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Fronleichnam - das Fest, das auf den Geschmack von Freiheit bringt
Wenn das Wetter schön ist, kommt dieser freie Tag meist gerade recht. Zusammen mit dem Freitag lässt sich auch leicht ein Mini-Urlaub daraus machen. Was es mit dem Donnerstag zehn Tage nach Pfingsten eigentlich auf sich hat, gerät dabei in den Hintergrund: Fronleichnam - das ist schon ein so merkwürdiger Name, der Unverständnis geradezu provoziert. Denn der Klang erinnert an „froh“ und „Leiche“ - und das passt beim besten Willen nicht zusammen. Der erklärungsbedürftige Name leitet sich her von den mittelalterlichen Begriffen „lichnam“ und „frôn“, zu übersetzen mit „lebendiger Leib des Herrn“.
Fronleichnam ist ein österliches Fest; es erinnert an den Gründonnerstag, das Letzte Abendmahl und die Einsetzung der Eucharistie. Sie ist das großes Geschenk, an das sich alle Christen dankbar erinnern - aber am Gründonnerstag selbst, der unter dem Vorzeichen des Leidens steht, will Freude nicht so recht passen. Deshalb steht Fronleichnam ganz im Zeichen der Freude und des Dankes für das Altarssakrament. Die Kirche erfüllt damit den Auftrag Jesu: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Im gemeinsamen Mahl des Herrn findet die geschwisterliche Gemeinschaft der Glaubenden ihren Grund und ihren Maßstab. Das Evangelium zum Fronleichnamsfest (Markus 14, 12-16.22-26) berichtet:
"Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten? Da schickte er zwei seiner Jünger voraus (...) Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. (...) Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes. (...)"
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"Tut dies zu meinem Gedächtnis"
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| Christus, in der Gestalt des Brotes, auf den Wegen der Menschen - und mitten unter ihnen |
Wer der Einladung zur Eucharistie folgt, nimmt teil an einer weltumspannenden Tischgemeinschaft: Wann und wo auch immer in der Welt, an jedem christlichen Altar wird diese eine, gleiche Handlung vollzogen.
Diese „universale Tischgemeinschaft“ ist ein starkes Zeichen der einen Weltkirche; die Einladung Christi gilt allen, und mein "Tischnachbar" ist amerikanischer Bürger, Slumbewohner aus Asien oder ein Aids-Kranker aus Afrika.
Dann aber kann das Abendmahl nicht folgenlos bleiben. In seinem Mittelpunkt steht die Aufforderung: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, und das meint mehr als die bloße Erinnerung. Es ist die Einladung zur Nachfolge: „Setzt auch ihr euer Leben in vergleichbarer Weise ein“ - wie Christus. Die Mitfeier der Eucharistie erweist sich darin als Zuspruch und Anspruch zugleich. |
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„Inmitten einer Menschheit, die gespalten und zerrissen ist, erfahren wir, dass du Bereitschaft zur Versöhnung schenkst“, heißt es in einem der eucharistischen Hochgebete. Die Eucharistie wird Ausgangspunkt eines freien und solidarischen Lebens, um den Herausforderungen von Armut, Unfrieden und Ausgrenzung in der Welt begegnen zu können. „Wir gehen nicht zur Messe, weil wir Christen sind, sondern damit wir Christen werden“, hat folgerichtig der französische Kardinal Jean Marie Lustiger einmal in einer Fronleichnamspredigt festgestellt.
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Mit Christus unterwegs
Auch die Fronleichnamsprozession, manchmal als überholtes Brauchtum oder unverstandene Demonstration angesehen, erschließt von daher eine zeichenhafte Dynamik. Die Gemeinde, das Gottesvolk schafft seine Gemeinschaft ja nicht selbst, sondern verdankt sich dem entgegenkommenden und mitgehenden Gott. Deshalb lässt es sich aus einer selbstgenügsamen Inner(kirch)lichkeit buchstäblich hinausführen „in die Welt“ und unter die Menschen.
Wenn „Nachfolge“ dann nicht nur auf diesen Tag, auf die Prozession und die Monstranz bezogen wird, bestärkt dieser Gang das Bewusstsein von der weltumspannenden Gemeinschaft aller Gläubigen und von der Geschwisterlichkeit aller Menschen - der griechische Fachbegriff dafür heißt „Ökumene“. So kommt es nicht von ungefähr, dass die Fronleichnamsprozession in manchen nachdenklichen Gemeinden bewusst von katholischen und evangelischen Christen gemeinsam gestaltet wird - ein deutliches Zeichen, das lange Zeit undenkbar war, galt Fronleichnam im Gefolge der Gegenreformation doch vielerorts als „Demonstration des Katholizismus“.
Fronleichnam enthält mit seinem Verweis auf das Abendmahl einen Fingerzeig auf das, was „inmitten einer Menschheit, die gespalten und zerrissen ist“, zu mehr Frieden und Gerechtigkeit führen kann. Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ - so lautet sein vollständiger Name - will unter den sichtbaren sakramentalen Zeichen die Mitfeiernden dafür buchstäblich „auf den Geschmack bringen“ – und zugleich auf den Weg.
Sequenz zu Fronleichnam*
- Deinem Heiland, deinem Lehrer, / deinem Hirten und Ernährer, / Sion, stimm ein Loblied an!
- Preis nach Kräften seine Würde,/ da kein Lobspruch, keine Zierde / seinem Ruhm genügen kann.
- Dieses Brot sollst du erheben, / welches lebt und gibt das Leben, / das man heut‘ den Christen weist.
- Dieses Brot, mit dem im Saale / Christus bei dem Abendmahle / die zwölf Jünger hat gespeist.
- Laut soll unser Lob erschallen / und das Herz in Freude wallen, / denn der Tag hat sich genaht,
- Da der Herr zum Tisch der Gnaden / uns zum ersten Mal geladen / und dies Mahl gestiftet hat.
- Neuer König, neue Zeiten, / neue Ostern, neue Freuden, / neues Opfer allzumal! (...)
* Sequenz = gottesdienstlicher Gesang - Dieser Text geht zurück auf Thomas von Aquin (ca. 1225 bis 1274), Kirchenlehrer, herausragender Theologe und Philosoph
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