagen“. Einen solchen fahre er
selbst und sei damit außerordentlich zufrie-den. Daraufhin wandte man sich nach Friedrichshafen,
und die Maybach-Motorenwerke boten ihren „22/70“ PS-Wagen an, als Fahrgestell samt
Motor, versteht sich. Hinzu käme eine „Pullmann“-Karosserie von der Kölner Firma Franz
Papler, die dringend empfahl, auch noch einen „Außenkoffer“ zu ordern.
Kardinal Schulte selbst erschien „die Zeit … inopportun für die kostspielige
Ausga-be“; er sei mit seinem bisherigen Auto trotz einiger Mängel zufrieden. Ungeachtet der
Bescheidenheit des Erzbischofs wurde Ende 1925 der Maybach beschafft. Offenbar bewährte sich das
neue Fahrzeug, auch wenn selbst ein Erzbischof nicht von kleineren Unfällen verschont blieb. Im Mai
wurde in Mettmann ein Hund überfahren und 1930 waren einige Karosseriearbeiten erforderlich, die
man für eine Generalüberholung nutzte – mit Neulackierung unter Anbringung des
Erzbistumswappens auf den beiden Hintertüren. Dieses Detail beweist, dass es der erzbischöfliche
Maybach war, den Nuntius Pacelli 1926 für einen Besuch im Collegium Albertinum nutzte, denn ein
Foto dazu befindet sich in der Bildsammlung des Historischen Archivs – es ist die einzige
bekannte Abbildung des Wagens.
Über seinen Verbleib ist nichts bekannt. In der Kriegs- und Nachkriegszeit behalf man sich
mit älteren und Leihwagen, bis Kardinal Frings 1952 einen jener legendären Mercedes 300 bekam; die
auch Bundespräsident Heuss und Kanzler Adenauer fuhren.