7. Mai 2016 Alfred Lohmann, Sekretär des DPR

Protokoll der konstituierenden Sitzung des Diözesanpastoralrates in der Erzdiözese Köln vom Freitag, den 6. Mai, bis Samstag, den 7. Mai 2016, im Kardinal Schulte Haus in Bensberg

 

Begrüßung und Einführung

Kardinal Woelki eröffnet die Sitzung, begrüßt alle Anwesenden und betont die besondere Bedeutung dieses Gremiums für den pastoralen Weg im Erzbistum Köln. Er übergibt die Moderation der Tagung an Herrn Dr. Wittmann.

 

Generalvikar Dr. Meiering leitet das Bibelteilen zum Tagesevangelium an (Joh 16, 20 – 23 A), worauf die ganze Tagung immer wieder Bezug nehmen wird:


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.  So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wieder sehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

 

TOP 1: Abeitsweise des Diözesanpastoralrates (DPR)

Vertrauen und Transparenz als Maxime für die gemeinsame Arbeit

 

Anlass ist das Schreiben der Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten (GR/PR) im DPR an die Geschäftsführerin Petra Dierkes vom 31.03.2016 mit folgenden Fragen: Ist die Arbeit des DPR vertraulich oder nicht? Wie werden die Protokolle genutzt? Welchen Status haben Gäste? Wie kommt die jeweilige Tagesordnung zustande? (Wie) Können seitens der Mitglieder Themenwünsche eingebracht werden?

 

Die Fragen wurden mit folgenden Ergebnissen beraten:  

  • Die Sitzungen des DPR sind nicht öffentlich. Dennoch ist die Arbeit des Gremiums nicht geheim. Viel­mehr ist es sehr erwünscht, dass jedes Mitglied - mit einem angemessenen Maß an Vertraulichkeit - von den Sitzungen berichtet.
  • Das Protokoll wird über die Internetseite des DPR (www.erzbistum-koeln.de/dpr) öffentlich zugänglich gemacht. Auch die Protokolle des ständigen Ausschusses werden dort veröffentlicht.
  • Gäste können aus fachlichen Gründen zu den Sitzungen hinzu gebeten werden.
  • Die Mitglieder des DPR können sich nicht vertreten lassen.
  • Alle Mitglieder sind eingeladen, Vorschläge für die Tagesordnung an die Geschäftsführung zu schicken (dpr@erzbistum-koeln.de). Die Tagesordnung legt der Erzbischof fest.

Unter Bezugnahme auf die Sitzung des Diözesanrates am 23. Januar 2016 werden Frau Bunse, Herr Gampel, Frau Geibel, Herr Hüsch, Sr. Ingrid Geißler, Frau Oediger-Spinrath, Frau Schmidt, Frau Schütte, Frau Vilain und Pfr. Wirthmüller einstimmig als Mitglieder des ständigen Ausschusses bestätigt.

 

TOP 2: Beratungsbedarf: Fragen zum geistlichen Weg

TOP 2.1: Beratungsbedarf: Fragen zum geistlichen Weg

Hinsichtlich der Fragen zum geistlichen Weg aus dem Schreiben der GR und PR weist Frau Krause darauf hin, dass ihre Antworten keine Festlegung, sondern eher eine Momentaufnahme auf dem Weg sind.

  • Gibt es  einen „Weg“ im DPR, der gemeinsam beschritten wird und – wenn ja – wie sieht dann die „Prozessstruktur“ aus?
    In seinem Fastenhirtenbrief hat der Erzbischof das ganze Erzbistum zu einem pastoralen Zukunftsweg eingeladen. Die Arbeit im DPR als Teil dieses Weges mit seiner partizipativen Ausrichtung zu verstehen. Idealerweise wird die Arbeitsweise geistlich geprägt sein und sich entwickeln. Alle sind und bleiben eingeladen, konkret den Weg mit zu gestalten.
  • Wie können wir im DPR miteinander den geistlichen Prozess entwickeln?
    Auch hinsichtlich des geistlichen Weges sind alle eingeladen, - zum Beispiel - aus einer lebendigen, ausdrücklichen Christusmitte heraus zu leben und/oder besonders mit der Hl. Schrift als aktiv gestaltetem Ausgangspunkt des eigenen und des gesamten kirchlichen Lebens. Und wir können auf das sehen, was wir alle mitbringen an geistlichen Wegen und Weisen. Der DPR wird seine eigene geistliche Kultur entdecken und entwickeln, die als einzelner Stein ein Beitrag zum großen Mosaik des geistlich akzentuierten pastoralen Zukunftsweges der Kirche von Köln sein wird.
  • Gibt es bezüglich des geistlichen Prozesses bereits Überlegungen zur „Architektur“ im Vorgehen?
    Der sich durch eine ganz bestimmte Offenheit auszeichnende Zukunftsweg ist die Sinnrichtung: offen, weil wir auf die mitgehende Nähe Gottes vertrauen, mit der wir in Vielem erst noch finden müssen und wollen, was uns als Kirche von Köln wirklich zukunftsfähig macht. Es gibt keine Architektur im Sinne einer klar vorgegebenen „Baugesetzlichkeit“.
  • Sind im Anschluss an die Visionsphase weitere Phasen geplant?
    Aktuell sind keine konkreten, etwa zeitlich abgesteckten „Phasen“ geplant, auch keine „Visionsphase“. Im besten Fall üben wir im gesamten Erzbistum eine geistlich-pastorale Grundhaltung ein, die hoffentlich einen spürbaren Kulturwandel einleitet, den der Erzbischof mit Merkmalen wie Christusnähe, Christusmitte, Leben aus der Taufe, geteilte Verantwortung, immer tiefere Zusammenarbeit, Alltagsnähe, Sendungsbewusstsein beschrieben hat. Daran könnte sich zu einem späteren Zeitpunkt ein konkreter diözesaner Visionsprozess anschließen.
  • Auf welchen Ebenen findet der Prozess statt? Wo finden die Visionen der Getauften und Gefirmten (und auch die der DPR-Mitglieder) einen Ort bzw. eine Rückmeldemöglichkeit?
    Der Prozess – genauer: der pastorale Zukunftsweg - findet hoffentlich auf allen Ebenen unseres kirchlichen Lebens, an all seinen Orten und mit dem ganzen Volkes Gottes der Kirche von Köln statt. Grundsätzlich sind Orte der Rückmeldung nicht zuerst der Erzbischof, nicht ein Gremium, nicht eine Arbeitsstelle oder eine Homepage etc.; sondern die Orte und die Menschen an denen und mit denen wir Kirche sind. Überall dort sollten wir uns so viel wie möglich austauschen, herausfordern, ausprobieren – als eine Kirche im Wandel auf dem Weg in die Zukunft.
  • Sind die Kleinen Christlichen Gemeinschaften (KCG) notwendigerweise das Ziel bzw. das einzige Ziel des geistlichen Prozesses?
    Die KCGs oder die Kirchlichen Basisgemeinden sind ein Beispiel für eine lebensnahe, partizipative Kirche vor Ort und nicht die einzige Weise. Auch andere Bistümer und Ortskirchen befinden sich aktuell auf solchen Wegen. Viele Ortskirchen des Südens haben dabei Kirchliche Basisgemeinden oder Kleine Christliche Gemeinschaften als einen Weg entdeckt, wie mehr Partizipation und lebendiges Gemeindeleben gelingt. Es ist also eher ein „Wie“ des Kirche-Seins, nicht ein pastorales Ziel. Welches „Wie“, welche Gemeinde oder sozialen Vergemeinschaftungsformen wir hier in Köln für uns, für unser Kirche-Sein finden, werden wir gemeinsam entdecken und entwickeln.

TOP 2.2: Beratungsbedarf: Anliegen des Erzbischofs zur Beratung

Zu Beginn seiner Ausführungen legte Kardinal Woelki das Tagesevangelium aus (Joh 16, 20 -23A). Die Sorgen, der Kummer, die Ängste wie auch andererseits die Freude und die Erleichterung gelten dem Kind, das – in unserem Kontext - Christus ist. Er ist das Kind, für das wir Sorge tragen wollen. Er ist das Kind, das uns beschenkt.

 

Es braucht keine neue Kirche, keine andere Kirche. Die entscheidende Frage für uns: wie können wir helfen, dass Christus zur Welt kommt? Wie kommen wir in unserem Erzbistum zu einer Haltung, die zuerst diesem Ziel dient? Hierzu wünscht sich der Erzbischof die Beratung im DPR.

 

Eine recht verstandene Willkommenskultur dient dazu, die Menschen mit Christus in Berührung zu bringen. „Was willst du, dass ich dir tun soll?“  - diese Blickrichtung und Haltung ist entscheidend. Welche Inhalte, Formen, Methoden, Prozesse helfen, eine solche Kultur aufzubauen? Wie können wir die einzelnen pastoralen Bereiche stärker unter dieser Zielperspektive entwickeln? Z.B. in der Erwachsenenkatechese:  Wie gelingt es, Menschen zu Zeugen zu machen? Oder in der Ehepastoral und der Jugendpastoral.

 

TOP 2.3: Beratungsbedarf: Beratungsvorschläge der Mitglieder 

Bei einem offenen Arbeitstreffen wurden von der Geschäftsführung die Beratungsvorschläge gesammelt, die von einigen Teilnehmern benannt wurden. Folgende Themen wurden identifiziert:

  • Kinder und Jugendliche für Kirche gewinnen
  • Familienzentren als Orte kirchlichen Lebens profilieren
  • Hoffnungs- und Glaubenswege mit alten Menschen
  • Wie implementieren wir Charismenorientierung?
  • Den geistlichen Weg dort beginnen, wo Not herrscht - Kriterien
  • Was bewegt Menschen, neue Wege zu gehen?
  • Ökumenische Dimension des geistlichen Prozesses
  • Ehrenamtliche in Verantwortung – in welche?
  • Leitungsformen „unterhalb“ der Leitung durch den leitenden Pfarrer
  • Klärung der Berufsrollen                                                
  • Personalplanung: zufällig oder perspektivisch?
  • Personalbedarf für den pastoralen Wandel
  • Verhältnis von „Territorium“ und „Kategorie“
  • Größe von „Sendungsräumen“
  • Was heißt lokale Kirchenentwicklung?

TOP 3: Beratungsteil: Empfehlungen zum Aufbau einer breiten Willkommenskultur

TOP 3.1: Beratungsteil: Erzbischof bittet um Empfehlungen zum Aufbau einer breiten Willkommenskultur

Leitend ist die zentrale Anregung von Kardinal Woelki, eine Willkommenskultur – im breitesten Sinne – zu etablieren. Was brauchen die Menschen? Was können wir für sie tun? Was können sie beitragen? Zu diesen Fragen wird exemplarisch in 4 Praxisbereichen (je 2 Gruppen) gearbeitet. Die Arbeitsfragen für die Gruppenarbeit lauten:

 

Grundfrage: Wie können wir aufmerksam und zugewandt in unserer Haltung und Praxis werden? (Willkommenskultur), „Was willst Du, dass ich Dir tun soll?“,  „Was bringst Du ein?“    

1. Thema: Wie gelingt es uns, Erwachsene auf ihrem Glaubensweg so zu begleiten, dass sie zu Zeugen werden? (Erwachsenenkatechese)

2. Thema: Wie kann es durch unsere Begleitung gelingen, dass Paare das Sakrament der Ehe entdecken?

3. Thema: Wie können wir trauernden Menschen begegnen und sie begleiten, dass sie die Zuwendung und den Trost Gottes erfahren?

4. Thema: Wie können wir junge Menschen so begleiten, dass sie das Handeln Gottes in ihrem Leben entdecken?

Auftrag:  Erarbeiten Sie Handlungsempfehlungen für den Erzbischof.

 

TOP 3.2: Beratungsteil: Erste Beratungsempfehlungen für den Erzbischof

Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten:

 

Willkommenskultur und Erwachsenenkatechese:

Wie gelingt es uns, Erwachsene auf ihrem Glaubensweg  so zu begleiten, dass sie zu Zeugen werden?

  • Zunächst Menschen im Leben begleiten; lernen, sich selber als Zeuge zu erkennen zu geben
  • Erwachsene, die von Gott in ihrem Leben erzählen können, autorisieren und ermächtigen
  • Gute „Orte“ zum Glaubensaustausch schaffen, Ereignisräume innerhalb und außerhalb von Gemeinden ausgestalten
  • Investieren in Lebenswenden, wo Deutungen angefragt werden; in „Räume“, wo das Leben zur Frage wird; „Anders-Orte“ als „Deute-Orte“ entdecken
  • Alltagssprache;  es darf einfach sein;  einfache Formen der Liturgie
  • Gemeinsam persönlich beten lerne

Willkommenskultur und Ehepastoral:

Wie kann es durch unsere Begleitung gelingen, dass Paare das Sakrament der Ehe entdecken?

  • Paare im Fokus; Begleitung auch für Paare, die nicht kirchlich heiraten wollen
  • Ehe-Begleitung, die Gott entdecken hilft, ist wichtig; Sakrament soll in den Blick kommen
  • „Segnung“  ≠   „Sakrament“; die liturgischen Alternativen etablieren
  • Ehevorbereitung   ≠   Hochzeitsvorbereitung
  • „Verbindlichkeit“ in der Ehevorbereitung soll wachsen; verpflichtender Ehekatechumenat (wie  Frankreich)?
  • Ehevorbereitung und Ehepastoral hat sich von den Gemeindevollzügen getrennt; geeignete Praxis auf anderen kirchlichen Ebenen entwickeln; wer soll begleiten?
  • Die Willkommenskultur kann mit dem Sakramentenverständnis kollidieren
  • EFL-Stellen gut ausgebaut: Qualität erhalten; als kirchliche Orte der Zuwendung und Begleitung festigen

Willkommenskultur und Trauerpastoral:

Wie können wir trauernden Menschen begegnen und sie begleiten, dass sie die Zuwendung und den Trost Gottes erfahren?

  • Orte der Begegnung: Notfallseelsorge, Krankenhaus, Hospiz, Ehe-, Familien-, Lebensberatung, Pastoralbüro, Beerdigungs-Hotline, etc.
  • Trauer-Orte: offene Kirche als einen Ort der Willkommenskultur, Erinnerungsgottesdienste (Anregung Würzburg: „Zwischen Raum“), Erinnerungskultur stärken
  • Trauernde trösten (Werk der Barmherzigkeit): ein Dienst für Getaufte/Gefirmte (Charismen entdecken), Dienste im Kontext von Tod und Trauer nicht automatisch an Weiheämter koppeln
  • Empfehlung: Einladung, Befähigung und Beauftragung von Getauften/Gefirmten zur Trauerpastoral:
    a) Erstkontakt   b) Beerdigung   c) nachhaltige Begleitung

Willkommenskultur und Jugendpastoral:

Wie können wir junge Menschen so begleiten, dass sie das Handeln Gottes in ihrem Leben entdecken?

  • An den Lebensorten, in den Lebenswelten von Jugendlichen präsent sein

  • Sich interessieren, Beziehungen gestalten, Zeit mitbringen

  • Authentisch sein (nur wer bewegt ist, bewegt)

  • Zuhören, zutrauen, Talente benennen, wertschätzen

  • Sich zeigen, Vorbild sein, Entscheidungen anregen

  • ins Reden über den eigenen Glauben kommen

  • Eltern einbinden, begleiten, unterstützen

  • Ohne Personal geht Jugendpastoral nicht


Rückmeldung des Erzbischofs

Kardinal Woelki dankt für die Empfehlungen und für die Themenvorschläge, die er im ständigen Ausschuss gerne weiter beraten möchte. Er dankt für die Sorge einiger Teilnehmer, die in den Beiträgen zum Ausdruck kam. Beim nächsten DPR soll es nach den Vorstellungen des Erzbischofs auch um das gehen, was im Alltag der Pastoral vor Ort problematisch ist. Sein Anliegen ist es, voneinander zu hören und gemeinsam Schritte zu gehen. Er fordert dazu auf, auch im DPR die neue Kultur eines veränderten Miteinanders einzuüben. Er schließt mit einem herzlichen Dank für die Mitarbeit und das gemeinsame Unterwegssein.