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Partizipation in der Kirche

Teil-habe an Christus durch Taufe, Firmung und Eucharistie

Jeder Christ und jede Christin ist aufgrund von Taufe und Firmung berufen, Kirche und Welt im Geiste Jesu Christi mitzugestalten. Durch die Taufe haben Christen Anteil an Christus und sind mitverantwortlicher Teil der Kirche. Sie nehmen teil an der Sendung der Kirche und sind gerufen, die Gaben (Charismen), die sie von Gott erhaltenen haben, einzusetzen.

In der Eucharistie setzt sich diese Teilhabe (lateinisch: participatio) an Christus fort: Christus gibt sich uns in der Kommunion, lässt uns teil-haben an sich und wir nehmen teil, partizipieren an ihm und damit an der Kirche. Christus selbst ist es also, der Partizipation, Teilhabe schafft durch seine Teilgabe, die wir in der Eucharistie immer neu erfahren und feiern. Durch seinen Geist wird so "Kirche" immer neu Realität.

Mitgestaltung durch geteilte Verantwortung

Partizipation in der Kirche meint nicht, dass basisdemokratisch über alles mit allen abgestimmt wird. Darum geht es nicht. "Auch in der Demokratie gibt es das Unverhandelbare, das nicht der Entscheidung nach Mehrheit unterliegt: die Menschen- und Grundrechte oder die Gewaltenteilung. Es ist genau das, was gewissermaßen die „Substanz“ unseres Zusammenlebens ausmacht und deshalb gesellschaftlich lebendig erhalten und geschützt werden muss."[1] So ist es auch in der Kirche. Die Grundlage unseres Glaubens ist nicht verhandelbar.

 

Wenn aber alle Getauften durch den Heiligen Geist elementarer Teil und Mitträger von Kirche sind, ist es auch folgerichtig, dass bei konkreten Fragen oder Aufgaben möglichst viele darin einbezogen werden. Die kirchliche Tradition glaubt daran, dass der Heilige Geist die Kirche gerade in Gemeinschaft inspiriert und dadurch leitet (z.B. in Konzilien, Synoden, Räten). Auch lehrt die kirchliche Tradition, dass das Gottesvolk insgesamt nicht irren kann, weil die Gläubigen miteinander einen „sensus fidelium“ haben, einen rechten Glaubenssinn. Daher sollen Entscheidungsfindung und die Realisierung kirchlichen Handelns im Konsens geschehen und so, dass möglichst viele Getaufte beteiligt werden. Kardinal Woelki nennt „geteilte Verantwortung und eine breite Partizipation“ Bausteine für eine Kirche in Köln, die Zukunft hat.[2]

Kirche ist ein Partizipationsgeschehen

„Kirche ist ein Partizipationsgeschehen, das alle dafür gewinnen will, Teilnehmer und „Teilhaber“ – Mit-Erben der Gottesherrschaft, des „ewigen Lebens“ (Röm 8,17; Gal 4,7; Tit 3,7) – zu werden. Und nur wenn Kirche Partizipation selbst lebt, kann sie zur Zeugin für einen Gott werden, der teilnimmt und die Menschen zur Anteilhabe an diesem „Erbe“ beruft; kann sie ein Erbe bezeugen, das die Menschen nicht ausschlagen sollten.“[3]

Leitung und Partizipation

Die Frage der Partizipation führt nicht nur in der Kirche hin zu der Frage nach der Leitung. Leitung und Partizipation schließen sich nicht aus, sondern bedingen und ergänzen einander: Partizipation und Leitung sind wie die beiden Brennpunkte eine Ellipse.

 

Leider wird „nicht selten … die Frage nach Leitung in der Kirche verkürzt auf die Frage: Was darf der andere, was ich nicht darf? Leitung und Macht werden gleichgesetzt; Leitung wird als Abgrenzung, Über- und Unterordnung verstanden. Nicht zuletzt wird Leitungsvollmacht an die Entscheidungskompetenz über Geld, lohnabhängiges Personal und Immobilien gebunden, ja manchmal allein aus dieser abgeleitet. In einem rein am säkularen Management orientierten Verständnis von Leitung verblasst das Grundverständnis der Kirche von sich selbst; und das, was allen gemeinsam ist und was alle gemeinsam tun können, wird nicht selten vergessen.“[4]

Vielfältige Formen von Leitung

„Leitung ist ein offener und vieldeutiger Begriff, der mit mannigfachen Definitionen und Ansprüchen gefüllt werden kann. Auch in der Geschichte der Kirche werden viele Gestalten von Leitung deutlich. Sie zeigen sich in einer Fülle von theologischen und kirchenrechtlichen Begriffen, in biblischen Bildern, in geistlichen und gemeinschaftlichen Erfahrungen von Leitung. Dabei hat die Kirche Leitungsverständnisse der jeweiligen Zeit ausgewählt und aus dem Geist des Evangeliums und zur Erfüllung ihres Auftrages sich anverwandelt … Die Gestalt der Leitung und der Leitungsausübung ist immer auch ein Spiegel der Gemeinschaft, die geleitet wird. Im Bewusstsein dieser Vielfalt von Leitungsverständnissen sucht die Kirche nach Wegen, wie das Zueinander der Partizipation möglichst vieler und der „repraesentatio Christi“ des Priesters verwirklicht werden kann.“[5]

Leitung als Dienst - nicht nur durch Priester

Leitung in der Kirche wird aber nicht nur von Priestern wahrgenommen. Den Dienst der Leitung braucht es auf allen Ebenen – vom Bistum bis hin zur Kindergruppe. Dieser Dienst muss heute in einer nicht-dominierenden Weise wahrgenommen werden und so, dass die Partizipation vieler gefördert und die Delegation auf wenige abgebaut wird. Es ist besonders auch die Aufgabe der Hauptberuflichen in der Kirche so zu leiten. Dadurch ermöglichen sie ein kompetentes Engagement der Kirche im Dienst an den Menschen und der Gesellschaft. Und diese Weise der Leitung dient der Entfaltung der Gaben und Charismen der getauften Frauen und Männer zum Aufbau des Leibes Christi.

[1] Jürgen Werbick, Communio: Kirche teilen. Zukunftsvision mit einer inspirierenden Vergangenheit. In: Martin Klaedtke, Daniel Rick, Jacqueline Schlesinger, Dieter Tewes (Hrsg.): Praxis Partizipation. Voraussetzungen und Wege einer Kirche der Beteiligung, Würzburg 2016, S. 38.

[2] Mitten unter euch, Fastenhirtenbrief 2016 von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, Köln 2016, Seite 17.
[3] Jürgen Werbick, ebd., S. 34.
[4] Gemeinsam Kirche sein, Wort der deutschen Bischöfe zur Erneuerung der Pastoral. Die deutschen Bischöfe 100, S.41
[5] Ebd.