„Agape Gottesdienste“: Ein Interview mit Kaplan Edward Balagon

In Düsseldorf strömen viele, insbesondere junge Menschen in die Kirche, um „Agape Gottesdienste“ zu besuchen. Was aber kann man sich unter solchen Gottesdiensten vorstellen und auf wessen Idee gehen sie zurück?

14. Juni 2019
Kaplan Edward Balagon erzählt in unserem Interview, was seine „Agape Gottesdienste“ ausmacht.

„Agape Gottesdienste“ – unter dieser Bezeichnung bietet Edward Balagon seit mehreren Jahren in Düsseldorf besondere Gottesdienste an. Der Geistliche ist als Kaplan im Seelsorgebereich Unter-und Oberbilk/Friedrichstadt und Eller-West eingesetzt.

Die Gottesdienste zeichnen sich durch mehrere Dinge aus: Sie sind mit Musik untermalt, liturgische Anfänger sind besonders willkommen und man bleibt auch nach der Messe noch zum gemeinsamen Gespräch zusammen. Ein besonderes Merkmal der Gottesdienste: Sie sind randvoll mit jungen Menschen, Familien mit Kindern. Was macht den besonderen Reiz aus? Wir haben Eddie Balagon auch bei einem seiner „Agape-Gottesdienste“ besucht. Einen Videobeitrag dazu finden Sie ab sofort am Ende dieses Interviews. Weitere Informationen finden Sie auf der Facebook-Seite der Agape Gottesdienste.

Herr Kaplan Balagon, bei den Agape Gottesdiensten haben Sie in Düsseldorf, wie man so schön sagt, „die Hütte voll“. Und das auch noch mit jungen Menschen und Familien. Welchen Stein der Weisen haben Sie gefunden?

Um ehrlich zu sein machen wir bei den Gottesdiensten gar nichts Neues. Wir bereiten die Messen gemeinsam im Team vor und versuchen einfach, bei den Themen und der Sprache einen lockeren, angemessenen Ton zu treffen. Ein wichtiges Element ist die Musik, z.B. aus der „Hillsong“-Richtung. Außerdem gibt es bei uns bei den Fürbitten ein „open mic“, in das jeder seine Bitten hineinsprechen kann. Das kostet manchmal Überwindung, aber schafft eine neue Form von Zusammengehörigkeit.

Außerdem ist mir wichtig, dass unsere Messe wirklich für jedermann offen ist. Auch und vielleicht auch insbesondere für diejenigen, die lange nicht mehr oder sogar noch nie in einer Messe waren. Deshalb gibt es manchmal vorab auch ein paar Hinweise von mir. Falls jemand z.B. nicht weiß, wann man sich hinkniet oder so, ist das nicht schlimm.  Wir freuen uns schließlich, dass die Menschen sich um Christus versammeln. So sind über die Jahre eine gute Gemeinschaft und viele Freundschaften entstanden.

Ist das schon alles?

Am Anfang war noch eine ganz simple Frage sehr wichtig: Wann bieten wir die Agape Gottesdienste an? Wochenenden werden heute anders verbracht, manche Gewohnheiten wie der Nachmittagskaffee fallen weg, weil Familien in verschiedenen Städten leben. Nach gemeinsamen Überlegungen hat sich der Sonntag-Nachmittag angeboten und wird sehr gut angenommen.

Außerdem haben wir für junge Familien ein eigenes Kinderbetreuungsangebot am Rande des Kirchenschiffs. Die Eltern können sich so auf ihr Gebet konzentrieren und haben trotzdem die Kinder mit im Blick – und umgekehrt! Wenn dann auch manchmal ein Kind durch den Kirchraum flitzt, stört das überhaupt nicht.

Und weil Kirche und Küche bekanntlich zusammengehören, bieten wir nach der Heiligen Messe an, bei etwas Verpflegung noch beisammen zu bleiben und ins Gespräch zu kommen. Mittlerweile ist es auch so, dass einige Leute von sich aus Speisen für die Geselligkeit mitbringen.  Jeder ist eingeladen, nach der Messe noch mit in den Gemeindesaal zu kommen.

Wer hatte denn die Idee zu diesem neuen Format?

Als ich neu nach Düsseldorf gekommen bin, wurde ich von jungen Menschen angesprochen, schon mit dieser konkreten Idee. Alle waren so circa Mitte, Ende zwanzig, Anfang dreißig, teilweise schon mit Kindern und auf der Suche nach einem geeigneten Angebot für sich selbst. Leider erleben wir oft, dass bei vielen Menschen nach Erstkommunion und Firmung bis zur Eheschließung eine Art „Vakuum“ in der kirchlichen Biographie vorhanden ist. Das müssen wir dringend füllen, denn die Sehnsucht bleibt, sich über den Glauben auszutauschen und in Gemeinschaft zu sein.

Deshalb war ich sehr froh über diese Eigeninitiative und die tolle Idee. Als Priester nehme ich das gerne an, unterstütze diesen Bedarf und tue alles, um das gewünschte Format zu ermöglichen. Bisher habe ich jede der gemeinsamen Vorbereitungen im Team als gute Bereicherung erfahren, weil alle an einem Strang ziehen.

Kaplan Edward Balagon berichtet mit Freude darüber, dass die Gottesdienste durch die Vorschläge junger Menschen ins Leben gerufen wurden.

Im Rahmen des Pastoralen Zukunftswegs hat Erzbischof Woelki dazu aufgerufen, neue pastorale Formate für die Bedarfe vor Ort zu finden. Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung mit den Agape Gottesdiensten heraus gerne weitergeben?

Zum einen braucht es ein offenes Ohr, um mit den Menschen vor Ort im Dialog zu schauen, welche Bedarfe sie haben. Wie gesagt: Die Agape Gottesdienste sind aus einer Initiative von „Laien“ vor Ort hervorgegangen. Und zum anderen können wir auf unsere Botschaft vertrauen: Gott ist bei uns. Niemand ist alleine. Mal können wir die freudigen Momente mit Gott teilen, und manchmal ist der Glaube auch herausgefordert. Aber immer geht Christus mit uns an unserer Seite. Das berührt Menschen – auch und gerade heute! Deshalb ist der Pastorale Zukunftsweg aus meiner Sicht auch niemals abgeschlossen.

Vielen Dank.

Video: AGAPE Gottesdienst in Düsseldorf Bilk

Weitere Infos gibt es bei Facebook.