Generalvikar: "Grundlegende christliche Wahrheiten"
2. November 2009; PEK (091102)
In einem Interview mit der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln (Ausgabe vom 6. November) zur
Allerheiligen-Predigt von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat Generalvikar Dr. Dominik
Schwaderlapp hervorgehoben, dass diese Predigt grundlegende christliche Wahrheiten über die
menschliche Würde in Erinnerung ruft. Das Interview hat den Wortlaut:
Kirchenzeitung: Herr Generalvikar, die Allerheiligenpredigt von Kardinal Meisner
sorgt für Aufsehen. Ihm wird vorgeworfen, die Auffassungen des Wissenschaftlers Richard Dawkins in
die Nähe der nationalsozialistischen Ideologie gebracht zu haben.
Schwaderlapp: Das „Aufsehen“, wie Sie es nennen, kann ich nicht recht
nachvollziehen. Kardinal Meisner hat grundlegende christliche Wahrheiten über die menschliche
Person und ihre Würde in Erinnerung gerufen. Ich kann nur empfehlen, die Predigt ganz zu lesen
– sie steht übrigens im Internet.
Kirchenzeitung: Worum geht es?
Schwaderlapp: Der Kardinal hat weder Richard Dawkins zum Nazi erklärt, noch hat er
die Naturwissenschaften pauschal verteufelt. Der Vergleichspunkt ist viel grundsätzlicher: Wer
– aus welcher Perspektive auch immer – den Menschen allein als bloßes Produkt der
biologischen Abstammung oder der Evolution, der Gene oder der Rasse sieht, der verkürzt ihn auf die
Ebene des rein Biologischen und beraubt ihn seiner Menschenwürde. Menschenwürde heißt ja: Ich bin
nicht bloß Produkt der Biologie oder des Zufalls, sondern ich habe eine Seele, ich bin letztlich
frei in meinen Willensentscheidungen, ich trage Verantwortung für mich, für mein Leben, für mein
Zusammenleben mit anderen. Der Mensch ist ja nie bloß die Summe seiner genetischen oder
biologischen Anlagen, sondern eine leiblich-seelische Einheit, er ist Person. Und diese Personwürde
ist darin begründet, dass jeder einzelne Mensch als ein „Du“ von Gott gewollt und
geliebt ist. Menschenwürde und Gottesglaube gehören also untrennbar zusammen. Wir haben in der
Geschichte die Erfahrung machen müssen, dass philosophische Strömungen oder ganze Staatsideologien
sich ein Menschenbild zueigen machten, dass eben dieses Personsein des Menschen leugnet – mit
verheerenden Folgen, wie wir wissen.
Kirchenzeitung: Warum spricht der Kardinal immer wieder dieses Thema an?
Schwaderlapp: Kardinal Meisner geht es um den unbedingten Schutz der Menschenwürde,
und zwar von Anfang an. Er mahnt um der Menschlichkeit unserer ganzen Gesellschaft und Kultur
willen. Am eigenen Leib hat er beide Ideologien erleben müssen, die nationalsozialistische wie die
kommunistische. Er ist in Nazideutschland aufgewachsen und hat im Krieg seinen Vater verloren. Bis
1989 hat er in der kommunistischen Diktatur der DDR gelebt. Er hat deshalb ein feines Gespür dafür,
wenn die Menschenwürde gefährdet ist. Daher gehört er zu den ersten, die sich dann zu Wort melden.
Kirchenzeitung: Mischt sich der Kardinal damit nicht in eine fremde Debatte ein?
Schwaderlapp: Ich will es mit einem Gedanken unseres Erzbischofs sagen: Wissenschaftler haben
Kompetenz im Labor. Wenn sie darüber hinaus Aussagen über den Menschen als Ganzen machen, zumal
wenn das erklärte Atheisten wie Richard Dawkins tun, sollte man schon sehr genau hinsehen. Das tut
auch der Kardinal, wenn er sagt: „Hoffentlich durchschauen die Menschen diesen uralten Dreh,
mit dem sie den Gottesglauben verlieren sollen. Es sei nochmals daran erinnert, dass solche
Unternehmungen keine harmlosen Experimente einiger Leute sind! Wie damals, so kann das auch heute
viele Menschen buchstäblich das Leben kosten.“ Es wäre in diesem Sinne auch wünschenswert,
wenn mehr Menschen den Thesen eines Richard Dawkins widersprächen und darüber nachdächten, wohin
eine solche Sicht des Menschen letztlich führt. Schließlich wünsche ich mir, dass viele Menschen
die Allerheiligen-Predigt lesen und sich ihr eigenes Urteil bilden.
Die Predigt von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an Allerheiligen
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