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Geistliche Wegweise

Kardinal Woelki nennt den pastoralen Zukunftsweg des Erzbistums Köln einen „geistlichen Weg“, also einen Weg, der in einer geistlichen Weise gegangen werden will. Was ist damit gemeint?

 

Auch bisher war es selbstverständlich, dass wir bei Beratungen und Aktionen uns unter den Segen Gottes gestellt und mit einem Gebet begonnen haben. Manchmal ist dieses Gebet vielleicht zur (oberflächlichen) Routine geworden, kommt nicht wirklich aus der Tiefe unseres Herzens.

Der Glaube entschwindet: Wir können Kirche nicht "machen".

Schon länger befinden wir uns in Deutschland in einer Zeit, in der die Bedeutung und Akzeptanz von Glaube und Kirche zurückgeht. Zwar ist dieses Phänomen regional noch sehr unterschiedlich deutlich (und im Erzbistum Köln scheint es uns in verschiedener Hinsicht noch „gut“ zu gehen), aber die Tendenz ist eindeutig. Alle Experten sind sich einig, dass sich Glaube und Kirche in Deutschland (und Europa) in einer existenzielle Krise befinden. Das sieht auch Kardinal Woelki so und hat aus diesem Grund seinen Fastenhirtenbrief 2016 geschrieben, der alle Katholiken des Erzbistums einlädt, sich mit ihm bewusster als vorher auf einen Weg zu machen, der ein "geistlicher" ist. Was bedeutet das?

 

Vielleicht haben wir bisher als verfasste Kirche zu sehr darauf vertraut, dass wir selbst mit unserem Können und unserer Professionalität die "Probleme" und Herausforderungen in den Griff bekommen. Das ist uns nicht gelungen. Bei vielen Menschen entschwindet der Glauben immer mehr und das Christliche ist nicht mehr selbstverständlicher Teil unserer Gegenwartskultur. Die breite Kirchlichkeit zerrinnt wie Sand in unseren Händen. Wir spüren: Wir allein können die Kirche nicht „machen“.

Umkehr ist nötig

Eine innere Umkehr ist von uns gefordert, wie sie vielfach in den biblischen Schriften des Alten und Neuen Testaments beschrieben wird. Wir müssen ehrlich bekennen und fest daran glauben, dass nur Gott den Glauben und die Kirche retten kann und wird. Das bedeutet: Wir wissen nicht "genau", wohin der Weg der Kirche geht und wie sie in Zukunft aussehen wird. Gott weiß das und wir verlassen uns auf ihn. Wir wollen seinen Weg gehen. Das ist eine geistliche Grundhaltung, mit der wir in die Zukunft gehen wollen.

Hinhören, was Gott uns sagt

Um wirklich Gottes Weg (und nicht "nur" unseren) zu gehen, ist es notwendig, wirklich hinzuhören auf sein Wort, aufmerksam und offen zu sein dafür, wo und wie Gott uns den Weg weist. Das geht nur, wenn wir uns immer wieder ausdrücklich seiner Gegenwart bewusst werden („Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“ - Mt 18,20) und auf sein Wort hören, das er uns in der Heiligen Schrift zusagt. Kardinal Woelki geht es „darum, dass Wort Gottes zum steten Ausgangspunkt und zum Zentrum unseres Nachdenkens und all unseres kirchlichen Handelns zu machen. Das wird uns als Kirche verändern, unser Beten, unsere Umgangsformen genauso wie unsere Entscheidungen und die Akzente, die wir im Blick auf die Zukunft unserer Ortskirche setzen werden.“[1]

 

Daher: „Für die Zukunft kein Nachdenken über Kirche und ihre Strukturen, keine Beschlüsse über kirchliches Leben, keine Abteilungskonferenz oder Teambesprechung ohne ein angemessenes Maß an Zeit und Raum, die Gott gehören – und damit auch uns – im Hören auf sein Wort.“[2]

 

Auch wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, soll dies in einer geistlichen Weise geschehen. Die „Unterscheidung der Geister“ des Ignatius von Loyola ist eine solche geistliche Methode, in der Abwägung mehrerer Möglichkeiten oder bei der Frage nach den richtigen Personen, nach dem Willen Gottes zu fragen.

 

Den Weg, den wir als Ortskirche von Köln gehen möchten, wollen wir in einer geistlichen Weise gehen. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gottes Geist mitgeht, und machen uns dies immer wieder bewusst. Bei wichtigen Schritten und vor Entscheidungen bitten wir ausdrücklich um seine Hilfe, hören hin auf sein Wort und halten uns durch die Präsenz von Symbolen (z.B. eine brennende Kerze oder die aufgeschlagene Bibel) bewusst, dass Christus und sein Geist in unserer Mitte sind.

[1] Mitten unter euch, Fastenhirtenbrief 2016 von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, Seite 5.
[2] Mitten unter euch, Fastenhirtenbrief 2016 von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, Seite 10.