Gute Zukunft für den Michaelsberg
23. Januar 2012; PEK
Die Ordensgemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten (OCD) und das Katholisch-Soziale Institut der
Erzdiözese Köln (KSI) werden auf den Michaelsberg in Siegburg ziehen und die Abtei nach dem Weggang
der Benediktiner wieder zu einem geistlichen Zentrum machen. Das Edith-Stein-Exerzitienhaus des
Erzbistums Köln verbleibt in seinem Teil des Abteigebäudes. „Ich freue mich, dass der
Michaelsberg damit wieder zu einem Leuchtturm des geistlichen Lebens wird“, betonte
Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp in einer Pressekonferenz in Siegburg. Nach dem Weggang der
Benediktiner Mitte vergangenen Jahres hatte sich Erzbischof Joachim Kardinal Meisner intensiv um
einen Orden bemüht, der die Abtei weiterhin als geistliches Zentrum nutzt. In zwei Sondersitzungen
am 19. bzw. 20. Januar hatten auch der Kirchensteuerrat und der Priesterrat des Erzbistums Köln
gemeinsam mit dem Erzbischof die jetzt vorgestellten Pläne eingehend beraten. Beide Gremien
begrüßten das Vorhaben und votierten jeweils einstimmig dafür.
Sechs Priester des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten (OCD) werden in den bisher als
Jugendgästehaus genutzten Teil des Klosters einziehen, der zu diesem Zweck umgebaut wird. Die aus
Indien stammenden Ordensleute werden unter anderem täglich Gottesdienste in der Abteikirche feiern
und seelsorglich tätig werden. Der traditionsreiche Orden der Unbeschuhten Karmeliten wurde von
Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz im Jahr 1568 in Duruelo (Spanien) begründet. Zum weiblichen
Zweig des Ordens gehört auch das Karmelkloster „Maria vom Frieden“ in Köln, in das 1933
Edith Stein eintrat. „Wir freuen uns, dass für den Michaelsberg eine gute und langfristige
Lösung gefunden wurde, die dem Stellenwert dieses Klosters entspricht“, erklärte Frater Linus
von den Benediktinern, der mit der Auflösung des Klosters beauftragt wurde.
In die Gebäude des bisherigen Klosters auf dem Michaelsberg wird das Katholisch-Soziale
Institut des Erzbistums Köln mit Sitz in Bad Honnef verlegt. Die 60 Mitarbeiter des KSI
organisieren Erwachsenenbildung und stellen Tagungskapazitäten zur Verfügung. Die Kurse der
Akademie befassen sich auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre mit Schwerpunkten wie
Arbeitnehmerbildung, Medienkompetenz, Zukunftsfragen und Frauenbildung. Darüber hinaus gibt es ein
weit gefächertes kulturelles Angebot. Das KSI wurde 1947 von Josef Kardinal Frings als
„Stätte der Erwachsenenweiterbildung auf Grundlage der katholischen Soziallehre“
gegründet. Das bisherige Gebäude des KSI in Bad Honnef soll verkauft werden. „Wir hoffen sehr
und gehen auch davon aus, dass alle Mitarbeiter bereit sind, mit dem Katholisch Sozialen Institut
in das 25 km entfernte Siegburg umzuziehen“, erklärte der Finanzdirektor des Erzbistums
Hermann J. Schon in der Pressekonferenz. Damit das KSI in diesem Gebäude seinem Auftrag gerecht
werden kann, muss baulich noch viel getan werden. Erste grobe Kostenschätzungen gehen von
mindestens 40 Mio. Euro aus. Das Siegburger Kloster auf dem Michaelsberg bietet dem KSI neue
Chancen: das Gebäude entspricht nämlich der Vorstellung vom KSI – „auch die Akademie
will Leuchtturm für die Gesellschaft sein“, erklärte Professor Ralph Bergold, Direktor des
KSI.
Das Edith-Stein-Exerzitienhaus bleibt auf dem Michaelsberg in seinem angestammten Gebäudeteil
bestehen. Zusammen mit der Ordensgemeinschaft und der Akademie entsteht damit ein Dreiklang
christlich-spirituellen Lebens. „Wir freuen uns, dass für den Michaelsberg eine gute und
langfristige Lösung gefunden wurde, die dem Stellenwert dieses Klosters entspricht“, erklärte
Frater Linus von den Benediktinern, der mit der Auflösung des Klosters beauftragt wurde.
Generalvikar Schwaderlapp betonte: „Es bleibt viel zu tun, doch ich glaube: auf diese Zukunft
des Michaelsberges können wir uns alle freuen.“
Im November 2010 hatten die Benediktiner auf dem Michaelsberg bekanntgegeben, dass sie die
Abtei verlassen. Als Grund gaben sie in einer Erklärung an, der Gemeinschaft von zuletzt 13
Ordensangehörigen fehle es „in jeder Hinsicht an Substanz, aus der ein neuer Anfang
benediktinischer Prägung erwachsen könnte“. Am 19. Juni 2011 feierte Erzbischof Joachim
Kardinal Meisner eine letzte Pontifikalvesper in der Abteikirche. Damit ging auf dem Michaelsberg
eine fast 950-jährige Geschichte benediktinischen Ordenslebens zu Ende. Die Abtei Michaelsberg war
im Jahr 1064 durch Erzbischof Anno von Köln gegründet worden; seine Gebeine werden im Annoschrein
in der Abteikirche aufbewahrt. 1803 unter Napoleon aufgehoben, enteignet und in der Folge als
Kaserne, Sanatorium und Zuchthaus genutzt, wurde das Kloster 1914 von niederländischen
Benediktinermönchen wiederbesiedelt. Bei einem Bombenangriff 1944 wurde die Abtei fast völlig
zerstört und nach der Rückkehr der Mönche im Jahr darauf wieder aufgebaut. 1997 errichtete das
Erzbistum Köln im Nordflügel der Klosteranlage das Edith-Stein-Exerzitienhaus.