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Erzbischof Joachim Kardinal Meisner
Hirtenwort zu zwei Jahren „Zukunft heute“

Liebe Schwestern und Brüder! jc_meisner

 
1.    Zwei Jahre liegen bereits hinter uns, in denen wir unser Sparprogramm „Zukunft heute“ zu bewälti­gen hatten und auch in der nächsten Zukunft noch zu verarbeiten haben werden. Diese Zeitspanne gehört für mich mit zu den herausforderndsten und aufregendsten Jahren innerhalb meines 31-jährigen Dienstes als Bischof in der Kirche des Herrn. Ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass Gottes Wort besonders dort trägt und hält, wo vieles ande­re wegbricht und aufgegeben werden muss. Ein sol­ches stärkendes Wort findet sich im Psalm 28,7: „Der Herr ist meine Kraft und mein Schild, mein Herz vertraut auf ihn“. Dieses Durchhaltewort möchte ich über einige Erwägungen zum Projekt „Zukunft heute“ stellen, an dem wir gemeinsam seit 2 Jahren arbeiten.

 
2.    Seit dem 1. Oktober 2004 haben sich viele Frauen und Männer in unseren Seelsorgebereichen, Verbän­den und Einrichtungen Gedanken über die zukünf­tige äußere Gestalt der Kirche von Köln gemacht. Mit großem Verständnis für die Notwendigkeit des Sparens und für die veränderten Rahmenbedingun­gen unserer Arbeit haben unzählige Menschen nicht resigniert, sie haben sich an die Arbeit gemacht. Da­bei war ihnen bewusst, dass es bei einem Sparvo­lumen dieser Größenordnung nicht darum geht, Überflüssiges einzusparen, nein, „Zukunft heute“ war und ist in vielen Bereichen des kirchlichen Le­bens mit schmerzhaften Einschnitten verbunden. Dies gilt in besonderer Weise dort, wo wir uns von Einrichtungen und Räumen für Kinder, die Zu­kunft unserer Kirche sind, trennen müssen. Hier war allein schon die Einsicht, wie drastisch die Kinder­zahlen in den vergangenen Jahren gesunken sind und weiter sinken, außerordentlich schmerzlich. Aber auch die Einschränkung bei den Folgediensten sowie der Verzicht auf liebgewordene Räume fallen schwer.

Naturgemäß ist es daher mancherorts zu Meinungsverschiedenheiten und Verletzungen gekommen. Manche haben befürchtet, dass zerstört wird, was in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wor­den ist. Einige wenige haben auch einem langjähri­gen ehrenamtlichen Engagement enttäuscht den Rücken gekehrt. In Gesprächen und Begegnungen, in Briefen und auch Berichten meiner Mitarbeiter sind mir solche Probleme begegnet. Gott sei Dank handelt es sich dabei nach meinem Eindruck um Einzelfälle. (Auch die notwendig gewordene Aufgabe einiger weniger Kirchen hat die Menschen in- und außerhalb unserer Gemeinden schmerzlich bewegt.) Gleichzeitig habe ich aber auch immer gespürt, dass die Notwendigkeit zum Sparen nicht nur eingesehen, sondern auch konstruktiv mitgetra­gen wurde. Dass so viele Männer und Frauen, eben­so aber die jungen Menschen, die in unserer Kirche zukünftig Verantwortung tragen wollen, gemeinsam mit mir diesen Weg gehen, erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit. Die Zuversicht, dass wir uns auch in dieser Situation, ganz in die Hand Gottes geben können, dass er es ist, der uns führt, macht unser Sparprojekt „Zukunft heute“ zu einer Chance für die Zukunft. Wenn wir mit dem Psalmisten sagen können „Der Herr ist meine Kraft und mein Schild, mein Herz vertraut ihm“, dann sind wir wirklich fähig, mit Gottes Hilfe Weichen zu stellen für die Zukunft der Kirche in unserem Land.

 
3.  Die vergangenen zwei Jahre waren nicht nur geprägt von der Notwendigkeit des Sparens. Obwohl wir zwangsläufig eine Menge Zeit für die anstehenden Maßnahmen aufwenden mussten, haben wir doch gerade in dieser Zeit auch vieles erlebt, was unsere Kirche – ich glaube, sagen zu können: nachhaltig – positiv verändert hat: Die Krankheit und das Ster­ben Johannes Pauls II., die Wahl von Joseph Kar­dinal Ratzinger zum Papst, dessen erste Auslands­reise als Benedikt XVI. zu uns ins Erzbistum Köln führte. Und schließlich wurden uns die gesegneten Tage des XX. Weltjugendtages geschenkt, in denen uns junge Menschen aus aller Herren Länder neu für unseren Glauben und für Christus entzündet haben. Liebe Schwestern und Brüder, das Projekt „Zukunft heu­te“ hat uns nicht in Depressionen stürzen lassen, vielmehr haben wir erfahren dürfen, dass eine leben­dige Kirche nicht in erster Linie von ihren materiel­len Möglichkeiten abhängt, sondern von unserer Begeisterung und Offenheit für die lebendige Gegenwart des Herrn in seiner Kirche. Dem Bischof ist aufgegeben „stärke deine Brüder (und Schwestern)“. Die Erfahrungen der letzten bei­den Jahre haben mir gezeigt, wie sehr auch ich in meinem Dienst als Bischof von den Schwestern und Brüdern mitgetragen und gestärkt werde. Dafür dan­ke ich allen, die sich für unsere Kirche engagieren. Für unseren gemeinsamen weiteren Weg segne euch der allmächtige Gott: „der Vater, der Sohn und der Heilige Geist“. Amen.

 
Köln, den 28. August 2006
+ Joachim Card. Meisner Erzbischof von Köln

 
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