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Zentrale Erziehungsziele

Welches sind die zentralen Erziehungsziele Katholischer Schulen?

 

Die Schule im Allgemeinen steht heute vor der Herausforderung, junge Menschen mit dem nötigen Handwerkszeug auszurüsten, das es ihnen erlaubt, sich in einer globalen, immer schneller sich wandelnden Gesellschaft zu bewähren. Der moderne Mensch fühlt sich vielfach getrieben – und das hat konkrete Auswirkungen auf unsere Schulen –, immer mehr wissen und können zu müssen, bei der gleichzeitigen Gewissheit, dass die Halbwertszeit von Wissen und Fertigkeiten stetig abnimmt. Vor diesem Hintergrund stellen wir uns also die Frage: Wie füllen wir den Erziehungsauftrag Katholischer Schulen inhaltlich? Der Ausgangspunkt und zugleich das oberste Ziel des kirchlichen Engagements im Bereich von Erziehung und Bildung ist die Entfaltung des von Gott um seiner selbst willen geschaffenen Menschen in seinen persönlichen menschlichen Anlagen. Es geht bei der Erziehung „um die Ausbildung der menschlichen Person, um ihn oder sie zu rüsten, das Leben in seiner Fülle zu leben.“

Eine Konkretisierung besteht in der Erziehung der jungen Menschen zu personaler Freiheit, das heißt in der Unterstützung ihrer Entwicklung zu innerlich freien Persönlichkeiten. Es ist ein wesentliches Kennzeichen der Würde des Menschen, dass er aufgrund bewusster Entscheidungen frei handeln kann.

 

In der persönlichen Freiheit liegt sicher eine grundlegende Sehnsucht des modernen Menschen, und zugleich bildet die Befreiung des Menschen zu solcher innerer Freiheit eine zentrale Botschaft des christlichen Erlösungsglaubens. Das Leitbild der Erziehung in Katholischen Schulen ist nicht der Mensch, der funktioniert, der an die ökonomischen Erfordernisse und den jeweiligen Mainstream der politisch korrekten Meinungen angepasst und letztlich fremd gesteuert ist, sondern der Mensch, der aus seiner Personmitte heraus verantwortlich entscheidet und in Freiheit handelt.

Deshalb müssen wir in unseren Schulen immer wieder Gelegenheiten schaffen, Christus zu begegnen, und für eine Atmosphäre sorgen, in der eine Beziehung zu Christus wachsen kann.  Wir beobachten in unserer Zeit, dass sich immer mehr Menschen der großen Bedeutung der Bildung als Voraussetzung für materiellen Wohlstand und gesellschaftlichen Status bewusst  werden und dabei geradezu eine regelrechte Heilserwartung an die Bildung richten. Gerade  vor diesem Hintergrund sollten sich kirchliche Bildungseinrichtungen dadurch auszeichnen, dass sie den Blick weiten und den jungen Menschen erfahrbar machen, dass sich ihr Wert und  ihre Würde nicht von ihrem Erfolg in dieser Gesellschaft herleitet, sondern bereits darin  begründet ist, dass sie von Gott, ihrem Schöpfer und Vater gewollt und angenommen sind.


Gerade dieses vorbehaltlose Angenommensein als Person vor jeder Leistung ist eine  Erfahrung, die vor allem benachteiligte Schülerinnen und Schüler heute so oft schmerzlich  vermissen. Im wertschätzenden Umgang der Lehrkräfte mit den ihnen Anvertrauten besteht die Chance, gerade dies an Katholischen Schulen erfahrbar zu machen. Zum Menschsein gehört wesentlich das Bezogensein auf die Mitmenschen. Als Abbild des dreifaltigen Gottes, der in sich Gemeinschaft ist, wird auch der Mensch erst in Gemeinschaft ganz Mensch. Eine Erziehung, die das Leben des Menschen in seiner Fülle zum Ziel hat, muss deshalb auch eine Erziehung zur Gemeinschaft sein.

 

Dazu gehört die Zuwendung zu den Menschen im unmittelbaren Umfeld ebenso wie der Dienst an den verschiedenen Gemeinschaften, zu denen der oder die Einzelne gehört, bis hin zum Engagement für die Gesellschaft insgesamt. In der Zusammenfassung:

Die Schülerinnen und Schüler entfalten ihre persönlichen Anlagen und entwickeln sich zu  innerlich gefestigten, freien Persönlichkeiten.  Sie kommen mit Gott in Berührung, von dem die Kirche glaubt, dass er allein den Menschen zur Fülle seines Lebens führen kann.  Sie sind sich ihrer Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft bewusst und bereit zum selbstlosen Dienst an ihren Mitmenschen.

 

 

Quelle: Zum Erziehungsauftrag Katholischer Schulen, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, 6. Bundeskongress Katholische Schulen