Besuch von Leo Maasburg

Als Herr Christoph Konopka, guter Freund unseres Hauses, das Angebot machte, Dr. Leo Maasburg, genannt „Father Leo“, einen Vortrag im Seminar halten zu lassen, waren wir ein wenig überrascht. Keiner von uns hätte gedacht, dass es so einfach sein würde, dem engsten Berater, Begleiter und Beichtvater der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta persönlich zu begegnen. Der Einladung am 13.11. folgten Priester von Redemptoris Mater sowie einige mit unserem Haus verbundene Familien.

 

„Nicht schneller als Jesus laufen“

Father Leo präsentierte einen sehr authentischen, persönlichen, geistreichen und höchst informativ gehaltenen Vortrag. Die 2016 heiliggesprochene albanische Ordensfrau und ihre ermutigende Synthese aus Glauben und Nächstenliebe  nahe darin Gestalt an. Seine tiefe Kenntnis ihrer Vita pointierte er mit zahlreichen Anekdoten und Sprüchen von der Mutter Teresa. „Nicht schneller als Christus laufen“ – riet sie in Bezug auf die Evangelisierung und meinte damit den Respekt vor den durch Gott im Menschen initiierten langfristigen Bekehrungsprozess. „It’s his work“ – lautete ihre Devise, wenn die Welt sie für ihre tätige Hingabe an die Ärmsten der Armen lobte und dabei vergas, aus welcher Motivation und welcher Kraft sie das tat. Denn Christus war die Quelle und das Zentrum ihrer Tätigkeit und dies machte sie überall deutlich. Auch dann, als bei einer internationalen Konferenz die Caritas im christlichen Sinne drohte, zu einem bloßen sozialen Engagement nivelliert zu werden und sie als die letzte Rednerin schließlich über Jesus Christus gesprochen hat. Einfach, charmant, gewinnend aber gleichzeitig dezidiert, wie sie war.

 

„Wir gehen von Jesus zu Jesus“

Angespornt durch eine Christus-Inspiration im Zug, unterwegs zu Jahresexerzitien ihres ursprünglichen Ordens der Loreto-Schwestern, hatte sie ihr Leben fortan der Sorge um diejenigen gewidmet, in denen sie ihren Heiland berühren und dienen konnte. So erklärt ihr Spruch: „Wir gehen von Jesus zu Jesus“ die enge Verbindung von Eucharistie und Dienst an den Ausgestoßenen. Sie war jederzeit bereit, ihre neue „Berufung in der Berufung“ und ihre Projekte, die sie im Zusammenhang damit plante, dem Unterscheidungsurteil der Kirche zu unterstellen. Gewann sie aber durch die Kirchenverantwortlichen die Gewissheit, dass es von Gott kommt, war sie konsequent und unermüdlich in der Realisierung.

 

„Nacht der Seele“

Ihre Christus-Beziehung war auch geprägt von einer jahrzehntelangen „Nacht des Seele“ – eine mystische Erfahrung der Gottverlassenheit, die sie als ihren Beitrag zu Christi Erlösungswerk verstand. Dass dieses Leiden große Früchte gebracht hat, zeigt die Verbreitung und der Bekanntheitsgrad ihres Werkes in der ganzen Welt. Diese „ganz normale und ganz ungewöhnliche“ Frau, wie Dr. Maasburg sie nannte, hat uns gelehrt, wie die Liebe zu Christus in der Liebe zu den Armen ihre Gestalt annimmt und der Mission Glaubwürdigkeit verleiht. Eine zukunftsweisende Perspektive für ein Priesterseminar, das in seinem Namen das Wort „missionarisch“ trägt.