Was hat Gott mit der Liebe zu tun? Kurienkardinal Cordes über "Deus caritas est"

Als Regens Pane Kardinal Woelki die Idee vorstellte, Kurienkardinal Cordes zum Gedenken an die Enzyklika Deus caritas est von Benedikt XVI. ins Priesterseminar Redemptoris Mater nach Bonn einzuladen, erwartete er nicht, dass der Vortrag des römischen Gastes sich eines so großen Interesses erfreuen würde. Die Zustimmung des Erzbischofs von Köln war der Ursprung einer gelungenen Begegnung, die im Zeichen der Verbindung von Theologie, Glaube und menschlichem Miteinander stand. 

 

Als emeritierter Vorsitzender des Päpstlichen Rates Cor unum, mit der Aufgabe, Hilfsaktionen des Heiligen Stuhls durchzuführen und gesamtkirchlich koordinierend in der Caritas zu wirken, war Kard. Cordes maßgeblich an der Erstellung der ersten Enzyklika des deutschen Papstes beteiligt. Vor 140 Personen wollte er nicht bloß „aus dem vatikanischen Nähkästchen“ plaudern, sondern über die spannende Entstehungsgeschichte des Schreibens berichten. Schon unter Papst Johannes Paul II. erstellte Cor unum einen Entwurf, den Benedikt sich für seine erste Enzyklika zu eigen machte, ihn aber umgestaltete. Den vorhandenen „praktischen“ Inhalten über die christliche Wohltätigkeit stellte er einen theologischen Teil voran. Er beginnt mit „Gott ist die Liebe“ und Liebe – Beziehung zwischen Personen. Diese Änderung habe sich als weitsichtig erwiesen, denn nach neueren Umfragen schwinde der Glaube an einen personalen Gott ausgerechnet unter den Christen zunehmend. So gerate die christliche Caritas in eine Identitätskrise, da sie ihren glaubensbezogenen Ursprung nicht mehr eindeutig definieren könne und sich von anderen Hilfswerken nicht mehr unterscheiden würde.

Insofern gelte es, auf neue Glaubensimpulse in der Kirche zu setzen, in denen der frische Geist des Evangeliums zum Ausdruck komme. Dies wirkt insofern verständlich, als Cordes für die tätige Förderung von neuen missionarischen Bewegungen und geistlichen Gemeinschaften bekannt und einer der Initiatoren der Weltjugendtage ist. Als enger Freund des Seminars unterstützt er Priesterberufungen. So hielt er gerne seinen Vortrag im Redemptoris Mater und stellte sich anschließend den Fragen des interessierten Publikums.

 

Zum Ausklang des Abends wurden die Gäste in den Speisesaal zu einem festlichen Abendessen eingeladen, bei dem neben den Seminaristen auch einige von den „Früchten“ des Seminars, also der inzwischen 20 Kapläne und zwei Diakone anwesend waren. Den musikalischen Rahmen beim Vortrag und beim Essen bildeten die italienische Sopranistin Cristiana Tabacco, Schwester eines Seminaristen des Hauses, begleitet von Laura Kalnina am Flügel. Viele Gäste hoben die herzliche Atmosphäre, die geistreichen Gespräche und nicht zuletzt das vorzügliche Essen hervor. Und so wurde Deus caritas est nicht nur verstanden und reflektiert, sondern auch erlebt. Für die meisten Gäste war es die erste Begegnung mit dem Seminar, das aber immer wieder seine Türen öffnet und Besuch gerne empfängt.