ERZBISTUM KÖLN               

Erinnerung und Vergegenwärtigung: Der Papsthügel als Pilgerziel

Bei der Jahrfeier 2006 auf dem Marienfeld, auf dem der Papsthügel steht, versprach Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, diesem Ort „ein Gesicht“ zu geben - ein Jahr später war es soweit: der Papsthügel ist als bleibende Erinnerung an den Weltjugendtag neu gestaltet und als Pilgerziel eingeweiht.

 
Der Weltjugendtag ermutigte besonders die Jugendlichen, den Glauben in die Welt zu tragen. Diese Sendung versinnbildlicht sich in einem Pilgerweg, der sich über vier Etappen erstreckt. Am Fuß des Hügels informiert eine besonders gestaltete Tafel den Pilger, dessen Weg zunächst im Zeichen des „Suchens“ steht. Entsprechend verschlungen gestaltet sich der Aufstieg zum Hügel. Seine Suche führt ihn in die Marienkapelle, wo er „findet“. Vorerst muss sich der Besucher mit einem baulichen Provisorium begnügen, der Bau ist noch nicht in endgültiger Form errichtet.

 

Von der Marienkapelle führt der Pilgerweg weiter: vom Finden zur Anbetung. Der Pilger des Papsthügels sieht sich nun an der dritten Etappe seines Weges angelangt, auf der 40 mal 70 Meter messenden Ellipse des Plateaus. In der Anbetung öffnet sich der Mensch Gott „unter freiem Himmel“, wie das Motto der Einweihung heißt.  Umrundet von zwölf hochkronigen Kirschbäumen, die untereinander durch eine dicht wachsende Hecke verbunden sind, kann der Besucher sich den Geheimnissen des Altares und des Kreuzes zuwenden. Die Basis der heiligen Vollzüge bildet ein beschweifter, achtzackiger Stern, der aus Basaltlava-Steinen gepflastert ist. Dabei steht der Stern für das Gestirn, das vor 2.000 Jahren auch den Heiligen Drei Königen den Weg zu Christus gewiesen hat.

 

papsthuegel-3

Auch bei der Wahl des Materials folgt der Papsthügel einem stimmigen Konzept: so besteht auch der Altar aus Basaltlava, einer schwarz-grauen Steinart, die traditionell in rheinischen Bauten und Kirchen Verwendung findet. Ein Stahlband aus so genanntem Corten-Stahl umfasst den Stern samt Schweif, der zugleich die Altarinsel bildet. Dieser besondere Stahl lässt einen bestimmten Grad an Korrosion zu, so dass die gewünschte Patina entsteht, die eingravierte Schrift aber dauerhaft bestehen kann. Und das ist notwendig: Alle Länder, die am Weltjugendtag teilnahmen, finden ihren Namen in ihrer jeweiligen Landessprache, ob kyrillisch oder chinesisch, eingraviert in diesem Stahlband.

 

So wird jeder Pilger, wo immer er herkommt, persönlich angesprochen und vertreten auf dem Stern. Inmitten des Sterns steht das Kreuz; zu seinem Fuße das Wappen des Weltjugendtages. Der farblich etwas heller gehaltene Sternenschweif führt zum Altar. Dessen Abmessungen offenbaren die weltumspannende Bedeutung des Ereignisses: Als Kubus konzipiert, messen seine Kanten jeweils 153 Zentimeter. Die kubische Form setzt sich in seinen Einzelelementen fort: 27 Kuben mit einer Kantenlänge von je 51 Zentimetern. Die „153“ verdanken sich keinem Zufall: Nach dem Johannesevangelium gingen den Fischern 153 Fische ins Netz (Joh 21,11) und bezeichnen symbolisch „die ganze Welt“. In dieser Zahl spiegeln sich auch weitere biblische Zahlenkorrelationen.

 
Dem Konzept des Papsthügels zufolge sammelt sich der Mensch in der Anbetung, aber nicht um in ihr zu verharren, sondern um das Empfangene in die Welt hinauszutragen. Diesem Gedanken folgend beschreibt das Plateau auf dem Papsthügel auch nicht die letzte Etappe des Weges. Der Anbetung schließt sich die Aufforderung an, sich senden zu lassen, vom Berg der Anbetung in die Ebene aufzubrechen. So führt die letzte Etappe des Pilgerwegs denn auch wieder vom Papsthügel hinunter. Auf dem gesamten Weg passiert der Pilger Stelen. Diese figürlichen Darstellungen von Gold, Myrrhe und Weihrauch als königliche Gaben stehen vor einer Wand aus Basaltlava, dem Material von Sternenhaupt und Altar. Sie schaffen einen anschaulichen Zugang zur Theologie der Heiligen drei Könige. Das gestalterische Konzept stammt von dem langjährigen Erzdiözesanbaumeister Josef Rüenauver, die Umsetzung von der Firma Sieg und Partner unter Beteiligung des Landschaftsarchitekten Smeets.

 

Geweihter Ort ist das Marienfeld bereits, denn vom 12. bis 15. Jahrhundert führten Zisterzienser und Zisterzienserinnen hier ihr klösterliches Leben. Sie widmeten den Ort der Wallfahrt zur Pieta, zur Schmerzhaften Mutter. An diese bestehende spirituelle Tradition knüpft auch die neue Gestaltung an. Für den Weltjugendtag war auf dem Marienfeld ein zehn Meter hoher Hügel aufgeschüttet worden: damit folgt er dem biblischen Vorbild des Berges der Anbetung, an dem Mensch und Gott einander besonders nahe kommen können. Am 20. August 2005 trafen sich hier über 800 000 Jugendliche aus 180 Nationen, um mit Papst Benedikt XVI. und über 800 Kardinälen und Bischöfen aus aller Welt die Vigil zu feiern; am 21. August fand hier der Abschlussgottesdienst mit einer Million Teilnehmern statt. Diesen Ort gilt es, lebendig zu halten: Erinnerung und Vergegenwärtigung sollen sich baulich in der Gestaltung des Papsthügels verwirklichen. (PEK/P.J.)

 

Zum Seitenanfang Seite weiterempfehlen Druckversion Kontakt  Barrierefrei Datenschutz  Impressum