Pastoraler Zukunftsweg

Auf seiner Vollversammlung am 29./30. Juni 2018 hat der Diözesanpastoralrat wichtige Arbeitsschritte für die nächsten Jahre beraten

Der Diözesanpastoralrat hat bei seiner Tagung am 29. und 30. Juni 2018 in Bensberg entscheidende Weichenstellungen für den Pastoralen Zukunftsweg beraten, die die nächste Etappe auf diesem Weg bestimmen werden. Wesentlich auf der Etappe: In fünf Arbeitsfeldern sollen in den nächsten Monaten zentrale Themenbereiche im Erzbistum Köln vertieft erarbeitet werden.

Noch von Bensberg aus hat Generalvikar Dr. Markus Hofmann in einer E-Mail an alle Pastoralen Dienste im Erzbistum Köln - Priester, Diakone, Gemeinde- und Pastoralrefereninnen und -referenten - über den Ablauf und die Ergebnisse der Vollversammlung informiert und sie und alle Katholiken im Erzbistum zum Mitgehen, Mitdenken und Mitgestalten eingeladen.

Im Folgenden finden Sie diese E-Mail von Generalvikar Hofmann dokumentiert.

E-Mail von Generalvikar Dr. Markus Hofmann an die Pastoralen Dienste vom 30.06.2018

Betr.: Generalvikar: Aktuelle Information zur Sitzung des Diözesanpastoralrates, heute 30.06.2018

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Damen und Herren,

an diesem Freitag und Samstag befasst sich der Diözesanpastoralrat auf einer Klausurtagung im Kardinal-Schulte-Haus Bensberg mit Herausforderungen und Perspektiven auf dem Pastoralen Zukunftsweg. Die Tagung steht unter dem Titel: „Gott lässt wachsen. Mutig mit Christus in die Zukunft“. Denn: Es ist deutlich, dass wir als Erzbistum am Beginn einer neuen, wichtigen Etappe stehen. Vor drei Jahren hat unser Erzbischof die Katholiken im Erzbistum Köln auf einen Pastoralen Zukunftsweg eingeladen. In verschiedenen Bereichen unseres Erzbistums gibt es inzwischen erste Erfahrungen mit dem Versuch, eine neue Form des Kirche-Seins zu leben.

Und wir müssen weiter fragen: Wie kann das Erzbistum Köln auf diesem Zukunftsweg eine Kirche im Wachstum werden? Wie wird sie 2030, also in einem guten Jahrzehnt, mutmaßlich aussehen? Darüber hat gestern und heute der Diözesanpastoralrat zusammen mit unserem Erzbischof, mit Fachleuten und Gästen beraten, und von dort schreibe ich Ihnen. Es ist mir wichtig, Sie umgehend und aus erster Hand über unsere Beratungen zu informieren.

Bei der Vorbereitung dieser Klausurtagung war es uns wichtig, dass es Klarheit über die seelsorgliche wie materielle Ausgangssituation unseres Erzbistums gibt und die Mitglieder des Diözesanpastoralrats diese Daten kennen, damit sie den Erzbischof in bester Weise beraten können. Am Freitag stand deshalb zunächst eine Situationsvergewisserung auf der Tagesordnung. Pastoralreferent Frank Reintgen stellte wesentliche Eckpunkte vor: Bei wesentlichen Kennzahlen - Mitgliederentwicklung, Gottesdienstbesuch, Sakramentenspendung - sind im letzten Vierteljahrhundert überall Rückgänge zu verzeichnen. Jahr für Jahr verliert das Erzbistum im Schnitt 17.500 Mitglieder, die Mehrheit davon durch demografische Faktoren (deutlich mehr Sterbefälle als Taufen) - also in der Größenordnung eines mittelgroßen Seelsorgebereichs.

Als Gast in dieser Phase der Bestandsaufnahme war der Münsteraner Priester Thomas Frings eingeladen, von seinen Erfahrungen zu berichten. Aus der Erkenntnis, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, zog Frings 2017 für sich sehr radikale Konsequenzen: er gab seine Tätigkeit als Pfarrer in einer Münsteraner Kirchengemeinde auf. „Ich musste mir eingestehen: ich verwalte immer nur den Rückzug“; er habe aufgehört Pfarrer zu sein, um Priester bleiben zu können. Dabei sei der Abwärtstrend nicht etwa das Ergebnis der oft engagierten Arbeit aller pastoralen Dienste. „Wir sind Zeugen eines zerfallenden Hauses und machen Bestandsschutz.“ Er habe das starre Beharrungsvermögen im Denken und Handeln nicht mehr ausgehalten. Was aber anders machen? Zentrale Schlussfolgerung von Frings: Entscheidend ist die Lebensrelevanz dessen, was wir tun, für die Menschen.

Zur Bestandsaufnahme gehörte schließlich die Vergegenwärtigung und Aktualisierung bereits veröffentlichter Daten. Angesichts von demografischem Wandel und Mitgliederstatistik ist mit veränderten Katholikenzahlen zu rechnen. Zählte das Erzbistum Köln zum Jahrtausendbeginn noch gut 2,2 Mio. Katholiken, davon mehr als die Hälfte (1,2 Mio.) Beitragszahler, so lag die Mitgliederzahl vor fünf Jahren 2013 zwar nur noch bei 2 Mio. Mitgliedern, davon allerdings 1,3 Mio. Kirchensteuerzahler. Hinter diesen auf den ersten Blick paradoxen Daten steht die Tatsache, dass die Altersgruppe der 45- bis 60-jährigen demographiebedingt sowohl in den zurückliegenden als auch den kommenden Jahren zahlenmäßig besonders stark ist und zugleich gut verdient, also einen erheblichen Teil des Kirchensteueraufkommens beiträgt.

Der Leiter unserer Hauptabteilung Seelsorge-Personal Pfarrer Mike Kolb stellte die Personalentwicklung der letzten zehn Jahre dar: 2008 waren noch knapp 1.200 Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und –referenten im Einsatz, davon 852 in den Kirchengemeinden. Gegenwärtig (Ende 2017) liegt die Zahl der Pastoralen Dienste bei 1.065, davon in den Kirchengemeinden 817. Diese Entwicklung wird sich im nächsten Jahrzehnt fortsetzen.

Kolb präsentierte Projektionen, die anhand wissenschaftlicher Daten verschiedene Annahmen bei zu erwartenden Priesterweihen, Eintritts- und Ruhestandsalter berücksichtigen. Das Szenario im Jahr 2030 ist immer ähnlich: Bis dahin wird sich die Zahl aller Pastoralen Dienste halbieren, die Mehrzahl von ihnen wird dann über 50 Jahre alt sein, der Bedarf an jüngeren Priestern für Leitungsaufgaben wird die Kandidatenzahl übersteigen, und wo heute noch Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und –referenten in den Pfarrgemeinden wichtige Aufgaben in der Glaubensweitergabe übernehmen, bleibt dieses Feld zukünftig zunehmend unbeackert.

Bei den Kirchensteuereinnahmen ist damit auch für das kommende Jahrzehnt noch mit einem leichten Wachstum zu rechnen, so Dr. Martin Günnewig, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Finanzen. Er verdeutlichte anhand einer bereits 2014 veröffentlichten und fortgeschriebenen Projektion, dass die Personal- und Sachkosten im kommenden Jahrzehnt die Einnahmen allmählich ein- und überholen werden. Da wir auf einer soliden materiellen Basis stehen, ist diese Gestaltungsaufgabe eine Herausforderung, aber zu bewältigen.

Er veranschaulichte deren Größenordnung durch Vergleiche mit Aufgaben, für die das Erzbistum gegenwärtig jeweils etwa 5 Mio. Euro jährlich aufwendet: so für die Häuser der Priesterausbildung Collegium Albertinum, Priesterseminar und Redemptoris Mater oder für erzbischöfliche Schulen in der Stadt Köln (Ursulinen-, Domsing-, Liebfrauen- und Irmgardisschule); ebenso wie für die 68 katholischen Kindertagesstätten im Rhein-Erft-Kreis, oder beispielsweise für die Jugendverbände und –vereine, oder die Haftpflicht- und Gebäudeversicherung für Erzbistum und seine Kirchengemeinden, oder auch für das Domradio. Jeder dieser beispielhaft aufgeführten Arbeitsbereiche „kostet“ das Erzbistum etwa 5 Mio. Euro jährlich.

In fünf Arbeitsfeldern sollen nun in den nächsten Monaten zentrale Themenbereiche im Erzbistum Köln vertieft erarbeitet werden. Der Diözesanpastoralrat beschloss dazu ein umfangreiches Fragen- und Aufgabenpaket, das die nächste Etappe auf dem Pastoralen Zukunftsweg bestimmen wird. Dabei sollen sich in fünf Arbeitsgruppen möglichst viele Kirchenmitglieder aus Gemeinden, Verbänden, Gremien und kirchlichen Einrichtungen beteiligen. Die konkrete Beteiligung sowie die inhaltliche und praktische Ausgestaltung, wie die Ergebnisse erarbeitet werden, wird bis zur nächsten Sitzung des Diözesanpastoralrats im November in den Arbeitsgruppen und einem Projektteam erarbeitet, dem unter meiner Leitung die fünf Arbeitsgruppenleiter angehören:

  • Das Arbeitsfeld 1 „(Geistlicher) Kulturwandel, Vertrauensarbeit“ leitet Pfarrer Franz Meurer, Köln.
  • Arbeitsfeld 2 „Kirche (in ihrer ganzen Breite) vor Ort“ leitet Kreisdechant Norbert Hörter, Bergisch Gladbach.
  • Arbeitsfeld 3 „Kommunikation, Dialog, Öffentlichkeit“ wird geleitet von Pastoralreferent Dr. Werner Kleine, Wuppertal.
  • Das Arbeitsfeld 4 „Ausbildung, Kompetenzerweiterung“ steht unter Leitung von Pastoralreferentin Irmgard Conin, Köln.
  • Arbeitsfeld 5 „Effizienz und Nachhaltigkeit“ schließlich wird geleitet von Dr. Mechthild König, Bergisch Gladbach, Unternehmensberaterin und Mitglied im Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat.

Damit wir effizient arbeiten und bald zu Ergebnissen kommen, ist wie in anderen Veränderungsprozessen auch eine Projektstruktur sinnvoll. Wir haben uns entschieden, dabei externe Unterstützung in Prozesssteuerung und Methodenwissen hinzuzuziehen; diese externe Unterstützung geschieht durch das Unternehmen Boston Consultung Group (BCG). Heinrich Rentmeister und Benedikt Desalm werden mit ihrer Methodenkompetenz die „Werkzeuge“ beisteuern, die wir im Prozess brauchen, wenn wir unter größtmöglicher Beteiligung Vieler unsere pastoralen und theologischen Inhalte bearbeiten.

Pastoral - Zukunft - Weg, diese drei Begriffe, so Kardinal Woelki, hätten nicht selbstverständlich etwas miteinander zu tun. In ihrer Kombination allerdings machten sie das Wesentliche der Herausforderung deutlich; der Heilige Ignatius habe dies auf den Punkt gebracht: „mit liebender Aufmerksamkeit und ehrlichen Herzens auf unser Gestern und unser Heute schauen und lernen, uns nicht länger selbst zu betrügen“. Solche Prozesse seien in allen Bistümern im Gang; in Essen und Paderborn unter dem Begriff Zukunftsbild, anderswo hießen sie Pastoralplan oder Erneuerungsprozess. „Allesamt sind das ‚Arbeitstitel’ im besten Sinne von Anpacken und Ärmel hochkrempeln“, so unser Erzbischof.

Der damit verbundene nüchterne Blick gelte der Kirche wie der Gesellschaft und offenbare, „was wir sind und auch nicht mehr sind“. Ziel einer solchen selbstkritischen Analyse ist es aber gerade nicht, sich den Abwärtstrends hinzugeben, sondern „mit ihnen umzugehen, und zwar positiv gestimmt: Denn wir dürfen an eine wachsende Kirche glauben, weil Gott selbst es ist, der wachsen lässt. Das aber funktioniert nicht ohne uns, die wir den Samen ausbringen müssen.“ In diesem Sinne bat er den Diözesanpastoralrat um Mitarbeit „mit Herzblut“ in den fünf Arbeitsfeldern.

Dabei mitzugehen, mitzudenken und mitzugestalten ist ausdrücklich jede und jeder in unserem Erzbistum eingeladen, wie es unser Erzbischof in seinen Hirtenschreiben dargestellt hat. Wir werden Möglichkeiten und Formen des Miteinander und der Beteiligung entwickeln, die den unterschiedlichen Kenntnissen, Fähigkeiten und Geistesgaben entsprechend die ganze Vielfalt unseres Christseins so zur Geltung bringen, dass wir heute und mehr noch morgen anders – nämlich christusförmiger – Kirche werden, zum Heil der Menschen, zu denen wir gesandt sind.

Denn nur mit dem guten Geist Gottes, der uns zugesagt ist als Begleiter durch die Zeiten, werden wir gute Lösungen finden; dessen bin ich mir sicher. Ich bin Ihnen deshalb dankbar, wenn Sie unsere Beratungen hier in Bensberg mit Ihrem Gebet begleiten. Ich würde mich auch freuen, wenn Sie in den Gottesdiensten dieses Sonntags in ausdrücklicher Weise um den Segen Gottes für unseren Zukunftsweg bitten, vielleicht in den Fürbitten.

Schon jetzt danke ich Ihnen für Ihr Mitwirken auf Ihre je eigene und insgesamt ganz vielfältige Weise. Bitte geben Sie diese Information gern in Ihrer Umgebung weiter; wir werden zukünftig die Möglichkeiten unserer Kommunikation auf den verschiedenen Plattformen noch intensiver nutzen, damit unser gemeinsamer Weg gelingt.

Herzlich grüßt Sie zz. aus Bensberg

Ihr

Msgr. Dr. Markus Hofmann, Generalvikar

Download-Links zu Materialien und Dokumenten der DPR-Vollversammlung

Viele Detail-Informationen in dem in Bensberg ausgegebene > Handout für die Teilnehmer der Tagung

Ein > Statement von Erzbischof Rainer Maria Woelki zu Titel und Inhalt des "Pastoralen Zukunftsweges" am 30.06.2018 auf der Vollversammlung des Diözesanpastoralrates in Bensberg.

Informationen und Material zur > „Rheingold“-Studie