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Standpunkt - Gestaltung Katholischer Schulen

Welche Konsequenzen ergeben sich nun daraus für die Gestaltung Katholischer Schulen?


Eine grundlegende Richtlinie hat uns dazu das Zweite Vatikanum mit jenem wahrscheinlich meist zitierten Wort aus Gravissimum educationis gegeben, dass es nämlich die Aufgabe Katholischer Schulen sei, „einen Lebensraum zu schaffen, in dem der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig ist“. Wenn wir die drei hier genannten Schlüsselbegriffe „Freiheit“, „Liebe“ und „Evangelium“ aufgreifen und uns die drei gerade dargestellten Erziehungsziele Katholischer Schulen vor Augen halten, so meine ich, wir könnten drei Forderungen zur Gestaltung Katholischer Schulen formulieren:

 

 

Erstens:
Eine Katholische Schule muss ein Hort der Freiheit sein. Auch wenn ich mir der Paradoxie wohl bewusst bin, angesichts der allgemeinen Schulpflicht von einer Schule als  Hort der Freiheit zu sprechen, liegt doch gerade an dieser Stelle eine zentrale Herausforderung für die katholische Profilierung unserer Schulen. Selbstverständlich braucht eine Schule, um funktionieren zu können, Regeln, und es bedarf auch der nötigen Konsequenz, wenn es darum geht, die Einhaltung dieser Regeln einzufordern. Ebenso stehen unsere Schulen unmissverständlich für bestimmte Werte und dazugehörige Normen. Aber gleichzeitig müssen wir alles daran setzen, in unseren Schulen eine ausgeprägte Kultur der geistigen Auseinandersetzung zu fördern, die zu Selbstständigkeit im eigenen Denken führt und Entscheidungen in Freiheit ermöglicht. Denn die Erziehung innerlich freier Persönlichkeiten kann nur dann funktionieren, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst Subjekte des Erziehungsgeschehens sind, das heißt wenn sie selbst mit ihrem Verstand, ihrem Willen und ihren Emotionen aktiv tätig sind. Nur so können sie zu mündigen Mitgestaltern von Gesellschaft und Kirche werden, nur so können sie verantwortliche Entscheidungen für ihr Leben treffen.

 

Zweitens:
Eine Katholische Schule muss eine gute Gemeinschaft sein. Die Erziehung zur Gemeinschaft und auf Gemeinschaft hin erfolgt in einer Katholischen Schule primär dadurch, dass die Schule, die sich selbst als „Erziehungsgemeinschaft“ versteht, im alltäglichen Schulbetrieb einen modellhaften Stil von Gemeinschaft verwirklicht. Dabei ist nicht nur die Gemeinschaft der Schülerinnen und Schüler untereinander und mit den Lehrkräften angesprochen, sondern ein vorbildlicher Stil von Gemeinschaft muss bereits im kollegialen Miteinander der Lehrerinnen und Lehrer beginnen. Er bezieht die nicht unterrichtenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso ein wie die Zusammenarbeit mit den Eltern. So gehört die Ausprägung einer „Kultur der Gemeinschaft“ ebenso zu den Qualitätskriterien Katholischer Schulen wie die „Gegenseitige Achtung und Solidarität“ oder die Gestaltung einer „Gemeinschaft in Vielfalt“. Respekt, gegenseitige Wertschätzung und die Achtung von Grenzen sind wichtige Grundlagen einer vom Geist des Evangeliums geprägten Gemeinschaft.

 

Drittens:
Eine Katholische Schule muss ein Ort der Gottesbegegnung sein. Wir alle wissen, dass man Gottesbegegnungen nicht „machen“, nicht erzwingen kann. Aber es gehört zur Aufgabe der Gestaltung einer Katholischen Schule, Gelegenheiten zu schaffen, gewissermaßen zu arrangieren, die für eine Begegnung mit dem lebendigen Gott nach menschlichem Ermessen besonders förderlich sind. Sicher wird man dabei zuerst an die verschiedenen schulpastoralen und insbesondere auch liturgischen Angebote denken. Eine wichtige Bedeutung kommt darüber hinaus dem Kerngeschehen von Schule, nämlich dem Unterricht zu, der die Aufgabe hat, Gott immer wieder ins Gespräch zu bringen und die Auseinandersetzung mit Sinn- und Wertfragen anzuregen und zu begleiten. Ich beziehe mich ausdrücklich nicht nur auf den Religionsunterricht,auch wenn er dabei eine herausragende Funktion hat, sondern auf den Unterricht in allen Fächern. Gelegenheiten, dem lebendigen Gott direkt oder indirekt zu begegnen, bieten sich nicht zuletzt in der gesamten Kultur der Schule, die in einem freundlichen, respektvollen und hilfsbereiten Umgangsstil ebenso zum Ausdruck kommt wie in einer fröhlichen Atmosphäre und nicht zuletzt in einer ansprechenden und würdigen Gestaltung der Räumlichkeiten.

 

 

Quelle: Zum Erziehungsauftrag Katholischer Schulen, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, 6. Bundeskongress Katholische Schulen