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Präventionsbeauftragte der Deutschen (Erz-)Diözesen nehmen am Katholikentag in Mannheim teil

Erstmals nahmen einige der Präventionsbeauftragten der Deutschen (Erz-)Diözesen mit einem eigenen Stand am Katholikentag in Mannheim teil.Katholikentag_2012_01

Am Informationszelt auf der Kirchenmeile konnten sich die Katholikentags-Besucher, Kirchenvertreter und Politiker in intensiven Gesprächen, durch bereit liegende Informationsmaterialien und durch die Mitmachausstellung für Grundschulkinder „Echt klasse!“ umfangreich über die verschiedenen Maßnahmen der katholischen Kirche im Bereich der Prävention von sexualisierter Gewalt informieren.

Darüberhinaus gab es auch eine Reihe von Veranstaltungen, die sich mit der Thematik der sexualisierten Gewalt befassten und an denen die Präventionsbeauftragten mitgewirkt haben. In zwei Podiumsveranstaltungen, an welchen auch Bischof Dr. Stefan Ackermann als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch teilnahm, wurde das Thema kritisch und kontrovers diskutiert.

Auch wenn das Thema der sexualisierten Gewalt mehr und mehr aus den Medien und von der öffentlichen Bildfläche verschwinden würde, so dürfe keineswegs der Eindruck entstehen, dass das Thema vom Tisch sei. Es gelte nun, die Sensibilität der Öffentlichkeit für das Thema wach zu halten, erklärte Bischof Dr. Stephan Ackermann in einer Podiumsdiskussion, die unter dem Thema „Zuhören statt verleugnen – verändern statt beschönigen“ stand.

Bischof Ackermann unterstrich in der Diskussion, dass die Kirche beim Thema der sexualisierten Gewalt weiter in einem Lernprozess steht. Gerade in jüngster Zeit ist hierbei die Frage stärker ins Zentrum gerückt, ob ein Priester, der Missbrauchstäter ist, grundsätzlich noch weiter glaubwürdig als Priester in der Seelsorge arbeiten kann, wobei ein Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit natürlich ausgeschlossen ist. Insbesondere diese Frage müsse bei der Überprüfung der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für den Umgang mit sexuellem Missbrauch, die ohnehin für das kommende Jahr vorgesehen ist, geklärt werden, sagte der Bischof.

 

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Matthias Katsch, Sprecher der Opferinitiative „Eckiger Tisch“ gesagt, dass Betroffene von sexuellem Missbrauch oft den Eindruck haben, alleine zu stehen. Nicht nur die Amtsträger in der katholischen Kirche, sondern alle Katholiken seien aber gefordert, sich dem Thema zu stellen und dabei zunächst eine „Sprachfähigkeit“ über das Thema zu gewinnen. Auch Cordula Stiller aus Berlin, deren Sohn vor wenigen Jahren von einem Obermessdiener missbraucht wurde, berichtete, dass das damals niemand in der Gemeinde vor Ort wahrnehmen und glauben wollte. Jeder einzelne, so appellierte sie, müsse aber für das Thema der sexualisierten Gewalt sensibel sein und vor allem die Betroffenen „wahrnehmen und ernstnehmen.“

 

Katholikentag_2012_02In der zweiten großen Podiumsveranstaltung, die unter dem Thema „Transparent und sprachfähig – Strategien gegen sexuelle Gewalt in Kirche und Sport“ stand, sagte Bischof Ackermann, dass es unter anderem darum gehe, der Wahrheit der sexualisierten Gewalt in der Kirche möglichst nahe zu kommen. Dazu gehöre es auch, die Strategien besser kennen zu lernen, mit denen Täter vorgingen und für Opfer möglichst niederschwellige Möglichkeiten zu schaffen, ihre Anliegen zu äußern. Die Präventionsbeauftragten in den einzelnen Bistümern leisten hier, als „Lobbyisten“ und konkrete Personen, die sich des Themas der sexualisierten Gewalt annähmen eine wichtige Arbeit.

Eva-Maria Düring, Geistliche Leiterin der Katholischen jungen Gemeinde (KjG), betonte in der Diskussion, dass das Thema der sexualisierten Gewalt einen höheren Stellenwert in der pastoralen Ausbildung haben muss. Die Präventionsarbeit der Bistümer benötigt zudem einen ausreichenden finanziellen Rahmen, wobei es wichtig ist, weiterhin eine breite Bewusstseinsbildung zu betreiben und das Thema nicht an einige wenige zu delegieren. Das Bewusstsein muss gestärkt werden: „Es ist unsere Aufgabe Kinder und Jugendliche zu schützen.“ Denn es ist nicht damit getan, Kinder stark zu machen, sondern die Erwachsenen müssen ihre Verantwortung für Kinder und Jugendliche wahrnehmen. Wenn sich viele mit dem Thema beschäftigten, werden potenzielle Täter womöglich abgeschreckt.

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