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Prälat Adolf Opheys, 84 Jahre, Priester

 

Was ist Ihre Einstellung zum Leben und wie lautet ihr Lebensmotto?

Adsum. Ich bin bereit. Das habe ich bei meiner Priesterweihe im Dom vor über 50 Jahren gesprochen. Ich bin bereit für die Aufgabe, den Menschen eine Gottesbeziehung zu vermitteln. Die Berufung zum Priester ist immer auch im Kontext der Zeit zu sehen. Ich habe 1947 Abitur gemacht und die Frage nach dem Sinn des Lebens hat mich sehr beschäftigt, vor allem im Anblick der Zerstörung durch den Krieg. Inmitten des zerstörten Köln stand noch der Dom und über die Trümmer gingen wir in die Kirche. Beeindruckt hat mich auch die Haltung vieler Priester, vor allem meines Religionslehrers in der NS-Zeit. Die Kirche und ihre Überzeugungen schien mir als einzige intakt geblieben zu sein und ich spürte, dass meine Bereitschaft zum Wiederaufbau sich am besten in der katholischen Kirche verwirklichen ließ.

Was hat sich für Sie mit dem Älterwerden im Hinblick auf ihre Aufgabe verändert?

Die Aufgabe ist gleich geblieben, aber ich habe in der Vermittlung dazugelernt. Früher sind wir darauf getrimmt worden auf alles eine Antwort zu haben. Je älter ich werde, desto weniger Antworten habe ich. Es geht mir eher darum, mit den Menschen ihre Fragen auszuhalten. Im Alter werde ich weiser.Auch eine Alterserkenntnis ist, dass die Sehnsucht nach Gott- danach seine Liebe zu erfahren und getröstet zu werden - im Alter wächst.

 

Was verstehen Sie unter „Aktiv Altern“?

Meine Pensionierung mit 75 war ein harter Schnitt für mich. Männer definieren sich ja eher über die Arbeit und ich musste lernen, mich vom Sein her zu definieren. Durch den Priestermangel wurde ich dann im Bereich der Sakramentenspendung und Eucharistiefeiern wieder angefragt. Und so taufe ich viele Kinder, schließe Ehen, mache Beerdigungen und feiere Gottesdienste. Über Weinachten und Neujahr fahre ich 6 Wochen ins Kloster Rickenbach zu den Dominikanerinnen. Dort werde ich herausgefordert durch die tägliche Gestaltung einer Messfeier. Der Aufenthalt dort ist für mich aber auch eine Rundeerneuerung an Leib und Seele. Um geistig beweglich zu bleiben lese ich theologische Fachliteratur, vor allem aus dem Bereich praktische Theologie, weil ich danach auch gerne etwas von dem Gelesenen umsetzte. Und ich bin noch im Karneval aktiv. Jedes Jahr habe ich einen Auftritt im Seniorenheim und im Pfarrkarneval. Humor gehört zu mir und macht das Leben leichter. Bei meinen Aktivitäten folge ich dem Motto „Ora et Labora“ und gleichzeitig kommt im Alter die Ruhe hinzu. Ich kann gut Nein sagen, wenn ich merke es wird zu viel. Aktivität ist förderlich, Aktionismus nicht.

Sie haben auch eine bestimmte Vorstellung vom „Altern“

Als alter Mensch bin neugierig, wissbegierig, offen, nicht fertig. Alte Menschen die fertig sind blicken nur noch zurück und nicht nach vorne. Ich mag den Spruch: „Altwerden ist Gottes Gunst, jung bleiben Lebenskunst.“ Meine Mutter die sehr alt geworden ist, nämlich 95 Jahre, habe ich gefragt: „Wie wird man so schön alt wie du?“ Sie hat mir geantwortet: „ 1. Ist das Gottes Gnade und 2. iss nicht so viel und beweg dich!“

Was ist der Gewinn ihrer Aktivität, ihres "Tätig seins"?

Das Leben ist nie eine Einbahnstraße. Ich bekomme viel mehr zurück als ich gebe. Ich darf als Priester das Leben mit den Menschen teilen und erlebe in ihnen die Spuren Gottes.  Gerade hatte ich ein Taufgespräch mit zwei jungen Müttern. Dabei ist mir wieder einmal deutlich geworden, wie sehr Leben sich verändert. Mit welchen Fragen. Z.B. im Hinblick auf Berufstätigkeit, die jungen Frauen sich beschäftigen, die es früher gar nicht gab. Diese Teilnahme am Leben jüngerer Menschen ist für mich ein Jungbrunnen. Und es macht mir eine andere Verkündigung möglich, weil ich ein Stück mehr vom Leben der Menschen verstehen kann.

Was macht ihnen besonders viel Freude an ihren Tätigkeiten? 

Das Dasein für die Menschen. Ich bin ein Beschenkter und möchte davon weitergeben. Kardinal Höffner hat es so ausgedrückt: „Als Beschenkter sich verschenken.“

Welchen Gewinn haben die anderen von ihren Aktivitäten?

Das möchte ich ihnen mit zweibeispielhaften Rückmeldungen deutlich machen: Ein Priester, mit dem ich zusammen arbeite sagte zu mir: „Wenn du kommst geht die Sonne auf.“ Eine Frau die ich fragte wie es ihr gehe antwortet: „Wenn ich sie treffe schon wieder besser.“ Ich glaube ich bekomme diese Rückmeldungen weil meine Christusbeziehung ausstrahlt.

Wenn eine gute Fee vorbeikäme und sie hätten einen Wunsch frei, was würden sie sich wünschen für ihr Alter?

Dass es noch eine Weile so anhält wie jetzt. Gleichzeitig weiß ich, dass man nichts festhalten kann. Dies ist mir sehr bewusst geworden als ich mit 50 mein Testament machen musste; dazu werden wir als Priester aufgefordert. Loslassen macht zunächst Angst bedeutet dann aber freier und leichter werden.

Und noch eine Bemerkung zum Schluss

Ich habe mein Handy und mein Auto abgegeben und ich habe keinen Internetzugang. Trotzdem bin ich zufrieden. Ich bin allein, aber ich bin nicht einsam.

 

 

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