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Gertrud Oft (geb. 1935) 77 Jahre, Rentnerin, Witwe, Autorin,2 Töchter, 2 Enkelkinder
Buch-Veröffentlichungen: Geschenkband 1995/1996 Kiefel Verlag, Ich freue mich auf dich: Schwangerschaftstagebuch (2006) Herder Verlag, Texte in verschiedenen Anthologien
Was ist Ihre Einstellung zum Leben und wie lautet Ihr Lebensmotto?
Meine Einstellung zum Leben ist optimistisch. Kreatives Tun hilft mir über beschwerliche Stunden hinweg. Ich vermeide es, mich an der Vergangenheit zu orientieren und versuche in der Gegenwart die frohen Augenblicke zu schätzen. Ich achte darauf, dass schmerzhafte Erfahrungen mich nicht überwältigen. In meiner Kindheit erlebte ich die Kriegszeit und deshalb denke ich heute: es gibt immer wieder eine Chance – auch wenn die Tage hin und wieder in Dunkelheit versinken und die Sonne des Lebens ihre Strahlen verliert. Mein Motto heißt: „die noch verbleibende Zeit sinnvoll nutzen und versuchen, eigene Wünsche, Aufgaben und Träume erfüllbar zu machen.“
Was bedeutet „Aktives Altern“ für Sie?
Alter ist eine besondere Erfahrung am Ende eines langen Weges. Für mich hat Weiterbildung im Alter eine große Bedeutung und so beschäftige ich mich z.B. mit Literatur, Philosophie und Psychologie. Ich besuche regelmäßig die Sonntagsakademie für Senioren des Kath. Bildungswerkes Bergisch Gladbach, bin Teilnehmerin in Literaturgesprächskreisen und nehme an Angeboten der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg teil. Das hilft mir, nicht stehenzubleiben und mich geistig weiterzuentwicklen. Natürlich gehören zum aktiven Altern auch die täglichen sportlichen Übungen. Sie halten mich fit, helfen mir meine Selbständigkeit aufrecht zu halten und fördern meine körperliche Beweglichkeit.
Was ist Ihre Aktivität, Ihr Engagement im Alter?
Ich schreibe lyrische Texte. Schon als Kind versuchte ich, intensiv erlebte Begebenheiten im Schreiben zu verarbeiten. Seit Ende der 80er Jahre habe ich das Schreiben intensiviert und jetzt im Alter hat es eine große Bedeutung für mich. Es erfüllt mich mit Freude, besinnliche, nachdenkliche Texte zu bilden, gelebtes Leben mit Höhen und Tiefen in Worte zu formen. Ich drücke etwas aus, was andere Menschen vielleicht auch erfahren haben und möchte sie damit in ihrer Seele berühren.
Was ist Ihr Gewinn beim Schreiben?
Wenn ich etwas erlebt habe, dass mich stark bewegt, drängt es mich zum Schreiben. Ich fasse Erlebnisse in Worte, bringe inneres Spüren nach außen und teile es dadurch mit anderen Menschen. Die Freude des Mit-teilens und die Resonanz der Menschen auf meine Texte sind mein Gewinn.
Was schreiben Sie zur Zeit?
Ich habe zwei Sammlungen meditativer Texte für die ältere Generation geschrieben, die ich „Lichtblicke“ nenne. In gefühlter Empfindung möchte ich in diesen Texten auf die Fülle und Wertigkeit im Alltag hinweisen. Auf die vielen kleinen Momente, die als Erlebnisse in den Weg gestreut sind – um aufmerksam zu werden für Begegnungen und Erfahrungen im Werde-Gang der Entwicklung. Ich suche noch einen Verlag zur Veröffentlichung.
Was hat sich für Sie im Alter verändert?
Ich kann jetzt Kompromisse machen. Ich bin gelassener und ruhiger geworden. Ich kann abwägen und sicherer die festgelegten Anforderungen an mich, in Absprache verändern, sodass Verpflichtungen nicht zur Überbeanspruchung werden. Meine Aktivitäten haben sich verändert. Ich war lange Zeit ehrenamtlich im Bereich beim SKFM und in meiner Pfarrgemeinde tätig. Jetzt ist das Schreiben und Veröffentlichen lyrische, nachdenkliche Texte meine Aktivität. Viele dieser Texte sind aus meiner eigenen Lebensbiographie entstanden. Ich denke das Schreiben ist mein sozialer Beitrag, jetzt wo mein praktischer Einsatz aus Altersgründen nicht mehr so möglich ist.
Wenn eine gute Fee vorbei käme und Sie hätten einen Wunsch frei, was würden Sie sich für ihr Alter wünschen?
Ich wünsche mir Gesundheit und dass ich weiterhin meine eigene Versorgung und angedachten Lebenspläne selbständig regeln kann.
Welche Bedeutung hat ihr Glaube für Sie?
Ich glaube an eine göttliche Allmacht, die alles umfängt – und in dieser Verbindung bin ich geborgen, geführt, gesegnet und beschützt. Alles Nachsinnen und Ergründenwollen „über die Gottheit“ ist für mich unwichtig, weil wir Gott niemals erfassen und begreifen können. Die Bibel lehrt uns: sich glaubend einlassen dort wo unser Verstehen endet. Im täglichen Leben gibt es immer wieder Momente, in denen Gott für mich spürbar ist.
Was möchten Sie zum Abschluss sagen?
Ich möchte Mut machen auf das Erreichte zu schauen. Jeder Tag ist ein Geschenk, wenn ich mich wohlfühle. Und dass ich mich wohlfühle, dazu kann ich jeden Tag meinen eigenen Beitrag leisten. In meinen Texten liest sich das so:
Mit deinen eigenen Schritten in den neuen Tag vertraue auf ein gutes Gelingen die vor dir liegende Zeit ist noch verhüllt vom Schleier der Ahnungen und vom Geheimnis der Unwissenheit mit Mut und Selbstvertrauen bewege dich vorwärts; denn du hast teil an den Fügungen
Dasdim Tagesgeschehen - und an allem, was dir begegnet.
Das Interview führte Gabriele Pechel |