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Spuren der früheren Wirksamkeit von Papst Benedikt XVI. im Historischen Archiv des Erzbistums Köln

Nicht erst zum Weltjugendtag, sondern schon zu vielen Anlässen vorher gab es Verbindungen von Papst Benedikt XVI. zu Köln und dem Erzbistum. Eine engere Beziehung bestand vor allem in der Zeit Joseph Ratzingers als Professor für Fundamentaltheologie in Bonn, wo er von 1959 bis 1963 wirkte. Viele Kölner und Aachener Priester, damals Theologiestudenten, erinnern sich noch gern an seine Vorlesungen. 1962 begann das Zweite Vatikanische Konzil, und bis zu dessen Abschluss im Jahre 1965 war Professor Ratzinger für Kardinal Frings ein unentbehrlicher theologischer Berater. Aber auch als München-Freisinger Erzbischof und schließlich als Kurienkardinal kam er immer wieder einmal an den Rhein.


Einer dieser Anlässe war der hundertste Geburtstag von Kardinal Frings im Jahre 1987. Das Historische Archiv des Erzbistums Köln hatte eine Gedenkausstellung vorbereitet, die in der Öffentlichkeit große Beachtung fand. Kardinal Ratzinger hielt am 7. Februar, dem eigentlichen Geburtstag Frings’, im Maternushaus einen Festvortrag zu dem Thema „Buchstabe und Geist des Zweiten Vatikanums in den Konzilsreden von Kardinal Frings“. Er untersuchte die verschiedenen Wortmeldungen des Kölner Erzbischofs, versuchte sie zu kategorisieren und erläuterte ihre Intentionen. Dabei kam es ihm darauf an, oberflächliche Bewertungen zugunsten einer differenzierten Betrachtungsweise zu überwinden.


Der Vortrag erschien gedruckt im Mai desselben Jahres in der „Internationalen katholischen Zeitschrift“, wo er jederzeit nachzulesen ist. Niemand konnte damals jedoch ahnen, dass Kardinal Ratzinger 18 Jahre später Papst werden sollte. Dieses Faktum beschert seinen älteren Äußerungen nunmehr große Aufmerksamkeit, die sich in etlichen Anfragen an das Archiv niederschlägt. So ist für die mit Macht einsetzende Er-forschung des Konzils der Frings-Nachlass mit dessen Konzilsunterlagen von Bedeutung, die in Bearbeitungsspuren und Schriftverkehr die Wirksamkeit der Berater, also auch Ratzingers, überliefern. Ebenso ist der fragliche Vortrag aus dem Jahre 1987 von Interesse. Ein italienischer Radiosender fragte kürzlich an, ob es zufällig einen Mitschnitt davon gebe. Glücklicherweise war damals ein Band mitgelaufen, und diese Aufnahme konnte nun digitalisiert auf einer CD zur Verfügung gestellt werden. So ist außer dem nüchternen Druck auch das gesprochene Wort in seiner unmittelbaren Wirkung überliefert.

 

Wolfgang Schmitz