„Damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10) – Den Reichtum von Liturgie in der Schule neu entdecken

Ein Bericht von der Fünften Fachtagung Schulpastoral am 03.03.2012
Am 3. März 2012 hat die Fünfte Fachtagung Schulpastoral im Erzbischöflichen Priesterseminar Köln stattgefunden. Rund 70 Lehrerinnen und Lehrer, Schulseelsorger und Pastorale Dienste haben sich mit dem Thema der Schulliturgie beschäftigt, Impulse erhalten, miteinander gebetet und die Eucharistie gefeiert, in Arbeitskreisen exemplarische Anregungen zur Gestaltung von Schulliturgie gefunden und den Austausch miteinander gesucht.

Da die Liturgie der Höhepunkt ist, "dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt" (SC 10), muss gerade der liturgischen Feier mit Schülerinnen und Schülern besondere Aufmerksamkeit zukommen. Dazu wollte die fünfte Fachtagung Schulpastoral einen Beitrag leisten und sensibilisieren und etwas spürbar machen vom Geschenk, das Schulliturgie (auch) sein kann, eingedenk aller Schwierigkeiten und Problemkonstellation, die insbesondere an Öffentlichen Schulen bei der Feier von Schulmessen und anderen liturgischen Feiern gegeben sein können.
Mit dem schulliturgischen Schwerpunkt konnte in der Fachtagung an das Angeknüpft werden, was bisher auch schon wichtig war im Wirken der Abteilung Schulpastoral und Hochschulen, sowohl diözesan als auch regional. Neben der Begleitung und Beratung von Lehrerinnen und Lehrern sowie Fachkonferenzen wird seit Juni 2008 regelmäßig eine Liturgieschulung angeboten und mit starker Resonanz durchgeführt. In einem 1,5 tätigen Grundseminar, einem Besinnungswochenende und an vier Bausteintagen werden interessierte Lehrerinnen und Lehrer in Theorie und Praxis von (Schul)Liturgie eingeführt. Dieses Gesamtpaket an Liturgieschulungs-Angeboten wird von den fünf regionalen Pastoral-/ Gemeindereferenten in der Schulpastoral verantwortet und durchgeführt: Stefanie Bartsch, Julia Castor, Elke Chladek, Burkhard Hofer sowie Britta Schöllmann. Unterstützung finden sie durch den Referenten für Schulpastoral, Bernhard Mosbacher und den Koordinator für Schulische Krisenintervention, Michael Loske.
Die Erfahrungen aus den Schulungen und Bausteinen als auch aus der Begleitung und Beratung von Lehrerinnen und Lehrern vor Ort sind zudem eingeflossen, in die Arbeitshilfe zur Schulliturgie, die bereits in zweiter Auflage vorliegt.
Der Bonner Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Albert Gerhards hat 2001 einen Artikel in der Zeitschrift „RU an höheren Schulen“ mit dem Titel überschrieben „Vom Glück und Elend des Schulgottesdienstes“. Das Elend macht er u.a. fest an der schwindenden Akzeptanz gegenüber Schulgottesdiensten in Verbindung mit einem Desinteresse an Religion und Kirchen. Er weist zudem hin auf die Gefahr der Verzweckung des Schulgottesdienstes aufgrund falschverstandener missionarischer Intentionen. Man könnte ergänzen: Aufgrund der vielfältigen Veränderungen in der Gemeindeseelsorge finden sich Lehrerinnen und Lehrer immer häufiger in die Situation versetzt, eigenständig und ohne Hilfestellung Schulgottesdienste vorbereiten zu müssen. Das führt nicht selten zu Überforderung und Resignation. Wirft man auch einen Blick auf das Glück (des Schulgottesdienstes) dann gesagt werden, dass Liturgie in der Schule kein Selbstzweck ist und mehr sein will als eine lästige Übung. Sie birgt Verheißung und Zusage, indem sie den Schulalltag unterbricht und die Feiernden mit der Botschaft des Evangeliums konfrontiert. Liturgie in der Schule – und dies mag im Kontext von Schule irritierend sein- ist geleitet von der Zusage Gottes, angenommen, wertvoll und geliebt zu sein, unabhängig von Leistung und Nützlichkeit. Albert Gerhards schreibt in seinem Artikel: „Die Frage nach der Zukunft des Schulgottesdienstes heute kann nur in einem weiteren Kontext einer diakonischen Schulseelsorge angemessen gestellt und beantwortet werden“.
Mit dem Stichwort der diakonischen Schulseelsorge und einer davon geprägten Schulliturgie ist man beim Hauptreferenten der Fachtagung angekommen: Pater Manfred Kollig ss.cc., Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat im Bistum Münster. 2006 veröffentlichte Pater Manfred Kollig einen Artikel zum Thema des diakonischen Ansatzes von Liturgie in der Schule „Weil du das Schöne nicht fortnimmst vor unseren Augen: Liturgie in der Schule zwischen Verwirrung und Verheißung. Dieser Artikel war sehr inspirierend u.a für theologische Grundlegung der Arbeitshilfe für die Schulliturgie.
Nach einem Morgengebet, in dem der Reichtum der biblischen Botschaft im Mittelpunkt stand und der Begrüßung der Teilnehmenden, setzte Pater Manfred Kollig in einem Vortrag wertvolle Akzente und bereichernde Impulse.
Pater Manfred Kollig gehört seit 1974 zur Ordensgemeinschaft von den heiligsten Herzen Jesu und Mariä ("Arnsteiner Patres"). Nach seinem Studium der Theologie und der Pastoraltheologie in Münster leitete er vier Jahre die Jugendbegegnungsstätte seines Ordens in Arnstein. Ab 1987 arbeitete er als Schulseelsorger am Gymnsium St. Christophorus in Werne und als Referent im Generalvikariat Münster. 1994 wurde er zum Mitglied der Generalleitung des Ordensgemeinschaft mit Sitz in Rom gewählt. Im Jahr 2000 kehrte er zurück nach Werne und wurde im Herbst 2003 zum Bereichsleiter für die Liturgie des Weltjugendtags in Köln ernannt. Ab März 2006 leitete er die Abteilung Schulpastoral in der Hauptabteilung Schule und Erziehung des Bischöflichen Generalvikariats und ist nun seit 2011 Leiter der Hauptabteilung Seelsorge.
Mit dem Impulsreferat eröffnete Pater Manfred die Perspektive für eine „lebensrelevante Liturgie in der Schule“. Im Zentrum standen theologische Perspektiven, die den Blick öffnen und die „Erlaubnis geben“ für eine Liturgie, in der das Leben der „Schulgemeinde“ vorkommt und ihr dient. Er wies darauf hin, dass der Gottesdienst in der Schule für Schülerinnen und Schüler manchmal so etwas wie einen „Einbruch“ darstelle: Unerwartet und unvorbereitet kommt er über sie und durchbricht ihre Gewohnheiten. Im Verlauf des Impulsreferates stütze sich Pater Manfred Kollig auf Ergebnisse einer Umfrage im Bistum Münster 2010/2011, in der 2.942 Schülerinnen und Schüler in19 Schulen (davon 15 in kirchlicher Trägerschaft) befragt worden sind (Zeitschrift „Kirche und Schule“ der Schulabteilung des Bistums Münster vom Dezember 2011). Ein Ergebnis der Umfrage sei, so Pater Manfred Kollig, dass der Schulgottesdienst für die Schülerinnen und Schüler eine hohe Bedeutung habe. Hier benannte er die folgenden Stichworte: (herausgerufen aus dem „Normalen“, „Andersgemeinschaft“, notenfreie Zone; Stille, Gemeinschaft, Musik, gemeinsame Aktion).
In seinen vielfältigen Akzenten bezog sich Pater Manfred auch auf den aktuellen Diskurs um die Verweltlichung und wies darauf hin, dass in der Diskussion um die Verweltlichung der Kirche, die Liturgie eine besondere Rolle spiele: In ihr wird sichtbar und erfahrbar, verkündet und gefeiert, dass wir uns nicht alles (selbst) leisten müssen; dass der Mensch geheiligt ist. Wichtig sei auch, dass das Leben der Schülerinnen und Schüler im Schulgottesdienst vorkommen müsse und Glaubenswahrheiten einen „weltlichen“ Bezug zum Leben der Schülerinnen und Schüler habe sollten. Für weitere Impulse sei auf das Thesenpapier von Pater Manfred verwiesen, das hier als download zur Verfügung steht. Das Impulsreferat von Pater Manfred findet Sie hier vollständig dokumentiert.
Nach dem Impuls-Referat schloss sich eine Podiumsdiskussion zwischen Pater Manfred Kollig mit den folgenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern an:
- Dr. Dietmar Thönnes, promovierter Liturgiewissenschaftler und Autor liturgietheologischer Fachliteratur und religiöser Kinderbücher
- Hannah Knauf, Schülerin der 13. Klasse des Erzbischöflichen Ursulinengymnasium Kölns.
- Ricarda Menne, Lehrerin an der St. Anna-Schule in Wuppertal-Elberfeld.
- Domvikar und Domzeremoniar Dr. Michael Kahle, Schulseelsorger an der Kölner Domsingschule sowie an der erzbischöflichen Liebfrauenschule in Köln
Ansetzend bei den Thesen aus dem Impulsvortrag wurde darüber diskutiert, wie mit der Spannung zwischen einem musealen Verständnis vom Erbe der Liturgie und einem respektlosen Umgang mit dem Erbe in Form eines „Abrisses“ positiv umgegangen werden kann.

Es drehte sich in der Diskussion und den einzelnen Beiträgen um „Anwege“ zur Schulliturgie und um die Begriffe Intuition – intuitiv – Einüben des Ritus. Deutlich wurde, dass Schülerinnen und Schüler über Anwege zur Liturgie neu geführt werden müssten, dass die liturgische Feier selbst, aber kein pädagogischer Ort sei. So gehe es demnach nicht, um eine liturgische Feier mit Erläuterungen, sondern die Hinführung zur Liturgie muss einen separaten Ort inne haben. Auch in der Schulliturgie gehe es um ein existentielles Berührtsein der Schülerinnen und Schüler.
Die sich anschließenden Arbeitskreise boten die Möglichkeit, den Blick auf die Vielfalt von Liturgie auf eine ganz praktische Weise zu werfen, den Blick dafür schulen zu lassen und sich auch für die Praxis weiterzubilden.
Die Eucharistiefeier mit Pater Dr. Jürgen Langer beschloss die Fachtagung Schulpastoral.
Die Rückmeldungen zum Fragebogen zur Reflexion der Fachtagung Schulpastoral sei ebenfalls zum download bereitgestellt.
Ein herzlicher Dank gilt allen an, die an der Vorbereitung und Durchführung der Fachtagung Schulpastoral beteiligt gewesen sind.
Peter Krawczack |