„Ich bin oft als Nikolaus unterwegs“Generalvikar Dr. Dominik Meiering über sein „Nikolaus-Handbuch“

Er ist wohl der bekannteste und beliebteste Heilige. Und zwar nicht nur bei den Kindern, die für ihn geputzte Schuhe vor die Tür stellen oder Socken an den Kamin hängen. Auch Dr. Dominik Meiering, Generalvikar des Erzbischofs von Köln und langjähriger Stadtjugendseelsorger in Köln, schätzt den Heiligen sehr und hat jetzt ein „Nikolaus-Handbuch“ herausgegeben. Im Gespräch mit Martin Mölder berichtet er auch von eigenen Erfahrungen im Gewand des Nikolaus.

Herr Meiering, warum dieses besondere Buch-Projekt?

Weil der Nikolaus eine Chance bekommen muss. Wir freuen uns, wenn der heilige Mann kommt, seine Geschichten erzählt und die Kinder wertschätzt und  liebt. Aber irgendwie ist die Tradition in den Familien und den Vereinen ein wenig vergessen und wird überlagert durch den ganzen Kommerz an Weihnachten und die Weihnachtsmänner, die die Fassaden hinaufklettern. Und da kam der Gedanke auf, wieder mal eine schöne Nikolausfeier zu gestalten. Aber wie geht das? Woran muss man denken? All das haben wir in diesem Nikolaus-Handbuch zusammengetragen.

 

Das bedeutet: Jeder, der Ihr Buch liest, kann danach den heiligen Nikolaus glaubhaft und würdig verkörpern?

Ich glaube ja, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und das Buch durcharbeitet. Es ist wichtig zu verstehen worum es beim Nikolausbesuch eigentlich geht, dann erhält man ganz viele Tipps, um ein echter Nikolaus zu sein. Das fängt an mit der Kleidung und den Nikolausutensilien wie Bischofsstab und Mitra. Das Buch erzählt auch Geschichten vom Nikolaus, außerdem sind Formulierungshilfen und Tipps für Unvorhergesehenes drin. Aber auch die Frage, woran muss ich denken, wenn ich eine Nikolausfeier vorbereiten möchte, zum Beispiel in der Schule, in der Kita oder auch in Familien, wird in dem Buch beantwortet.

 

Welche Erinnerungen haben Sie denn an den Nikolaus, auch an den Ihrer Kindheit?

Ich habe zwei Erinnerungen. Ich war als Stadtjugendseelsorger zuständig für die katholischen Verbände beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Einmal war ich auf eine Nikolausfeier eingeladen, da ging das Licht aus, dann kam einer mit einer Schlumpfmütze und den blinkenden Sternen rein und tanzte dann zu Jingle Bells irgendeinen Hüfttanz. Da war ich ein bisschen verwundert und fragte mich, was das jetzt mit dem heiligen Nikolaus zu tun haben soll. Meine Kindheitserinnerungen sind ganz anders. Zum Beispiel kam der Nikolaus immer zur Feier des Domchores, in dem ich früher gesungen habe. Jeder von uns wusste, dass ein am Dom tätiger Geistlicher, den wir alle kannten, den Nikolaus darstellte, aber er machte das so nett, dass es eine große Freude für uns war und wir bekamen ja auch was geschenkt (lacht).

 

Was fasziniert Sie persönlich an diesem Heiligen?

Der Nikolaus gehört zu den größten Gestalten der Heiligengeschichte, die wir haben, nicht nur bei uns, sondern zum Beispiel auch in Russland, den Niederlanden und den USA. Auch bei uns hat er immer eine wichtige Rolle gespielt. Die Herausforderung unserer Zeit liegt darin, ihn wieder neu zu entdecken und neu zu positionieren. Denn er ist einer, den jeder verstehen kann, egal welche Kultur und Religion ich habe, egal, wie alt ich bin. Da ist einer der schaut wertschätzend auf den anderen und schenkt etwas von sich selbst, nämlich Zeit und eine kleine Gabe. Ich mache die Erfahrung, egal mit wem ich zusammenkomme, das funktioniert immer. Wie Sankt Martin für das Teilen steht, steht Sankt Nikolaus für das Schenken.

 

Sie sind selbst früher oft in das Nikolaus-Kostüm geschlüpft.
Werden Sie das auch in Ihrer Funktion als Generalvikar noch tun?

Natürlich, das tue ich jedes Jahr. Ich bin oft als Nikolaus unterwegs, auch bei der Familie und befreundeten Familien. Früher bin ich auch in Kindertagesstätten, Grundschulen und Krankenhäuser gegangen. Wo immer die Gelegenheit ist, den Nikolaus darzustellen, da bin ich dabei. Leider lässt mir mein Amt nicht mehr so viel Zeit dafür, aber ich will es auch dieses Jahr schaffen, mindestens ein- oder zweimal als Nikolaus unterwegs zu sein.

 

Wie reagieren die Leute, wenn sie Sie als Nikolaus erleben?
Sie haben als Nikolaus auch schon verschiedene Politiker besucht.

Das ist spannend, wenn man mit den politischen Verantwortungsträgern spricht und sich als Nikolaus mit ihnen zusammen hinstellt und ihnen sagt: „Dafür dankt der Nikolaus Ihnen jetzt mal“ oder „Der Nikolaus ist froh darüber, dass Sie sich zum Beispiel um die Flüchtlinge kümmern“, dann freuen die sich ehrlich und empfinden das als besonders große Wertschätzung.

Nikolaus: Patron und Heiliger

Sitzfigur des heiligen Nikolaus aus dem 12. Jahrhundert. Zu bewundern in der sehenswerten Abteikirche Brauweiler bei Köln.

Nikolaus wurde nicht belegten Schätzungen zur Folge um 270 n. Chr. in Patara in Lykien (heutige Türkei) als Kind wohlhabender Eltern geboren.

 

Er wurde mit 19 Jahren zum Priester geweiht und wurde später Bischof von Myra, dem heutigen Demre bei Kale. 325 soll er am Konzil von Nicäa teilgenommen haben, wo das bekannte Glaubensbekenntnis seinen Ursprung fand.

 

Er starb ca. 345-351 n. Chr. Nikolaus gilt als Patron von Russland, Lothringen, der Kinder, Schüler, Mädchen, Jungfrauen und alten Menschen, der Ministranten, der Feuerwehr, der Pilger und Reisenden, der Gefangenen, der Apotheker, Richter, Rechtsanwälte und Notare, Kaufleute, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller und -händler, Fährleute, Schiffer, Matrosen, Fischer, Flößer, Brückenbauer, Bauern, Weber, Spitzen-und Tuchhändler, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Knopfmacher und Kerzenzieher.