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Kardinal Meisner warnt vor "Selbstsäkularisierung"

16. Januar 2012; PEK / kas

Kardinal Meisner beim Neujahrsempfang des Diözesanrates. (Foto: Robert Boecker)

Kardinal Joachim Meisner hat in seiner Neujahrsansprache beim Empfang des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln erklärt, was für ihn die Aussage des Papstes zur „Entweltlichung der Kirche“ bedeutet. Demnach drohe der Kirche heute eine „Selbstsäkularisierung“: „Mehr noch als einst der jungen Christenheit droht uns heute eine Selbstsäkularisierung der Kirche, die darin besteht, dass sie so sehr in ihren Strukturen Welt wird und dass ihre Akteure Spezialisten und nicht mehr Zeugen sind“, sagte Kardinal Meisner am vergangenen Sonntag im Kölner Maternushaus.

Mitarbeiter der Kirche dürften daher nicht nur Spezialisten auf ihrem Gebiet sein, sondern müssten auch immer Zeugen des Glaubens sein. Andernfalls würde die Kirche überflüssig: „Die Welt braucht keine Kirche, die selbst zur Welt geworden ist. Eine solche Kirche erstickt an sich selbst. Hier meint man auch nicht die lebendige Beziehung zum lebendigen Gott, sondern dass man über die weltlichen kirchenpolitischen Themen Bescheid weiß und dann mitreden kann: Aufhebung des Zölibates, Priesterweihe der Frau, wiederverheiratete Geschiedene etc. Eine solche Kirche verliert jede Faszination, denn sie ist der Gestalt dieser Welt angeglichen“.

So sind die Kirche und ihre Mitarbeiter mitten in die Welt gestellt und haben gerade dort ihren ganz spezifischen Auftrag: „Mitten in die Welt gestellt sind wir, aber nicht um uns von ihr aufsaugen zu lassen, sondern um sie im Geiste des Evangeliums aktiv zu formen und zu prägen.“ Die Mitarbeiter der Kirche und alle Gläubigen sollen die Welt mit dem Evangelium durchdringen und so „Gott wieder alles in allem“ sein lassen. Kritisch wendet sich der Kardinal in seiner Ansprache auch gegen die Orientierung an der Wirtschaft und der Politik: „Wenn kirchliches Tun und Leiten nicht mehr von den Strukturen der freien Wirtschaft oder der Politik zu unterscheiden sind, machen wir den Herrn selbst mundtot.“ Seine Ansprache schloss Kardinal Meisner mit der Aufforderung: „Gehen wir in das Neue Jahr mit dem festen Vorsatz, der Welt weniger Raum in der Kirche zu geben; vielleicht zieht auf diese Weise mehr Himmel in die Kirche ein – und damit letztlich auch in die Welt.“

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