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Pfingsten - "Geburtstag der Kirche"

Fünfzig Tage nach Ostern feiern die Christen das Pfingstfest (von griechisch "pentecoste", der Fünfzigste) - und sie feiern damit eigentlich so etwas wie den "Geburtstag" der Kirche, als weltumspannende Gemeinschaft aller Glaubenden.


Denn in der Apostelgeschichte (Kap. 2, 1-11) heißt es:

"Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden."

 

Und das Evangelium vom Pfingsttag lautet (Johannes 20,19-23):

"Am Abend dieses ersten Tages der Woche ... kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert."

Kloster Weingarten: Taube als Heilig-Geist-Symbol"... so sende ich euch"

Mit der Aussendung des Gottesgeistes ist also zugleich die Sendung (lateinisch: Mission) derer verbunden, die diesen Geist empfangen haben. Daraus erwächst Kirche, über alle Grenzen, Sprachen und Barrieren hinweg: Weil allen der eine Geist Gottes zugesagt ist, sind sie zu der einen Gemeinschaft Gottes vereint.

 

Der Geist Gottes - eine "Person"

"Geist Gottes" - das wäre, menschlich gesprochen, so etwas wie eine "Eigenschaft" Gottes, die sein Handeln prägt. Etwa so, wie wir von Menschen sagen: Da herrscht ein guter Geist, dort ist man gut aufgehoben. Der Gottesgeist ist aber noch mehr: Er ist diese gute Eigenschaft selbst, ganz und gar, in Person. Der eine Gott zeigt sich "unterscheidbar" in den drei Personen Vater, Sohn und Geist. "An den Heiligen Geist glauben heißt bekennen, dass er die dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit ist, die vom Vater und vom Sohn ausgeht  (...) Der Heilige Geist wurde 'in unser Herz' gesandt (Galater 4,6), damit wir das neue Leben als Kinder Gottes empfangen." (Kompendium - Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 136) Menschlicher Verstand kann eigentlich nur erahnen, was das bedeutet. Und doch macht sich der Gottesgeist ganz konkret "bemerkbar".

Das Gebet von Sant’ Egidio

Vater, schick in deinem Namen den Heiligen Geist,
der uns alle Dinge lehre,
der uns an alle Worte Jesu erinnere,
und der immer bei uns bleibe.
Dein Geist tröste uns,
er helfe uns auf dem rauen Weg der Welt,
er führe uns zur Wahrheit,
damit wir selbst
wirkliche Liebe werden.
Der Geist öffne uns für die Zukunft,
der Geist gebe uns, was des Vaters und des Sohnes ist.
Mögen Propheten geboren werden
und die Träume sich vermehren.
Möge sich der Geist der Barmherzigkeit ausbreiten,
damit er die ganze Welt erfülle,
damit er wehe, wo er will,
aber vor allem dort, wo der Schmerz herrscht,
die Einsamkeit, die Kälte.
Möge er das Gesicht der Erde erneuern
und allen Völkern
ein neues Herz schenken.
Amen.

 

Die internationale Laien-Vereinigung Sant' Egidio wurde nach dem II. Vatikanischen Konzil gegründet und hat weltweit etwa 40.000 Mitglieder in 60 Ländern. Ihre Hauptziele sind die Evangelisierung vor allem jener Menschen, die der Kirche fernstehen oder am Rand der Gesellschaft leben, der soziale Dienst an den Armen sowie die ökumenische und interreligiöse Verständigung.

 

Die Gaben des Geistes

Der gute Geist Gottes lässt den Menschen nicht unverändert. Traditionell zählt die Kirche sieben Gaben des Heiligen Geistes (man könnte auch von "Begabungen" sprechen): Einsicht und Verstand, Wissenschaft und Weisheit, guter Rat, Frömmigkeit und Gottesfurcht (vgl. Jesaia 11,1f); als "Früchte des Heiligen Geistes" zählt zum Beispiel der Galaterbrief "Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung" auf (Gal. 5,19-22). Auffällig ist, dass keine dieser Geistbegabungen "Privatbesitz" ist: Sie alle zielen auf  Gemeinschaft; sie alle dienen dazu, dass Gemeinschaft gelingt. Und auch die Sündenvergebung, die im Johannesevangelium (vgl. Text oben) mit der Geistsendung verbunden wird, zielt in diese Richtung: "Sünde" hat sprachlich mit "sondern, absondern" zu tun. Der Sünder hat sich also von der Gemeinschaft abgesondert. Die im Gottesgeist geschenkte und angenommene Vergebung stellt die Gemeinschaft wieder her.

 

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Pfingstsequenz*

Komm herab, o Heil‘ger Geist, / der die finstre Nacht zerreißt, / strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt, / komm, der gute Gaben gibt, / komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit, / Gast, der Herz und Sinn erfreut, / köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu, / spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht, / fülle Herz und Angesicht, / dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn / kann im Menschen nichts bestehn, / kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein, / Dürrem gieße Leben ein, / heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart, / löse, was in sich erstarrt, / lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut, / das auf deine Hilfe baut, / deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn, / deines Heils Vollendung sehn / und der Freuden Ewigkeit.

 

* Sequenz = gottesdienstlicher Gesang

wjt_vigil

Pfingstliches Ereignis einer begeisterten und weltumspannenden Kirche: Weltjugendtag

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