Leben im Pfarrkaus - Barbara Oppenberg

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Seit genau 10 Jahren bin ich jetzt Pfarrhaushälterin, das sind 3.650 Tage, mal mit Stress, mal mit Hektik, auch schon mal mit Ärger. Aber es sind auch 3.650 Tage, von denen ich nicht einen streichen möchte.

Immer schon hatte ich großes Interesse an dieser Arbeit. Und ich freue mich, dass mein großer Traum, Pfarrhaushälterin zu werden, Wirklichkeit geworden ist. Im Jahr 2000 wechselte unser damaliger Kaplan, Max Offermann, als Pfarrer nach Much, einem wunderschönen Ort im Bergischen Land. Für ihn stand fest: Werde ich einmal Pfarrer, und habe ich mein eigenes Pfarrhaus und vielleicht sogar einen Garten, dann bekomme ich zuerst einen Hund und dann eine Haushälterin. Er bekam sein Haus mit Garten, aber danach änderte sich die Reihenfolge: zuerst kam ich und dann der Hund.

So hieß es also vor zehn Jahren, ein komplettes Haus einzurichten. Mit allen Fragen, die jeder kennt, der zum ersten mal ein neues Heim bezieht. Und wie sollte es auch anders sein? Am Tag des Einzuges ging es drunter und drüber. Wasserrohrbruch im Büro, alle Handtücher wieder aus dem Schrank, um das gerade frisch verlegte Parkett zu retten. Aber am späten Nachmittag sah die Wohnung dann schon richtig gut aus, fand ich. Doch der Höhepunkt meines ersten Arbeitstages sollte noch folgen: Sechzig Gäste zum Geburtstag des Pfarrers. Und alle mochten die Suppe, die ich gekocht hatte. Gott sei Dank hatten wir noch nicht alle Kisten ausgepackt, denn Sitzgelegenheiten wären für so viel Menschen noch nicht da gewesen. Und das sollte also mein Traumberuf werden?

Allmählich stellten sich tausend Fragen: Wie melde ich mich am Telefon? Was mache ich, wenn jemand dringend den Pastor sprechen möchte und der nicht da ist? Was koche ich täglich? Wieviel koche ich, wenn wir vier oder fünf Personen am Tisch sind? Aber irgendwie klappte alles. Und dann das erste Essen mit einem Bischof! Ich war schon eine Woche vorher nervös. Aber es ist für mich auch heute immer noch schön, wenn der Bischof nach dem Essen in die noch nicht aufgeräumte Küche kommt, sich persönlich bedankt und auch einfach mal sagt, für wie wichtig er eine Pfarrhaushälterin hält. Immer mehr Leute aus der Gemeinde lernte ich kennen, wurde oft eingeladen, und man ging auch mal gemeinsam aus. Nach kurzer Zeit war ich keine Fremde mehr.

Zwei Jahre sollte es dauern, bis sich nach Wellensittich und Goldfischen Balu, ein weißer, süßer Golden Retrieverwelpe für uns entschied. Ich habe mich sofort in ihn verliebt. Mittlerweile ist er 60 cm hoch, ein Riese von Hund, aber aus dem Pfarrhaus nicht mehr wegzudenken.

Der Alltag einer Pfarrhaushälterin auf dem Land ist anders als in der Stadt. Selbst gemachte Marmelade, Eier in Serviettenpapier, warme Socken für den Winter, alles findet sich bei uns ein. Na, ja und selbstredend weiß auch die ganze Gemeinde, was es mittags bei Hochwürden zu essen gibt. Man schaut einfach in meinen Einkaufskorb.

Im Laufe der Zeit macht man als Pfarrhaushälterin Erfahrung mit Menschen, die vor der Haustür stehen und Hunger aber kein Geld haben. Sie sind dankbar für Brot und Butter. Aber auch andere erlebt man, denen man es nur schlecht recht machen kann.

Und schwer ist es noch heute, Anrufe entgegen zu nehmen, wenn jemand im Sterben liegt. Wie verhält man sich in einem solchen Fall? Aber ist es nicht besser, wenn in einem Pfarrhaus ein Mensch ans Telefon geht und nicht eine Maschine?

Mittlerweile hat sich mein Aufgabenfeld auch außerhäuslich erweitert: so helfe ich beim Blumenschmuck in der Kirche, gestalte die Taufkerzen für die Pfarrgemeinde, helfe bei der Vorbereitung von Gemeindefahrten, Wallfahrten, Betriebsausflügen und vielen anderen Gelegenheiten.

Ich freue mich über die vielen interssanten Gespräche, die ich mit Mitgliedern der Gemeinde und Menschen, die bei uns zu Gast sind, führen kann. Die positiven Rückmeldungen, die ich bekomme, bestärken mich in meiner Meinung, dass unser Beruf der Pfarrhaushälterin auch Berufung ist und sein sollte.

Finanziell gesehen ist es nicht der Traumjob, aber es ist ein Beruf, der das Gefühl vermittelt, sinnvoll zu leben. Vielleicht sollten gerade junge Priester, die heute enorm große Pfarreien zu leiten haben, überlegen, ob das Pfarrhausleben mit uns nicht einfacher und stressfreier sein könnte.

redaktionell bearbeitet von Frieder Zimmermann
5.10.2010

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