In der Familie übernehmen die Mitglieder Verantwortung für einander, auch für die Gesundheit der anderen Familienmitglieder. Diese Sorge wird in unserer Gesellschaft nach wie vor überwiegend den Frauen der sogenannten „Sandwich-Generation“ übertragen. Im familialen Kontext wird diese Sorge durch die affektive Bindung der Familienmitglieder unterstützt.
Zum einen liegen die Aufgaben der Familie im präventiven Bereich:
Sorge dafür Erhalt und Stabilisierung der Gesundheit erfolgt über die Ernährung, über gelebte Hygiene und Infektionsabwehr, aber auch über Faktoren der psychischen Stabilisierung wie gegenseitige Wertschätzung.
Bei Erkrankungen erfolgt ein Großteil der Versorgung für einander im Vorfeld des medizinisch-curativen Bereichs durch Hausmittel, Selbstmedikation, aber auch durch einfache Pflegeleistungen, durch die neben der Versorgung auch die gegenseitige Verbundenheit gefestigt wird. Gerade bei den häufigen Erkrankungen von Kindern kommt diesem Bereich eine besondere Bedeutung zu.
So werden im Vollzug der Sorge umeinander die zentralen Werte des Füreinander-Einstehens in Familie realisiert und vorgelebt.
Besonders bedeutsam wird die Sorge für einander, wenn die Gesundheit durch Krankheit und Alter gefährdet ist, wenn zusätzlich zu den gesundheitlichen Einschränkungen andere soziale Bezüge und Netze wegbrechen.
Wie relevant der Faktor Gesundheit für die Familie als System ist, wird vor allem dann deutlich, wenn durch die Krankheit eines Familienmitgliedes das Familiensystem anders und neu konstruiert werden muss:
Gerade unter solchen Bedingungen wird zunächst auf die Familie als Unterstützungssystem zurückgegriffen. Auch wenn professionelle Hilfe erfolgt, wird ein Großteil der Belastung von der Familie übernommen.
Auch unter veränderten oder von der Norm abweichenden Bedingungen ist Familie der Lebens- und Entwicklungsraum ihrer Mitglieder. Daher ist es wichtig, diese Faktoren in das Familiengefüge zu integrieren und ggf. bei Übergängen Unterstützung zu gewähren.
Hinzu kommt die Aneignung von Bewältigungsstrategien/Coping, wenn durch Krankheit, Behinderung das System „anders funktionieren muss“ als bisher oder in anderen Familien.
Die Kath. Erwachsenen- und Familienbildung kann und will sich dem Diskurs mit der derzeitigen gesellschaftlichen Wertorientierung nicht entziehen und muss in Wort und Tat klar herausstellen, dass Gesundheit zwar ein hohes, aber nicht das höchste Gut ist.