1. Oktober 2016 Alfred Lohmann, Sekretär des DPR

Kardinal Woelki eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und dankt allen dafür, dass sie ihre Teilnahme an dieser für das Gesamtgremium zusätzlichen Sitzung ermöglichen konnten. Er übergibt die Leitung der Sitzung an Frau Dierkes, die einen Überblick über den Verlauf der Beratungen gibt.
Herr Dr. Fleischer beginnt die Bibelarbeit mit dem Kehrvers „Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Kirche wird neu“.


Frau Schütte trägt den Bibeltext aus dem Brief an die Philipper vor. (Philipper 2,1-11):

Wenn es also Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: «Jesus Christus ist der Herr» - zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

Biblischer Impuls

In seinem biblischen Impuls geht Dr. Fleischer der Frage nach, wozu Paulus den Philippern als seiner Lieblingsgemeinde den Hymnus vom erniedrigten und erhöhten Christus so eindringlich vorstellt:

  • Auch wenn der Philipperhymnus dogmatische Grundaussagen wie Präexistenz, Menschwerdung, Kreuzestod und Erhöhung zur Rechten des Vaters festhält, geht es nicht (allein) um die Lehre. Paulus legt vielmehr die sich in den "Glaubenswahr-heiten" verbergende Dynamik frei:
  • Als "letztes Mittel" der liebenden Zuwendung Gottes zum Menschen wählt er in seinem Sohn den Weg, weniger zu werden, als er ist: Mensch. Das meint "Sellbstentleerung/ Selbstentäußerung" (Phil 2,7).
  • Diesen Weg geht er bis zur bitteren Konsequenz des denkbar schlimmsten Todes: der Kreuzigung. Genau wegen dieser Konsequenz wird der Sohn "erhöht" und damit der Weg des "Wenigerwerdens" von Gott ins Recht gesetzt.
  • Aus dieser göttlichen Dynamik ergibt sich, wozu Paulus den Hymnus anführt: Er wünscht, dass die Gemeinde diesen Weg des Wenigerwerdens als Modell übernimmt, miteinander umzugehen. Liebende Zuwendung zum Nächsten heißt nicht nur, dem anderen "auf Augenhöhe" zu begegnen, sondern "einer schätze den an-deren höher ein als sich selbst".
  • Diese Forderung ist in sich "verrückt" und hat ihre einzige Rechtfertigung darin, dass Gott als erster so gehandelt hat: uns, die Menschen, hat er höher geschätzt als sich selbst - das meint Menschwerdung Gottes.
  • Zugleich ist klar: Paulus gibt nicht allein den Philippern eine Mahnung, eine drin-gende Empfehlung; vielmehr ist sie ein Maßstab für die Kirche - an jedem Ort und zu jeder Zeit.
  • Deshalb hatte jedes Mitglied des DPR die Lesung in Form eines persönlichen Briefes erhalten.

Geistliche Haltungen auf dem Pastoralen Zukunftsweg

Frau Dierkes führt in die Thematik „Geistliche Haltungen auf dem Pastoralen Zukunftsweg“ ein und erläutert den Zusammenhang von Halt in Gott, aus diesem Halt sich ergebende geistliche Haltungen und ein dem entsprechendes Verhalten. Einige Aspekte:
Halt - sich fest machen in dieser Weise Gottes: den anderen höher schätzen; wichtigster Beitrag einer Begegnungskultur ist die Hinwendung zum einzelnen Menschen.


Haltung - Aus diesem Halt in Gott ergeben sich geistliche Haltungen. Eine Begegnungskultur entfaltet eine Spiritualität der Haltungen. Wichtiger als das, was man tut, ist, wie man etwas tut. Die Haltungen sind das Wichtigste, drei "ausgewählt":

a) Liebende Aufmerksamkeit
b) Bereitschaft, sich zu verändern
c): Ermutigung durch Vertrauen


Das sind drei zentrale Haltungen einer Begegnungskultur, zentrale Haltungen konkreter Barmherzigkeit zugleich diakonischer Pastoral. In drei zentralen Verhaltensweisen werden diese Haltungen, letztlich der Halt in Gott sichtbar:
a) Übernahme von Verantwortung
b) Wertschätzender Dialog
c) Beteiligung Vieler / Partizipation
Siehe zu diesen Ausführungen das zugehörige Dokument (PDF-Anlage 1).

 

Gruppenarbeit

Es folgte eine erste Gruppenarbeit mit den Fragen:
Was kann mein Beitrag im DPR sein,

  • damit wir Gott im anderen entdecken können?
  • damit wir uns einander aufmerksam und liebend zuwenden können?
  • damit wir einander ermutigen durch Vertrauen?
  • damit wir die Bereitschaft stärken, uns als Kirche in dieser Zeit zu verändern?

Was werden wir konkret erleben, wenn hier unter uns aus Haltungen Handlungen werden?
Es wurde in acht Gruppen intensiv miteinander geredet. Der Schwerpunkt lag auf dem geistlichen Austausch.


Nach der Pause folgte die zweite Gruppenarbeit, die das Ziel verfolgte, konkrete Prozesse anzudenken zu den Haltungen des pastoralen Zukunftsweges – exemplarisch an der Praxis der Taufpastoral:

  1. Wie lassen sich Prozesse anregen, die Haltungen verändern in den Seelsorgebereichen, Einrichtungen, Kirchorten,… unseres Erzbistums
    … hin zu einer Willkommens- und Begegnungskultur
    … hin zu mehr Partizipation
    … hin zur Verantwortung vieler?
  2. Welche Wirkungen versprechen wir uns davon?


Im Plenum erfolgten der Bericht aus den Gruppierungen und eine lebhafte Diskussion einzelner Aspekte.
Die Arbeitsergebnisse der Gruppen sind in einem eigenen Dokument festgehalten.

 

Kardinal Woelki dankte abschließend für die Bibelarbeit und den geistlichen Austausch und ebenso für die vielen konkreten Überlegungen zur Taufpastoral. Er verwies darauf, dass im Diözesanpastoralrat noch konkreter zu erarbeiten sein wird, wie die bisherigen Überlegungen in den Seelsorgebereichen und insgesamt in der Pastoral im Erzbistum ihren Niederschlag finden können.


Er schließt mit einem herzlichen Dank für die Mitarbeit und das gemeinsame Unterwegssein.