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Domwallfahrt

29 Erzbischöfliche Schulen sandten eine Abordnung von 3000 Schülerinnen und Schüler nach Köln zur Domwallfahrt. Sie repräsentierten 36000 Schülerinnen und Schüler der Erzbischöflichen und anderen Katholischen Freien Schulen. Das Gefühl, „wie gut es ist, wenn man nach einem langen Weg endlich am Ziel ist“, haben nicht nur die Heiligen Drei Könige auf der Suche nach dem neugeborenen König der Welt empfunden, sondern auch die Schülerinnen und Schüler die sich auf den Weg machten.


Mit Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela sei Köln dank der Heiligen Drei Könige „zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des christlichen Westens geworden“ - das hat Benedikt XVI. den Kölnern beim Weltjugendtag 2005 ins Stammbuch geschrieben. Durch eine alljährliche Domwallfahrt soll das Bewusstsein für diesen geistlichen Schatz verstärkt werden. Vielleicht ist Köln auch ein wenig das deutsche Rom und dahin wallten die Schülerinnen und Schüler der Erzbischöflichen Schulen. Wie sich die Wallfahrt in den nächsten Jahren entwickeln wird, kann sicherlich erst mit zeitlichem Abstand benannt werden, weil sich Erfahrungen nicht konstruieren lassen.


Katholische Schulen sind „in“. Diese Ansicht begründet sich nicht nur in der Nachfrage, die an allen Erzbischöflichen Schulen in jedem Jahr deutlich höher liegt als die Aufnahmemöglichkeiten. Es ist immer auch die praktizierte Schulgemeinschaft, die ein Miteinander von Lehrern und Schülern erfahrbar werden lässt. Nicht gilt es, die auf einem Minimalkonsens beruhenden Richtlinien im Fach Religion unreflektiert zu übernehmen, sondern deutliche Akzente, nicht nur in der theoretischen Reflexion über Glaubensinhalte, sondern im praktischen Glaubensvollzug zu setzen. Neben der wöchentlichen Schulmesse erleben die Schüler und Schülerinnen den Spannungsbogen des Kirchenjahres und gewinnen im Laufe der Zeit die Erkenntnis, dass die Eucharistiefeier das Zentrum des christlichen Glaubens sei. Man erlebte Wallfahrer, die angesichts des gotischen Bauwerks den Blick hoben und Überblick zeigten. Denn hin und wieder muss man den Blick heben, um über die irdische, menschliche Wirklichkeit hinaus auf die göttliche Verheißung eines wartenden, friedliebenden Gottes zu blicken. Die erlebbare, gute, würdige Stimmung versprach, dass viele versuchen werden, die Welt in der sie leben besser zu machen, nach dem Evangelium zu leben. Spürbar wurde auch, dass Schüler stolz waren, an Gott zu glauben.


Schülerinnen und Schüler leben nicht aus ihrer Selbstverwirklichung, sie brauchen verlässliche Vorbilder, sie können sich nicht selbst umarmen. Sie brauchen den anderen, das Miteinander und ein Ziel. Der Weltjugendtag 2005 hat etwa eine Million Menschen in Köln zusammengeführt und viele haben in diesen Tagen erlebt, mit ihrem Glauben nicht allein zu stehen, sondern zu einer großen, weltweiten Gemeinschaft zu hören. Das hat auch den Glauben des Einzelnen gestärkt.

Der Weltjugendtag stand unter dem Leitwort; „Wir sind gekommen, ihn anzubeten“. Es sind die Worte der Weisen aus dem Morgenland, als sie vor Herodes stehen. Im Kölner Dom werden die Gebeine der hl. Drei Könige verehrt. So lag es nahe, den Weltjugendtag in Verbindung mit dem Geburtstag, dem Weihetag des Kölner Domes im Rahmen einer Wallfahrt lebendig zu halten. So soll nun regelmäßig um den 27. September herum eine Domwallfahrt durchgeführt werden, in die selbstverständlich vor allem junge Menschen eingebunden werden sollen. In diesem Jahr steht sie ebenfalls unter einem Satz aus dem Evangelienabschnitt über die Weisen aus dem Morgenland: „Als sie den Stern sahen, wurden sie mit sehr großer Freude erfüllt“. Der Besuch des Papstes in seiner bayrischen Heimat stand unter dem Leitwort: „Wer glaubt ist nie allein“. Das sollte auch die Erfahrung sein, die wir unseren Schülern und Schülerinnen als Stärkung für ihren persönlichen Glauben wünschen, wenn wir zusammen mit den anderen erzbischöflichen Schulen an diesem Fest des Glaubens teilnehmen.


Die Erzbischöflichen Schulen und anderen Freien Katholischen Schulen zeigten Flagge(n), die eigens für diese Domwallfahrt und künftige Zusammenkünfte angefertigt wurden. Jede der 29 Schulen hatte ihre eigene Flagge, hinter der sich die Schulgemeinde versammelte und ein Ganzes bildete. Die zukünftig jährlich stattfindende Domwallfahrt hatte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am 6. Januar 2006, dem Festtag der Heiligen Drei Könige, in einem Gottesdienst angekündigt. Die erneuerte Domwallfahrt nimmt die positiven Erfahrungen des Domjubiläums 1998 und des Weltjugendtages 2005 auf.

 

Die Idee der Domwallfahrt ist nicht neu. Spätestens mit der Ankunft der Reliquien der drei Weisen im Jahr 1164 trat Köln in die Reihe der abendländischen Wallfahrtsorte; seitdem kommen die Menschen in die Domstadt. Sie machen sich, wie einst die Weisen, auf den Weg, um Christus zu finden. Wie jene im Stern ein Zeichen Gottes erkannten, sollen auch die Pilger von heute Gottes Nähe in ihrem Leben erfahren. Darum zu beten, dafür aufmerksam zu werden und sich darüber zu freuen, ist Sinn und Ziel der Domwallfahrt.

Olaf Gruschka