Mein AdventKaum eine Zeitspanne im Jahr wird in vielen Familien so intensiv erlebt wie der Advent.

Adventskalender und Adventskranz gehören nicht nur in katholischen Familien zum festen Brauch. Fünf Prominente verraten, was für sie der Advent bedeutet.

Malu Dreyer

SPD, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz

Der Advent ist eine ganz besondere Zeit im Jahr – eine Zeit der Vorfreude und des Innehaltens. Doch der Advent ist häufig auch eine besonders anstrengende Zeit, denn das Jahresende und die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest bringen oft Hektik mit sich. Ich wünsche mir im Advent Gelegenheiten, zur Ruhe zu kommen und das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Ganz besonders schön finde ich, dies gemeinsam zu tun: Gute Freunde und Freundinnen und die Familie zu treffen, Zeit für intensive Gespräche zu haben und füreinander da zu sein. Ich wünsche mir, dass dieses besondere Gefühl der Besinnlichkeit der Adventszeit für viele Menschen spürbar wird, dass sie sich Zeit füreinander nehmen und daraus Kraft schöpfen können.

 

Wolfgang Bosbach

CDU, Mitglied des Deutschen Bundestages

Advent = Vorfreude und Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu Christi. Stille Einkehr in unserer kleinen Dorfkirche St. Johannes in Bergisch Gladbach-Herrenstrunden. An die Glaubensstärke der Hl. Barbara denken und sich auf den Besuch des Hl. Nikolaus freuen. Aber auch den Adventskranz festlich dekorieren, Plätzchen backen (na gut, meine Kompetenz liegt da eher am Probieren des Teigs…), Geschenke kaufen (obwohl wir Eheleute uns jedes Jahr natürlich nichts schenken), einen schicken Weihnachtsbaum aussuchen, aufstellen und festlich schmücken, daneben die Krippe platzieren, mit der ganzen Familie in die Christmette gehen und dann voller Freude auf das Christkind zurück in die warme Stube. Und hoffentlich in sternenklarer Nacht, bei frischem Pulverschnee.

 

Reiner Calmund

Ehemaliger Fußballmanager von Bayer 04 Leverkusen, Fußballexperte

Ich versuche in diesen Wochen ein wenig vom Gaspedal zu gehen. Unsere kleine Prinzessin Nicha erinnert mich an das Wichtige. Es gibt keinen Tag, an dem sie nicht aus dem Kindergarten kommt und „In der Weihnachtsbäckerei“ singt. Wenn meine beiden Frauen dann backen, freue ich mich auf Plätzchen, Kaffee und Kakao. Traditionell besuche ich am 1. Advent die Kölner „Charity Sports Night“, in der dank Spenden und Einnahmen aus dem Losverkauf viel Geld für bedürftige Kinder gesammelt wird. Viele Sportler und Prominente unterstützen mit dieser Veranstaltung weltweite und lokale Projekte und sorgen dafür, dass die Kinder auf der Schattenseite des Lebens auch ein unvergessliches Weihnachtsfest erleben können.

 

 

Marc Bator

Chefmoderator Nachrichten, SAT.1

Schon als Kind spürte ich, trotz aller kindlicher Ungeduld: in den letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest wird mein sonst oft unübersichtliches Leben plötzlich stiller, trotz aller Hektik um mich herum. Wenn ich die Augen schließe steht die Welt still und schweigt. Es ist eine besondere Zeit, diese Adventszeit. Es ist eine Zeit der Einkehr, und auch wenn ich es nicht immer schaffe, Rituale und besondere Bräuche zu leben, ich halte inne. Ich freue mich, dass diese besondere Zeit wieder in mein Leben getreten ist. Umso glücklicher bin ich, wenn es uns gelingt, mit der Familie einen Advents- Spaziergang zu unternehmen. Oder die Zeit bleibt, gemeinsam Tee zu trinken, Kekse zu essen, sich in Ruhe zu unterhalten. Ich liebe diese Zeit, lassen Sie uns alle diese Momente teilen.

Gundula Gause

Nachrichtenmoderatorin Heute-Journal, ZDF

Normalerweise ist die Adventszeit eine Zeit, in der ich – wie alle Christen – immer wieder versuche, mich auf das Weihnachtsfest einzustimmen, auf das, was wir mit Weihnachten verbinden, die Geburt Jesu Christi. Aber kann diese Adventszeit 2015 eine „normale“ sein? Können diesmal die üblichen vorweihnachtlichen Aufgaben, wie die Organisation von Geschenken, von Weihnachtspost und Plätzchenbäckerei, die gleiche, übliche Berechtigung „wie alle Jahre“ haben? In diesem Jahr ist alles anders. Europa gibt – so gut es geht – ungeahnten Massen von Flüchtlingen Herberge – so wie vor über 2000 Jahren Bethlehem einem gewissen Paar namens Maria und Josef. Die aktuelle Flüchtlingskrise verändert unser aller Leben, die Gesellschaft und das Individuum. Unvorstellbar, dass diese neuen Umstände nicht auch die Vorweihnachtszeit in diesem im Vergleich so friedlichen und wohlhabenden Deutschland beeinflussen. Vielleicht ergeben sich – bei aller Anerkenntnis von begrenzten Möglichkeiten – für jeden von uns auch positive Überraschungen – eine Begegnung, ein Engagement, oder eine Spendenmöglichkeit, die jeweils einen Beitrag zu friedlichen Lösungen bilden kann – und damit ein Geschenk. Zu meiner Vorweihnachtszeit gehört seit Jahren auch die Mitgestaltung eines Adventskonzerts des Mainzer Kammerorchesters zugunsten von missio, dem katholischen Hilfswerk. Diesmal werde ich versuchen, Weihnachtsgeschichten zu finden, die von Flucht erzählen. Vielleicht wähle ich aber auch – aus alter Tradition – einen Klassiker wie „Advent“ von Rainer Maria Rilke. Und kommt in diesem Gedicht nicht auch viel Sehnsucht zum Ausdruck? Sehnsucht nach der einen Nacht der Herrlichkeit? Sehnsucht nach Frieden und Ruhe?