ERZBISTUM KÖLN               

Interview zur Domwallfahrt des Erzbistums Köln 2008

Markus Roentgen, Leiter des Referats Spiritualit?t im Generalvikariat Markus Roentgen, Leiter des Referats Spiritualit?t im Generalvikariat Unter dem Motto „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15) findet vom 24. bis 28. September in Köln die Domwallfahrt statt. Das Erzbistum lädt die Pilgerinnen und Pilger zu gottesdienstlichen Feiern in unterschiedlicher liturgischer Gestaltung ein und bietet ein vielfältiges thematisches Begleitprogramm an. In diesem Jahr sind die Stadtdekanate Wuppertal, Remscheid, Solingen und das Kreisdekanat Euskirchen die Partnerdekanate der Domwallfahrt. Im folgenden Gespräch erläutert Markus Roentgen von der Hauptabteilung Seelsorge das Motto der Domwallfahrt und gibt eine Vorausschau auf einzelne Programmpunkte.

PEK: In diesem Jahr steht die Domwallfahrt unter dem Motto „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk16,15) Was bedeutet dieser Aufruf?


Markus Roentgen: Kardinal Meisner hat zur Domwallfahrt mit einem Wort eingeladen, dass mehrere Dimensionen anspricht. Zuerst erinnert das Motiv an Taufe und Mission und an die Einheit der Kirche in Welt und Geschichte. Zugleich birgt es das christliche Bild vom Menschen und von allem Leben, indem es von den Geschöpfen spricht. Auch wenn dieser Begriff gegenwärtig eher ungebräuchlich ist - im Kern umfasst er alle lebendigen Wesen und ihre Lebenswirklichkeit. Und genau da entfaltet sich die Frohe Botschaft an die Menschen: Gott schottet sicht nicht ab, isoliert sich nicht in seiner Herrlichkeit, sondern nimmt den Menschen in seinem konkreten Leben an. Bei der Domwallfahrt 2008 geht es um das Angesprochensein jedes Einzelnen und den Aufruf, sich in die Welt hinaus zu wagen.

PEK: Sie haben zwei Dimensionen des Mottos angesprochen, wie setzen Sie sie konkret im Programm um?

Roentgen: Im letzten Jahr war die Domwallfahrt unter ein einfacher zugängliches Wort gestellt: „Und er stellte ein Kind in ihre Mitte“. Manchem mag das Motto in diesem Jahr etwas sperrig scheinen, aber bei ge-nauerem Hinsehen erweist es sich als ein wirkliches Wallfahrtsmotto. Es betont zum einen den Auftrag, das Evangelium in die Welt zu verkünden und zum anderen nennt es klar den Empfänger: alle Geschöpfe.
Im Programm werden beide Dimensionen, Verkünden und Leben, konkret: Ordensleute, Pfarrer und Gläubige berichten aus Ländern wie zum Beispiel dem Sudan, wo die Frohe Botschaft von Menschen gehört wird, deren Leben von Bürgerkriegen und Massakern unmittelbar bedroht wird oder wo Hunger herrscht. Die Pilger haben Gelegenheit, mit anderen Ohren zu hören und mit anderen Augen zu sehen. Der Caritasverband beteiligt sich mit dem Musical „Streetlight“, in dem es um Gewaltprävention geht. Es thematisiert damit die Kehrseite der Frohen Botschaft: Gewalt stellt sich dem Leben entgegen.

PEK: Unumwunden fordert das Motto die Christen auf, hinaus zu gehen. Wie greifen Sie diesen Auftrag auf?

Roentgen: Ja, wir Christen sind aufgefordert, das Wort Gottes in die Welt zu tragen und im paulinischen Sinn und in der Formulierung unseres Erzbischofs, unseren Glauben „unverschämt“ zu leben. Im Begleitprogramm stellen wir uns beispielsweise die Frage, wie sich Kirche öffentlich präsentiert. Welche Sprache finden wir in Medien und Gesellschaft, damit die Frohe Botschaft gehört wird? Wie können wir die großen Geschichten des Glaubens so erzählen, dass sie nicht als alter Mythos erscheinen, sondern in ihrer Lebendigkeit erkannt werden? Alle Facetten bündeln sich beim Abschluss der Wallfahrt im Pontifikalamt mit Joachim Kardinal Meisner. Zu diesem festlichen Pilgeramt laden wir auch die Ehejubilare ein, ihr Eheversprechen zu erneuern. Denn in ihrem gemeinsamen Leben haben sie den immer neuen Aufbruch zu ihrem Partner erfahren und setzen auf ihre Weise täglich das Wallfahrtswort um. Ganz praktisch sendet der Erzbischof die Sänger der Pueri Cantores zum 5. Deutschen Chorfest aus.

PEK: Wie erreichen Sie die Adressaten der Botschaft?


Roentgen: Ganz bewusst haben wir ausdrücklich katholische und staatliche Schulen eingeladen. Konkret laden wir Grundschulen aus dem Gebiet des Erzbistums und weiterführende Schulen zur Andacht ein. Vorbereitet wird die Andacht von einem Erzbischöflichen Gymnasium. Über die schon jetzt sehr positive Resonanz freuen wir uns: Aus den Grundschulen sind fast 2000 Anmeldungen eingegangen; eine Schule will komplett teilnehmen und wie gesagt - es sind nicht nur Schulen in erzbischöflicher Trägerschaft!

PEK: In diesem Jahr feiert die Weltkirche den Apostel Paulus. Nimmt die Domwallfahrt diese Botschaft auf?

Roentgen: Das Leben Paulus` und das Motto der Domwallfahrt bezeugen dasselbe freundliche Gesicht des Christentums. Dabei ist das freundliche Gesicht weder billig noch harmlos! Während der Domwallfahrt ist Paulus präsent: So finden Orgelmeditationen mit betrachtenden Impulsen zur spirituellen Theologie Paulus` statt.

PEK: Worin bestehen für Sie der Reiz des Wallfahrens und deren beständige Aktualität?

Roentgen: Pilgern und Wallfahren ist nicht erst seit der jüngsten Bestseller ein großes Thema. Dabei muss es nicht immer Santiago sein! Zuerst muss sich eine Gruppe entscheiden, überhaupt aufzubrechen - das ist die Zusage an die Offenheit: Denn keiner weiß, was unterwegs geschehen wird! Ich würde für den Weg empfehlen: je elementarer, desto wirksamer. Je unmittelbarer die erfahrene Strecke, desto mehr kann sich ereignen! Zwar hört man oft, der Weg sei das Ziel, aber das ist eher eine buddhistische Botschaft. Wir haben im Christentum die Botschaft des Ankommens! Das Ankommen feiern wir bei der Domwallfahrt in verschiedenen gottesdienstlichen Formen und zu Zeiten, die sich am Stundengebet der Kirche orientieren: Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet und Andacht. Alle diese Formen münden in das große Ankommen in der Eucharistiefeier. Die Wallfahrt beschreitet ihren Pfad auch im Dom selbst: Die Pilger nähern sich dem Mariengeheimnis und damit der Menschwerdung Gottes; am Dreikönigenschrein eröffnet sich ihnen die Dimension der Weltkirche; schließlich konzentriert sich das Pilgerziel am Gerokreuz im Geheimnis von Kreuz, Leiden, Tod und Auferstehung.

PEK: Welchen Stellenwert hat die Bischofskirche als Wallfahrtsort für die Menschen im Erzistum?

Roentgen: Den entscheidenden Impuls, im Erzbistum zur Domwallfahrt einzuladen, hat der Weltjugendtag gegeben; aber bereits das Domjubiläum hat neue Aufmerksamkeit geweckt. Durch die Wallfahrt wird der Dom, unsere Bischofskirche, als ein Ort für das Gesamtbistum erlebt. Egal, aus welcher Gegend im Erzbistum man kommt, im Dom haben alle einen verbindlichen Ort. Um das ganz deutlich zu machen, sprechen wir jedes Jahr gezielt Partnerdekanate an - in diesem Jahr sind es die Stadtdekanate Wuppertal, Remscheid, Solingen und das Kreisdekanat Euskirchen. Nun hat das Erzbistum eine besonders eindrucksvolle Bischofskirche, die ja im Stein die Sehnsucht der Menschen nach Oben ausdrückt. Ich bin überzeugt, dass die Idee, sich zum größtmöglichen Ziel des Menschen auf den Weg zu machen, einen Klang hat, der von allen Menschen gehört werden kann!

PEK: Im Programm lädt das Erzbistum zum sogenannten Werkstattgespräch in das Kunstmuseum des Erzbistums Kolumba ein. Was kann man sich darunter vorstellen?


Roentgen: Mit dem Museum Kolumba hat das Erzbistum einen besonders kostbaren Raum in unmittelbarer Nähe zum Dom. Kolumba bringt die Exponate zu einem Gespräch über Tradition und Gegenwart zusammen. Die Gruppen sind extra klein konzipiert; nicht mehr als 20 Personen oder für Einzelpersonen oder Familien.

PEK: Wer kann daran teilnehmen?

Roentgen: Da die Gruppen klein konzipiert sind, werden vermutlich nicht alle Interessierten einen Platz bekommen. Deswegen ist eine rechtzeitige Anmeldung nötig. Zusätzlich erbitten wir einen kleinen Geldbeitrag. Ein Teil dessen fließt in die Kollekte der Domwallfahrt, der andere Teil ist für ein caritatives Projekt bestimmt.

PEK: Wie können sich Teilnehmende auf die Domwallfahrt und ihr Thema vorbereiten?

Roentgen: Schon jetzt können sich Interessierte auf unserer Internetseite www.domwallfahrt.de informieren. Dort gibt es das Motto, das Plakat, das Grußwort von Joachim Kardinal Meisner und das vollständige Programm. Bald nach den Sommerferien erscheint ein Flyer. Für die Gemeinden vor Ort bieten wir zur Gestaltung und Orientierung der Glaubenswoche eine Arbeitshilfe an. Schulklassen und Katechesegruppen können ebenso auf eine didaktische Hilfe zurückgreifen, die ihnen kindgerechte Wege zu den Texten des Markusevangeliums aufzeigt. Und natürlich proben schon jetzt einige Chöre für die aufwändig gestalteten Gottesdienste bei der Domwallfahrt. Man kann durchaus sagen, dass die Domwallfahrt sich in den laufenden Vorbereitungen bereits konkretisiert und mancher schon aufgebrochen ist.

PEK: Danke für das Interview

Das Interview führte Patricia Jungnickel.

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