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„Mit Zorn und Zärtlichkeit. Entdecke die Liebe!“ – 50 Jahre MISEREOR
PEK (080131) - Auf 50 Jahre erfolgreiche Arbeit kann die katholische Hilfsorganisation MISEREOR in diesem Jahr zurückblicken. Mit einem finanziellen Einsatz von rund 4,9 Milliarden Euro förderte das in Aachen beheimatete katholische Hilfswerk schätzungsweise 89.000 Projekte in über 100 Ländern in Asien, Afrika, Lateinamerika und Ozeanien. Erstmalig wird die Eröffnung der diesjährigen 50. Fastenaktion in einem Partnerland gefeiert – am 10. Februar im südafrikanischen Soweto. Das Motto „Mit Zorn und Zärtlichkeit“ bezeichnet den spezifisch christlichen Ansatz und beschreibt zugleich ein Spannungsfeld: Zorn richtet sich immer auf die Verhältnisse aber niemals auf Menschen; Mitgefühl hingegen verwirklicht sich immer am Nächsten.
Zwar hat MISEREOR den Hunger der Welt nicht abschaffen können, aber viele Menschen haben durch konkrete Projekte neue Lebensperspektiven bekommen. Damit bewahrheitet sich das Motto des ersten Fastenopfers aus dem Jahre 1959 „Tausende hungern, Du aber hilf einem!“
Vor 50 Jahren legte der damalige Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings den Grundstein für dieses erfolgreiche und beständige Hilfswerk MISEREOR und beschrieb das Vorhaben treffend als ein „Abenteuer im heiligen Geiste“. In der Tat leistete MISEREOR auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe Pionierarbeit, denn Erfahrungen gab es kaum. Dafür war aber von Beginn an klar, unter welches Motto die deutschen Katholiken ihre Hilfe für die Armen der Welt stellen wollten: „Misereor super turbam - Ich erbarme mich des Volkes“, ein Wort Jesu. In den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren hatten viele Deutsche die solidarische Unterstützung durch andere Länder am eigenen Leib erfahren können. Danach folgten die Jahre des Wirtschaftswunders, in denen immer mehr Menschen der existenziellen Sorge um das tägliche Brot enthoben waren. Ein guter Zeitpunkt, sich derer zu besinnen, für die die Not unabsehbarer Alltag blieb. Kardinal Frings erinnerte sich in seinen Memoiren, dass das Hilfswerk der vorösterlichen Fastenzeit einen zusätzlichen Akzent verleihen sollte: In der materiellen Entbehrung sollten sich die Gläubigen auf das Osterfest vorbereiten. Die erste Fastenaktion erbrachte einen Betrag von über 32 Millionen Mark und übertraf die in der Rückschau bescheiden angesetzten Erwartungen des Kölner Erzbischofs bei weitem. Die Spendenwilligkeit der deutschen Katholiken hat sich bisher erhalten. An jedem ersten Fastensonntag wird deutschlandweit für das Hilfswerk gesammelt; an der jährlichen Fastenaktion für Kinder beteiligen sich zudem etwa 1,9 Millionen Kinder. Die deutschlandweite Kampagne unter dem Motto „Mit Zorn und Zärtlichkeit“ soll im Jubiläumsjahr für Aufmerksamkeit sorgen und neue Zielgruppen für die Arbeit sensibilisieren: Mit einer persönlichen Botschaft werben Prominente für MISEREOR und um Unterstützung bei der Bevölkerung.
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| © MISEREOR |
„Uns interessiert der arme Mensch in seiner verletzten Würde“ erklärt MISEREOR - Geschäftsführer Martin Bröckelmann- Simon in einem Interview und bringt damit den Ansatz der Hilfestellung auf den Punkt. MISEREOR will bei allen Initiativen aktivierend wirken. „Wir glauben an die Kraft der Armen, und der begegnen wir eigentlich immer in all unseren Projekten“, so Bröckelmann-Simon. So bleibt es nicht nur bei einer gut gemeinten Soforthilfe. Die Aktion leistet Hilfe zur Selbsthilfe, deren Prinzip ein Sprichwort aus China anschaulich beschreibt: „Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einen Tag lang satt sein; zeige ihm, wie man Fische fängt, und er wird keinen Hunger mehr haben.“ Lokale Strukturen sollen ausgebaut und genutzt werden; dabei kommt es darauf an, sowohl materielle Ressourcen vor Ort zu erschließen als auch die Menschen in den Stand zu versetzen, ihre Not zu bekämpfen - und zwar aus eigenen Mitteln. Besonders in der Landwirtschaft, im Handwerk und im Gesundheitswesen kann die aktivierende Entwicklungsarbeit Erfolge aufweisen. Dieser strukturelle Ansatz setzt auf die Bildung von Menschen, auf ihre rechtliche Emanzipation, auf die Kooperation mit lokalen Partnern und auf das selbstbewusste Einklagen politischer Rechte. So ist Bröckelmann-Simons programmatische Aussage zu verstehen: „Alles ist politisch, was wir tun“. Dieser hellsichtige und moderne Ansatz der Entwicklungsarbeit wurde bereits von Kardinal Frings forciert, der die Arbeit von MISEREOR auf zwei Grundpfeiler stützen wollte: Zum einen sollten „Werke der Barmherzigkeit“, wie Krankenhäuser, Armenapotheken, Volksküchen und Leprastationen eingerichtet werden. Zum anderen sollte den Mächtigen ins Gewissen geredet werden, damit sie die strukturellen Veränderungen bewerkstelligen, die den Menschen ein humanes Leben ermöglichten.
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| © MISEREOR |
Verschiedene Aktionen begleiten das Jubiläumsjahr: So fand am 25. Januar im Bonner „Haus der Geschichte“ ein Fachkongress statt, der nach den „wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen in Süd und Nord“ fragte und sich als Standortbestimmung verstand. Vom 10. Februar bis zum 9. März informieren die Mitarbeitenden im Rahmen der Aktion „MISEREOR vor Ort“ über ihre Arbeit. Den „geschenkten“ Tag am 29. Februar nutzt MISEREOR für eine besondere Einladung zum „Coffee-Stop“. MISEREOR schenkt gegen eine freiwillige Spende Kaffee aus. Eine Einladung kann so doppelt Gutes tun. Sie bringt ins Gespräch und unterstützt damit andere. Auf dem diesjährigen Katholikentag in Osnabrück gibt es Möglichkeit zur Information über das Hilfswerk und eine Einladung zum Konzert der „Wise Guys“. In Aachen schließlich treffen sich Spender und Stifter der Helder-Camara-Stiftung am 16./17. August, dem Jahrestag der MISEREOR-Gründungsrede von Kardinal Frings. (PEK/Ju)
Bildungsveranstaltungen anlässlich "50 Jahre Misereor"
Die Einrichtungen der katholischen Erwachsenen- und Familienbildung im Erzbistum Köln haben das 50-jährige Bestehen von Misereor zum Anlass genommen, die Arbeit von Misereor in zahlreichen Bildungsveranstaltungen in den Blick zu nehmen.
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Misereor - Wie alles begann

1998, als Misereor 40 Jahre alt wurde, berichtete der Kölner Domkapitular Prälat Herbert Michel in einem "Geistlichen Wort" im WDR von den Anfängen des Hilfswerks. Herbert Michel (+ 2002) war langjähriger Direktor der Hauptabteilung Weltkirche-Weltmission im Kölner Generalvikariat und hat in dieser Eigenschaft auch zahlreiche Hilfsprojekte in aller Welt besucht. Der Text seines Rundfunkbeitrags ist auch heute noch lesenswert.
"Abenteuer im Heiligen Geist" - Aus der Gründungsrede von Josef Kardinal Frings (1958)
«Den Hunger als Massenerscheinung zu beseitigen, ist durchaus möglich (...). Das hochgesteckte Ziel lässt nie die Hände in den Schoß legen und ist eine stete Kritik an dem jeweils Erreichten.»
«Den Mächtigen der Erde aber - und dazu gehört in der Demokratie auch die öffentliche Meinung -, den Reichen und Regierenden wird es vom Evangelium her ins Gewissen reden.»
«In der Tat gibt es Abenteuer im Heiligen Geiste, und am Anfang aller großen Dinge in der Kirche haben solche gestanden. Das hier gesteckte Ziel ist ein so gewaltiges, dass man meines Erachtens auch die Gefahr auf sich nehmen dürfte, dass man nachher wegen des Misserfolges zum Gespött wird.»
«Für den Augenblick bleibt jede Hilfe Tropfen auf den heißen Stein. Aber soll man dem einen nicht helfen, weil man 999 doch nicht helfen kann?»
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