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Glaube für Anfänger und Fortgeschrittene - Was glaubt, wer glaubt?


„Ich glaube …

Wenn Christen sagen: „Ich glaube“, dann meinen sie gerade nicht „Na ja: vielleicht … eventuell … möglicherweise …“. Die häufig gehörte Auffassung „Glauben heißt nicht wissen“ gilt allenfalls im täglichen Sprachgebrauch – also gerade nicht im religiösen! Ein Christ ist nicht nur fest davon überzeugt, dass es Gott gibt, glaubt nicht nur das, was ihm an göttlicher Offenbarung überliefert wird, sondern glaubt vor allem an Gott. Das heißt: Er setzt sein volles Vertrauen auf Gott, gründet seine gesamte Existenz auf ihn. Darum stehen auch bis zum heutigen Tag Christen mit ihrem Leben für ihren Glauben ein, wenn es nicht anders geht. Wer würde das für eine noch so sichere und wichtige naturwissenschaftliche Erkenntnis tun?

Kruzifix aus Erp, Rheinland, 2. Hälfte 12. Jh., Kolumba, KölnKruzifix aus Erp, Rheinland, 2. Hälfte 12. Jh., Kolumba, KölnIhr Glaubenswissen beziehen katholische Christen zum einen aus der Offenbarung, der Heiligen Schrift oder Bibel, die sie als Wort Gottes ehrfürchtig entgegennehmen. Hinzu tritt die Tradition, die Überlieferung der Kirche, die das Wort Gottes erläutert und auslegt. Aber auch die gesamte Schöpfung Gottes ist in gewisser Weise Quelle des Wissens über Gott – so wie ein Kunstwerk immer auch etwas über den Künstler aussagt. Welche der unterschiedlichen Auslegungen und Deutungen des Glaubens authentisch sind, legen – zumeist nach einer längeren Zeit innerkirchlicher Diskussion – die Inhaber des kirchlichen Lehramts verbindlich fest, also das weltweite Kollegium der Bischöfe in Gemeinschaft mit ihrem Haupt, dem Papst.

Glauben und Bekennen sind sehr persönliche Akte jedes Menschen, die ihm letztlich niemand abnehmen kann. Darum beginnt ein Glaubensbekenntnis für gewöhnlich mit der Einzahl: „Ich glaube …“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) setzte man jedoch den Anfang des Großen Glaubensbekenntnisses in die Mehrzahl („wir glauben …“), um zu zeigen, dass Glaube Gemeinschaft hervorbringt und in der Gemeinschaft lebt.

… an den einen Gott …

Christen sind sich mit Juden und Muslimen darin einig, dass nur ein einziges Wesen existiert, welches den Namen „Gott“ verdient. Diese Überzeugung lässt sich philosophisch begründen, hat ursprünglich jedoch einen anderen Zusammenhang: Gemäß der biblischen Offenbarung ist Gott „der Eine“, „der Einzige“, der die Menschen aus Liebe erschaffen hat, sie begleitet und erlöst; keine andere Wesenheit oder Macht kann ihm diesen Rang streitig machen. Kurz: Der Glaube an den einen Gott entspringt einem Liebesbund zwischen diesem und den Menschen; Liebe jedoch duldet keinen „Nebenbuhler“.

… den Vater …

Juden, Muslime und Christen bekennen Gott als „den Einen“, aber nur die Christen als „den Dreieinen“. Zwar teilten die ersten Christen den strengen Eingottglauben ihres Volkes Israel, aber zu deutlich trat ihnen dieser eine Gott in den drei Personen des Vaters, des Sohnes (Jesus Christus) und des Heiligen Geistes entgegen. Sie konnten nicht ignorieren, dass Gott in diesen drei Personen existiert, die gleichwohl in der einen Gottheit untrennbar eins sind: Gott der Vater, Ursprung allen Seins, Gott der Sohn, der vom Vater geliebt wird und diese Liebe erwidert, sowie Gott der Heilige Geist, der gewissermaßen die Liebe von Vater und Sohn personifiziert.

Dieses Wesen Gottes ist für unser menschliches Begreifen zu hoch, unergründlich. Alle Versuche, es mit Hilfe irdischer Wirklichkeiten zu erklären, können günstigstenfalls eine schwache Ahnung vermitteln. Aber wir Christen glauben, dass Gott selbst die Wahrheit ist und uns deshalb nicht belügt. Im Übrigen: Gott ist kein Mensch – warum also sollte sich nicht auch seine Einheit anders gestalten, als es bei uns Menschen möglich ist? Als Christen glauben wir, dass Gott Liebe nicht nur schenkt und wünscht, sondern selbst ist. Wäre jedoch Gottes Einheit in sich verschlossen, dann würde sie nicht nur Einzigkeit bedeuten, sondern auch Einsamkeit. Liebe dagegen sucht das „Du“; göttliche Liebe bringt es sogar hervor.

„Vater“ ist die erste göttliche Person keineswegs im irdischen, menschlichen Sinne: Gott ist ja nicht Mensch und zeugt auch nicht wie ein Mann. Aber er ist eben der Ursprung von allem; für Israel hat er sich insbesondere dadurch als „Vater“ erwiesen, dass er das Volk aus Gefangenschaft und Sklaverei befreite. „Vater“ ist Gott für jeden Frommen und Gerechten; in ganz besonderem Sinn aber ist er dies für die Heilsgestalt, die Israel als den Retter erwartet und den wir Christen in niemand anderem erkennen als in Christus.

… den Allmächtigen …

Wolfgang Laib, Zwei Reishäuser, 1991/1992, Kolumba, KölnWolfgang Laib, Zwei Reishäuser, 1991/1992, Kolumba, Köln Gott ist Ursprung und Ziel alles Existierenden: Seine Macht ist unbegrenzt, so dass er über alles und alle herrscht. Hüten muss man sich freilich vor allzu menschlichen Vorstellungen von der Allmacht, die unfreiwillig zur Parodie gerieten: Der allmächtige Gott ist kein Willkürherrscher! Was er vollbringt, das deckt sich mit seinem Wesen und seinem Wollen, ist also sinnvoll. Auch hält sich Gott an seinen Schöpfungsplan und greift nur da ein, wo es nicht anders möglich ist oder wo er ein Zeichen setzen will – das wir dann für gewöhnlich „Wunder“ nennen.

… der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt …
Schöpferisch tätig werden, kreativ sein: Das können die meisten Menschen. Wenn wir aber Gott den Vater als „Schöpfer“ bezeichnen, dann denken wir an eine unvergleichliche Wirksamkeit, die keinem anderen Wesen offensteht: das Hervorbringen von Sein aus dem Nichts, also ohne jegliche Vorgegebenheit, ohne jeden „Werkstoff“.

Erschaffen ist außer Gott ausnahmslos jeder und alles, so mächtig, schön und edel er, sie oder es auch sein mag. „Himmel und Erde“ bedeuten im Glaubensbekenntnis nicht astronomische Größen, sondern „die sichtbare und die unsichtbare Welt“, also sowohl das Materielle als auch das Geistige: eben wirklich alles.

Als Menschen vereinen wir beide Elemente in uns: Wir sind Wesen aus Leib und Seele und somit ein „Mikrokosmos“ aus Materie und Geist, Sichtbarem und Unsichtbarem. Deshalb können wir sozusagen stellvertretend für die gesamte Welt bewusst und zielgerichtet auf Gottes Liebe antworten. Damit sind auch schon die Weichen gestellt für die Art und Weise, wie Gott sich uns zuwendet: Zum einen knüpft er – unserem Wesen entsprechend – für gewöhnlich seine unsichtbare Gnade an sichtbare Zeichen. Zum anderen schafft diese Gnade – der göttlichen wie der menschlichen Liebe entsprechend – in der Regel Gemeinschaft. Beides wird im Folgenden deutlicher werden, wo Jesus Christus, die Kirche und die Sakramente zur Sprache kommen.

… Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist
alles geschaffen ...


Wer das Glaubensbekenntnis aufmerksam liest, stellt fest, dass der Artikel über Jesus Christus ungleich länger ist als die über den Vater und über den Heiligen Geist. Das hat historische Gründe: Als der Text verfasst wurde, tobte ein geistiger Kampf um das wahre Wesen Christi. Aber auch inhaltlich sind wir hier an einem Dreh- und Angelpunkt angekommen: „Gottes eingeborener (= einziger) Sohn“ ist zwar eine eigenständige innergöttliche Person, seinem Wesen nach jedoch dem Vater gleich, „wahrer Gott vom wahren Gott“. Wie sehr wir Menschen hier ins Stammeln geraten, sieht man daran, dass wir Christus als „aus dem Vater (!) geboren (!)“ bekennen. Das soll bedeuten, dass Christus nicht nur ein besonders edler Mensch ist, seinem himmlischen Vater im Wesen nicht nur ähnlich, sondern völlig gleich. Wie den Vater bekennen wir Christus als ewig, „vor aller Zeit“, und als Teilhaber an Gottes Schöpfungstat. Die vielen Wiederholungen, die hier geradezu um das Mysterium Christi kreisen, dienen einer möglichst weitreichenden Annäherung an die Wirklichkeit – wenn diese auch nie ganz gelingen kann.

… Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden …

Georg Baumgarten, Erdwölbung, 1924, Kolumba, KölnGeorg Baumgarten, Erdwölbung, 1924, Kolumba, Köln In mythischen Erzählungen ist hier und da die Rede davon, dass sich Götter gewissermaßen als Menschen verkleiden und sich auf der Erde vergnügen. Nur scheinbar und vordergründig verhält es sich mit Jesus Christus ebenso. „Für uns Menschen und zu unserem Heil“: Jesus versteht die Erde gerade nicht als „Spielwiese“, sondern als Ort der Entscheidung zwischen dem guten Gott und den Mächten des Bösen. Er verkleidet oder tarnt sich auch nicht als Mensch, sondern wird es durch seine Mutter Maria wirklich und wahrhaftig. Das war der jungen Kirche besonders wichtig: dass wahre Erlösung nur dann möglich ist, wenn der wahre Gott wahrhaftig die wahre menschliche Natur annimmt. Nur so ist auch Maria als Muttergottes zu bezeichnen.

Hier geschieht das, was sich oben schon andeutete: Da wir Menschen aus sichtbarem Leib und unsichtbarer Seele bestehen, kann letztendlich unser Heil nur dadurch kommen, dass der unsichtbare Gott ein sichtbarer Mensch wird, ohne dabei seine Gottheit zu verlieren. Dieses Mysterium feiern wir an Weihnachten, das zwar nicht das höchste kirchliche Fest darstellt (das ist Ostern, das Fest der Auferstehung), wohl aber das für unsere Erlösung fundamentale.

… Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein …

Gottes liebevoller Heilswille stößt am ehesten dort auf Zustimmung, wo sich der Mensch nicht in sich selbst verkrümmt hat. „Dein Wille geschehe!“ beten wir im Vaterunser; „des Menschen Wille ist sein Himmelreich“ weiß der Volksmund. Gottes Sohn hat hier bei uns keineswegs nur Freude und Jubel oder wenigstens den Willen zur Abkehr vom Bösen ausgelöst. Angefangen mit dem König Herodes, der seine eigene Herrschaft fälschlicherweise durch das Königtum Gottes bedroht wähnte, haben viele Menschen sich der Frohen Botschaft verweigert und mit Ablehnung, ja mit Hass reagiert.

So wurde Christus gekreuzigt: nicht als ein gescheiterter Idealist, sondern als jemand, der so sehr liebt, dass er sein Leben als Lösegeld für die Menschen dahingibt. Er nahm – wiederum wahrhaft – den Tod auf sich, aber der Vater hat ihn nicht darin belassen. Das ist in der Tat die größte nur denkbare Botschaft der Welt: dass in und durch Christus die Macht des Todes prinzipiell gebrochen wurde. Gewiss, auch weiterhin leiden und sterben Menschen, aber das bedeutet für sie nicht das Ende: Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.

… Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten …

Gottes mächtige Wirkkraft in unserer Welt wird im Alten Testament häufig als „Geist“ bezeichnet, wobei das in den biblischen Sprachen verwendete Wort durchweg auch „Sturm“, „Wind“ oder „Atem“ bedeutet. Wie ein Sturm gewaltig stark sein kann, wie man seine Spuren bemerkt, ohne ihn selbst zu sehen, so verhält es sich auch mit Gottes Wirken. Hervorragende Botschafter dieser Gottesmacht sind schon die alttestamentlichen Propheten, die der Geist förmlich dazu hinreißt, im Namen Gottes zu sprechen.

Im Neuen Testament, letztendlich und unumstößlich aber erst in der jungen Kirche wird den Gläubigen deutlich, dass diese Wirkmacht Gottes keine blinde, unbewusste Urkraft ist, sondern selbst eine göttliche Person, „Herr und Lebensspender“: der Heilige Geist. In Gott ist er diejenige Person, die Vater und Sohn miteinander verbindet: Insofern geht er nicht nur aus dem Vater hervor, dem eigentlichen Ursprung, sondern auch aus dem Sohn, der dessen Liebe erwidert. In der Welt und in uns Menschen ist er derjenige, der uns mit Gott verbindet, in unseren Herzen wohnt und uns mit Gottes Leben und Gnade erfüllt.

Weil Gottes Liebe ganz grundsätzlich dazu neigt überzufließen, wird der Heilige Geist in die ganze Welt gesandt, um die Erlösung, die Christus uns erwirkt hat, überallhin zu tragen. Was Christus für uns getan hat, genügt zwar voll und ganz, ist aber zunächst auf ihn begrenzt. Mit dem Kommen des Heiligen Geistes fallen alle Grenzen: Die Frohbotschaft verbreitet sich in der Welt.

… und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche …

August Macke, Hl. Georg, 1912, Kolumba, KölnAugust Macke, Hl. Georg, 1912, Kolumba, Köln Die Gemeinschaft der Kirche könnte als etwas sehr Banales erscheinen, etwa als eine Art „Interessengemeinschaft der katholischen Gläubigen e.V.“. Natürlich ist sie auch eine organisatorische Größe mit vielen logistischen Herausforderungen. Aber das Zweite Vatikanische Konzil hat energisch darauf hingewiesen, dass dies nur eine Seite der Kirche – quasi die äußere – darstellt. In ihrem Inneren ist die Kirche eine lebendige geistliche Gemeinschaft, Leib Christi und Tempel des Heiligen Geistes. Die äußeren Strukturen dienen – mehr oder weniger direkt – dem Ziel, Gottes unsichtbares Heil für uns sichtbar und greifbar zu machen. Darin ist die Kirche ihrem menschgewordenen Herrn Jesus Christus vergleichbar, in dem Gottes Sohn buchstäblich Gestalt – menschliche Natur – angenommen hat. Wir Menschen brauchen diese Art der Heilsvermittlung, denn wir sind ja selbst ebenfalls nicht nur Geistseele, sondern zugleich auch Leib. Weil die gesamte Kirche als sichtbares Werkzeug der unsichtbaren Gnade Gottes dient, nennt man sie auch das „Ganzsakrament“ oder „Wurzelsakrament“.

Einheit und Einigkeit ist der Kirche ebenfalls von Gott geschenkt. Wenn einzelne Menschen oder gar ganze Gruppen sich von der Kirche abwenden, wird deren Einheit zwar grundsätzlich nicht zerstört, aber doch verdunkelt und so in ihrer Wirkung beeinträchtigt. Darum stellt das Bemühen um die innerkatholische Gemeinschaft, aber auch um die mit den anderen Konfessionen, ein wichtiges Ziel der Kirche dar.

Heilig ist die Kirche nicht etwa in dem Sinne, dass ihr nur perfekte Menschen ohne Fehler angehörten. Diese hochmütige Auffassung hat sie selbst schon früh als Irrlehre abgetan. Im Laufe der Kirchengeschichte ist es ja leider auch nur allzu offensichtlich geworden, dass zu den Reihen der Kirche Sünder gehören. Vielmehr ist auch die Heiligkeit der Kirche ein unzerstörbares Gottesgeschenk. Weil die Kirche in ihrem Wesenskern göttlich ist – eben Leib Christi und Tempel des Heiligen Geistes –, bekennen wir sie trotz unserer menschlichen Schwächen, Unzulänglichkeiten und Sünden als
heilig.

Wenn das Glaubensbekenntnis die Kirche katholisch nennt, dann geht es ihm nicht um eine Konfessionsbezeichnung; das Konzil von Konstantinopel hat den Text ja schon im Jahre 381 n. Chr. feierlich verabschiedet, als sich die bekannten großen Kirchenspaltungen noch gar nicht vollzogen hatten. Das griechische Urwort katholikós bedeutet vielmehr „dem Ganzen gemäß, umfassend, allgemein“. Das heißt: Bei der Erfüllung ihres Auftrags, „zu allen Völkern zu gehen und alle Menschen zu Christi Jüngern zu machen“ (vgl. Matthäusevangelium 28,19), stößt die Kirche weder an räumliche noch an inhaltliche Grenzen.

… Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden …

Die Taufe ist das einzige Sakrament*, das im Glaubensbekenntnis Erwähnung findet. Hier wird deutlich, wie unsichtbares Heil durch sichtbare Zeichen augenfällig vermittelt wird: Wasser reinigt; darüber hinaus ist es das Element des Lebens (gerade für eine Religion wie das Christentum, die aus der Wüste kommt), zugleich aber auch des Todes, wie uns Überschwemmungen und Sturmfluten immer wieder grausam lehren. Darum bietet sich Wasser als äußeres Zeichen geradezu an, wenn es um jene Form der Gnade geht, mit der Gott uns Christen von unseren Sünden reinigt und zugleich hineinnimmt in den Tod Christi, nur um uns – ebenfalls gemeinsam mit diesem – daraus auferstehen zu lassen: in ein neues, der Sünde abgewandtes Leben und schlussendlich einmal in das Ewige Leben mit Gott.

… Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt …

Zum Ende hin wird es unanschaulich: Wie unser Leben nach dem Tod einmal aussehen wird, können wir mit den Kategorien unserer diesseitigen Welt nicht angemessen aussagen oder auch nur erfassen. Immerhin dürfen wir zum einen – anders als die Materialisten, aber auch als der Großteil des Alten Testamentes – bekennen, dass es weitergeht. Zum anderen glauben wir Christen – gestützt auf das biblische Menschenbild –, dass diese unsere Existenz nach dem Jüngsten Tage keine rein geistige, sondern wiederum eine leibseelische sein wird, wenn auch in einer „verklärten“, unserem jetzigen Dasein nur bedingt vergleichbaren Weise.

Wir Menschen bestehen nun einmal aus Leib und Seele, und eben so sollen wir auch für immer mit Gott leben, wenn die Welt an ihr Ziel gelangt und er alles in allem (1. Brief an die Korinther 15,28 in wörtlicher Übersetzung) ist. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen. So drückt es der Apostel Paulus gegenüber der Gemeinde von Korinth aus (1. Brief an die Korinther 15,42-44).

… Amen.“

Das Glaubensbekenntnis hat seine Dreierstruktur („Ich glaube an Gott den Vater … und an Jesus Christus … und an den Heiligen Geist“) von der Taufformel, mit der es von Anfang an verbunden ist. Während der Taufe folgt allerdings auf das Wort „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ gerade nicht das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Dieses Amen solle vielmehr unser ganzes christliches Leben sein, lautet die traditionelle Begründung.

Zum Ende des Glaubensbekenntnisses dagegen dürfen und sollen wir dieses Amen sprechen. Amen ist ein hebräisches Wort (verwandt mit dem Wort emuna für Glauben und emet für Wahrheit), mit dem wir den Inhalt des Bekenntnisses bekräftigen und uns ihm anschließen. Durch dieses unscheinbare Wort machen wir uns die Glaubensartikel zu Eigen, welche die Kirche seit 2000 Jahren bekennt. Geborgen in einer großen Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen, die niemand … zählen kann (Offenbarung 7,9), und doch dazu aufgerufen, selbst und eigenständig seinen Glauben zu bekennen und zu vertreten: Das macht die fruchtbare Spannung christlichen Lebens aus.
Dr. habil. Raimund Lülsdorff;

Stabsstelle für Glaubensfragen und Ökumene im Erzbistum Köln

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