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"Mutter,
zu Dir komme ich"
Die Mailänder Madonna
Auf eine anmutige Weise - und doch in entrückter
Distanz - begegnen wir der Muttergottes in der Mailänder Madonna
(2. Hälfte des 13. Jh.). Während sie über viele Jahre an der
Mittelsäule der Sakramentskapelle in Augenhöhe auf einem Holzpodest
stand und die Besucher geradezu zärtlich willkommen hieß und ebenso
verabschiedete, steht sie heute wieder entrückt an der
ursprünglichen Stelle an der Fensterwand der Marienkapelle,
hochaufgerichtet zwischen Konsole und Baldachin.
Hier lächelt uns nun die der höfischen Sicht des hohen
Mittelalters entstammende, gekrönte und mit Zepter geschmückte Hohe
Frau entgegen. Ihr Körper gleicht einer lodernden Flamme, ihr
blauer Mantel ist sternenübersät. Auf dem roten Unterkleid funkeln
aufgesetzte Halbedelsteine. In der Farbsymbolik des Mittelalters
stand oft die Farbe Blau für Christus, Rot für Gottvater. Bei Maria
werden beide Farben zusammengebracht: In ihr nimmt der unsichtbare
Gott Fleisch an und wird Mensch. Verschmitzt lächelt das Kind auf
ihrem Arm, ganz menschlich und doch unerreichbar, ganz Kind und
doch Gott.
Textauszug aus:
Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann: Mutter, zu Dir komme ich.
Marienverehrung im Kölner Dom.
In: Erich Läufer (Hrg.): Gottes Gotisches Haus am Rhein. 750 Jahre
Kölner Dom. Ein Lesebuch. Köln 1997, 60 - 64 |