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Allzeit bereit

  • 20.07.17 09:54
  • Martin Mölder
  •   Im Auftrag des Herrn

Alicia war sieben oder acht Jahre alt, als sie zu den Pfadfindern kam. Begeistert durch ihren älteren Bruder wollte das Mädchen auch dazu gehören, zur Gemeinschaft derer, die so spannende Abenteuer erleben, alles Mögliche aus Holz bauen und vor allem am Lagerfeuer sitzen und singen. Damals war sie ein Wölfling, so nennt man die Stufe der kleinsten, sieben bis zehnjährigen Pfadfinder. Und ihre Sippe hieß „Balu“. Als Sippe bezeichnen die Pfadfinder die einzelnen Gruppen innerhalb einer Stufe, z.B. eben den Wölflingen. Weitere Stufen jahrgangsmäßig ansteigend sind „Juffis“ (Jungpfadfinder, 10-13 Jahre), Pfadis (13 bis 16 Jahre) und Rover (16 bis 20 Jahre). Alle tragen dieselbe sandfarbene Pfadfinderkluft. Unterscheiden kann man sie – neben der Größe – nur an den Halstüchern, zusammengehalten vom meist ledernen Halstuchknoten. Die Wölflinge tragen ein orangenes, die Juffis ein blaues, die Pfadis ein grünes und die Rover ein rotes Halstuch.

Starke Gemeinschaft

„Für mich sind die Pfadfinder wie eine zweite Familie“, sagt Alicia, „hier fühle ich mich fast wie zu Hause, vor allem, wenn wir im Lager sind.“ Pfingst- und Sommerlager stehen bei den meisten Pfadfinderstämmen der DPSG und auch den drei anderen großen Pfadfinderverbänden Deutschlands (PSG, BdP, VCP) im Jahreskalender. Dann heißt es in Schiefbahn, wie in vielen anderen Orten und Städten Deutschlands für meist 60 bis 100 Pfadfinder: Kluft, Schlafsack, Isomatte und Rucksack mit Klamotten und Kulturbeutel packen, Taschenmesser, Taschenlampe und Kompass nicht vergessen und los geht’s in ein viertägiges (Pfingsten) oder 14-tägiges Abenteuer getreu dem Motto des Pfadfindergründers Robert Baden-Powell: „Ohne Abenteuer wäre das Leben tödlich langweilig.“ Die Abenteuer können für jeden Pfadfinder allerdings unterschiedlich aussehen. Für die kleinen Wölflinge besteht das Abenteuer bereits darin, das erste Mal für vier Tage oder länger von zu Hause weg zu sein und das erste Mal draußen in der Natur, nur von einem Zelt geschützt, zu übernachten. Die größeren sehen das Abenteuer darin, nur mit Feuerstein und Taschenmesser den Stapel Holz fürs abendliche Lagerfeuer anzuzünden oder aber auf den „Hike“ zu gehen.

Survival a´la Pfadfinder

„Hike“ nennen die Pfadfinder eine Art Überlebenstraining, das meistens drei Tage dauert. In dieser Zeit muss eine Gruppe alleine im Wald klar kommen, also auch nachts draußen im Freien schlafen - oft nur mit einer Plane, der so genannten „Kröte“, geschützt. Die Regeln für den Hike sind von Stamm zu Stamm unterschiedlich streng. Die einen dürfen Lebensmittel mit auf den Hike nehmen, die anderen müssen sie sich besorgen, entweder im Wald oder an Haustüren. Die einen dürfen auch mal eine Strecke mit dem Bus fahren, den anderen ist das strengstens verboten und Taxifahren sowieso. Das könnten sich die Pfadfinder auf dem Hike allerdings auch nicht leisten, denn sie dürfen nur begrenzt viel Geld mitnehmen. Ein ansonsten im Lager strikt verbotenes Handy hat allerdings jede Gruppe auf der Tour dabei, aber eben nur eins und nur für den äußersten Notfall. Die Pfadfinderphilosophie betont das Ursprüngliche, das Natürliche. Die Pfadfinder Methode setzt auf Lernen durch Erfahrung, also dass Kinder und Jugendliche beobachten, ausprobieren und die eigenen Erfahrungen sammeln können. Ziel ist es, Kinder und Jugendlichen in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu unterstützen.

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