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Erziehungsauftrag Katholischer Schulen?

Standpunkt - Erziehungsauftrag

Wie begründet die Kirche den Erziehungsauftrag Katholischer Schulen?


„Für den katholischen Christen liegen Erziehungspflicht und Erziehungsrecht zunächst bei den Eltern des jungen Menschen. Mit zunehmender Reife entfalten sich Pflicht und Recht zur Selbsterziehung. Eine regelnde und unterstützende Aufgabe fällt im Bildungsbereich dem Staat und den Kirchen, den Wissenschaften und den gesellschaftlichen Gruppen zu.“

 


Diese prägnante Zusammenfassung der grundsätzlichen kirchlichen Position zur Erziehungsverantwortung ist dem Beschluss der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, kurz: Würzburger Synode, zum Bildungsbereich entnommen. Sie greift die Linie auf, die auch das Zweite Vatikanum in seiner Erklärung über die christliche Erziehung Gravissimum educationis deutlich markiert hat:

Der primäre Erziehungsauftrag gegenüber der nachwachsenden Generation liegt bei den Eltern beziehungsweise den Familien. Eine subsidiäre, unterstützende Funktion kommt sodann dem Staat, der Kirche und anderen gesellschaftlichen Gruppen zu.
Zu diesen die Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung unterstützenden Aufgaben des Staates und anderer gesellschaftlicher Gruppen gehören vor allem auch die Errichtung von Schulen und die Sicherstellung einer guten Schulbildung. In diesem Zusammenhang legt die Kirche großen Wert auf Schulfreiheit und freie Schulwahl, weil die Eltern die Möglichkeit haben sollen, selbst zu entscheiden, an welche Schule sie einen Teil ihrer Erziehungsverantwortung übertragen. In diesem Zusammenhang leistet die Kirche auch einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft: freie Schulwahl ist nur dann möglich, wenn es ein konkretes Angebot über die staatlichen weltanschaulich neutralen Schulen hinaus gibt. Diese Wahlmöglichkeit kann der Staat aus eigener Kraft gar nicht zur Verfügung stellen. Damit ergibt sich eine erste Begründung des Erziehungsauftrags Katholischer Schulen.

 

Im Sinne des Subsidiaritätsprinzips leitet er sich vom primären Erziehungsauftrag der Eltern ab und ermöglicht gleichzeitig über die freie Schulwahl auch die Entscheidung für ein konkretes schulisches Bildungs- und Erziehungskonzept Dazu kommt noch eine zweite Begründung. Neben dem primären Erziehungsauftrag der Eltern sieht die Kirche auch einen originären Erziehungsauftrag bei sich selbst, der Kirche. So heißt es in Gravissimum educationis: „Ein ganz besonderer Erziehungsauftrag ist der Kirche zu eigen, nicht nur weil auch sie als eine zur Erziehung fähige menschliche Gemeinschaft anzuerkennen ist, sondern vor allem deshalb, weil sie die Aufgabe hat, allen Menschen den Heilsweg zu verkünden, den Gläubigen das Leben Christi mitzuteilen und ihnen mit unablässiger Sorge zu helfen, dass sie zur Fülle dieses Lebens gelangen können.“

 

Da nun aber die Katholische Schule als eine Form der kirchlichen Präsenz in der Gesellschaft, ja sogar als „ein eigenständiges kirchliches Subjekt“ zu verstehen ist, hat sie selbst auch Anteil am genuinen Erziehungsauftrag der Kirche. Der Erziehungsauftrag Katholischer Schulen lässt sich also erstens vom primären Erziehungsauftrag der Eltern ableiten, die der Schule einen Teil ihrer Erziehungsverantwortung übertragen. Und zweitens haben Katholische Schulen Anteil am Erziehungsauftrag der Kirche.

 

Quelle: Zum Erziehungsauftrag Katholischer Schulen, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, 6. Bundeskongress Katholische Schulen