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Panorama Köln

Ausstellungen

Nora Ehrlich

Die seltene Preisgabe des Lichts

Malerei auf Leinwand und Papier

Ausstellungseröffnung: 02.05.2011, 19:00 Uhr

02. Mai 2011 - 30. Mai 2011 ganztägig geöffnet
Maternushaus, Kardinal-Frings-Str.1, 50667 Köln

Das Blau zeigt sich verhalten, vorsichtig, eher zögernd, dann auch stark und in eindeutiger Wirkung. Das Blau schimmert, es verhüllt sich eher, als dass es sich offenbart. Es zeigt sich und entzieht sich. Hinter einer dichten, vielfältigen Farbenwelt schwebt die Himmelsfarbe und leuchtet durch sie hindurch, schenkt dem Rot und Gelb, dem Schwarz und den wechselnden Zwischentönen ihre Konsistenz und Intensität. Das lichte Blau zeigt sich behutsam, es ist, als könne es sich im plötzlichen Wirbel der Farben für kurze Augenblicke oder für immer verbergen. Das Bild lebt von diesem kostbar gesetzten Blau. In seiner sparsamen Präsenz meldet es sein verborgenes Dasein an hinter den wirbelnden Farben, gewährt ihnen eine Tiefe, die sie ins Unendliche zieht. Im sparsamen Eintrag des Blau gewährt sich das Licht, bietet sich dar, lässt keine Selbstverständlichkeit aufkommen. Die Himmelsfarbe bleibt in zitternder Schwebe.
Die seltene Preisgabe des Lichtes hat Nora Ehrlich dieses Bild benannt, das zwischen 2005 und 2009 entstanden ist. Titel sind sicher für das Verständnis eines Bildes nicht entscheidend und für den Zugang zu den Kunstwerken keineswegs immer hilfreich, manchmal sogar irreführend. Selten aber begegnet man einer solch feinfühligen sprachlichen Annäherung an das Farbgeschehen eines Bildes.
Von einem Farbgeschehen kann tatsächlich die Rede sein. Die Farben sind in lebendigem Fluss und erzählen in völliger Abstraktion von einer Wirklichkeit, die nur so und nicht anders gezeigt werden kann. So auch die seltene Preisgabe des Lichtes, die der ganzen Ausstellung Nora Ehrlichs im Maternushaus den Titel gibt.
Die Bilder der Künstlerin geben Gefühle und Stimmungen preis in den Schwingungen und Bewegungen der Farben. Ihr Element ist das Licht. Der Himmel und die Jahreszeiten, ihre wechselnden Stimmungen und Farbwirkungen faszinieren Nora Ehrlich, regen sie an zu ihren malerischen Kompositionen. Das Licht durchwirkt die Malerei und schenkt ihr eine betörende, poetische Präsenz. Es ist diese poetische Kraft, die einen erinnern lässt an das Journal des Gerard Manley Hopkins und seinen täglich notierten Wetter- und Himmelsbeschreibungen, so – in der Übersetzung von Peter Waterhouse – unter dem 2. Juli 1866: „Einige Schauer, schön zwischendurch. Jene moosigen Wolken Schleppe hat ihr Gesetz eher in Spiralen, Wellzungen und es ist beträchtlich wahrnehmbar. Bernstein-Rosa und Blaugrün auf den Fäden nahe der Sonne…am Morgen blasse durchsichtige entballende weiß-rosa Wolke in Blau getränkt und bald schwindend.“
Die Bilder Nora Ehrlichs haben jene seltene Strahlkraft, wie sie zu finden ist in barocken Kirchengewölben, wenn diese in völliger Abstraktion Himmelslandschaften entfalten.
Der Betrachter kann sich der Wirkung dieser Malerei kaum entziehen. Er darf sich einlassen auf eine Begegnung mit Farbe und Licht, die nicht mehr in Begriffe überführt werden kann. Dem künstlerischen Ausdruck kann nichts Besseres gelingen, als eine eigene, unvertretbare Wirklichkeit zu schaffen. Nora Ehrlich gelingt es.


Prälat Josef Sauerborn, Köln