ERZBISTUM KÖLN  PRIESTERSEMINAR  DIAKONENINSTITUT     

Stephan Wirgowski, 2. Jahr


 Foto Wirgowski

Du willst Priester werden? Warum das denn, Du bist doch ganz normal !

 

Solche oder ähnliche Äußerungen habe ich auf meinem bisherigen Weg schon öfters gehört. So richtig fingen diese in der Schule an, wo ich auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur nachholte. Ich tat dies im Erzbischöflichen Collegium Marianum hier in Bonn. Da diese Institution in dem Haus untergebracht ist, wo auch die Studenten des Collegium Albertinums wohnen, kenne ich die Umgebung schon ziemlich gut. Nun, diese Frage, die mir von einigen meiner Freunde und Bekann­ten gestellt wurde, empfand ich immer als eine Art „Lob“. Denn im Glauben verwurzelt zu sein und trotzdem mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, in der Welt und somit für die Menschen da zu sein, finde ich eine wichtige und daher auch für mich erstrebenswerte Eigenschaft. Diese wird übrigens auch hier im Collegium Albertinum gefördert.

Unser Leben ist stark vom täglichen Gebet geprägt. Dieses bildet das gute Fundament, das wir einerseits für unser Studium, andererseits aber auch für den Umgang mit unseren Mitmenschen dringend brauchen. - Kurz gesagt, lernt man hier in der Gemeinschaft das Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten.

Ich erwähnte schon, dass ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte, daran kann man erkennen, das ich zu den sogenannten „Spätberufenen“ gehöre. - Diese Gruppe ist hier auch nicht selten! Ich habe mit der Lehre, die ich zwei Jahre lang absolvierte, insgesamt acht Jahre als Kaufmann im Groß- und Außenhandel gearbeitet. Davon durfte ich drei Jahre im Verkauf und weitere drei Jahre als Sachbearbeiter in der Personalabteilung eines mittelständischen Unternehmens arbeiten. Diese Beschäftigung machte mir immer sehr viel Freude, denn ich hatte stets nette Kollegen und Kolleginnen. Auch die Arbeit mit und für die Menschen hat mich immer sehr begeistert. Dennoch fühlte ich in mir etwas, was ich im Nachhinein als Suchen deute. Ich war mir damals aber nicht bewusst darüber. Eines Tages jedoch fasste ich meinen ganzen Mut zusammen und verließ diese Sicherheiten. - Ich muss sagen, dass ich dieses Wagnis bis zum heutigen Tag nicht bereut habe. Mit der Kündigung meiner Arbeitsstelle und dem Verlassen meiner Kollegen und Kolleginnen habe ich zwar viel hinter mir gelassen, aber allein schon während der Zeit im Collegium Marianum und erst recht jetzt im Collegium Albertinum habe ich bereits sehr viel geschenkt bekommen, womit ich damals nie gerechnet hätte. Ich kann daher jeden, der sich prüft und auch künftig noch dazu bereit ist, zu diesem großen Abenteuer ermutigen.

 
 
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